Notfall-Vorsorge


In der Katastrophe hilft auch Schokolade

Von Klaus Nissen

Was mache ich, wenn tagelang der Strom ausfällt? Oder Sturm und Sturzregen mein Haus fluten? Antworten liefert das eigens dafür gegründete Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (www.bbk.bund.de). Und Hans Dietmar Köhn aus Petterweil. Beim Arbeiter-Samariter-Bund in Karben gibt der ehrenamtliche Ausbilder praktische, teils verblüffende Tipps.

Notfall-Vorrat sollte nicht zu asketisch sein

Was sollte in der Speisekammer liegen, wenn der Supermarkt geschlossen bleibt? Nudeln, Reis, Dosengemüse und ein paar Kästen Wasser, listen die sechs Männer und sechs Frauen im ASB-Schulungsraum an der Dieselstraße auf. Der Referent nickt, schaut aber skeptisch. „Mir ist Ihr Vorrat einfach zu asketisch. Eine Woche kann verdammt lang sein. Sie sollten auch Sachen kaufen, die Sie gerne essen.“ Schokolade zum Beispiel. Ein paar Weinflaschen wären auch nicht schlecht. Wenn man schon in der Katastrophe steckt, sollte man möglichst wenig darben.

Blick in die Vorratskammer des Autors – Marmelade und Wein sind zwar lange haltbar – es dürfte aber hart werden, wenn man sich ausschließlich davon eine Woche lang ernähren müsste. Foto: Nissen

Falls also der Strom weg bleibt – wie neulich in Berlin – sind nach Ansicht von Hans Dietmar Köhn nicht nur Kerzen wichtig, sondern auch Gesellschaftsspiele. Und Bücher. Und mindestens eine geladene Powerbank für das Mobiltelefon. Oder ein Batterie-Radio, das einen über den Fortgang der jeweiligen Katastrophe informiert.

Informationen eher am Feuerwehrhaus als im Netzt

Allerdings sollten wir nicht dauernd am Lautsprecher und Bildschirm hängen, empfiehlt der 67-jährige Petterweiler. Wenn etwas Krasses passiert, müsse man mit einem ausgewachsenen „Info-Tsunami“ rechnen, bei dem auch Fake-News verbreitet werden. „Ganz wichtig ist kontrollierter Medienkonsum“, empfiehlt Köhn. Damit man nicht in Panik gerät. Es helfe der Psyche, wenn man auch das Gute im Schlechten entdeckt. Beispielsweise die Stille, wenn das Mobiltelefon nicht mehr funktioniert.

Marcel Bildhäuser (links) und Hans Dietmar Köhn vom ASB empfehlen: Schon vor dem Notfall sollten Lebensmittel parat haben und wissen, in welche Richtung wir fliehen können. Foto: Nissen

Das Informationsbedürfnis könne man auch am nächsten Feuerwehrgerätehaus stillen. Da sei bei Großeinsätzen meist ein Mensch zu finden, der genauer weiß, was los ist. Und wenn das Festnetztelefon noch funktioniert, kann man 06031/83 8283 anrufen. Unter dieser Nummer betreibt der Wetteraukreis seit 2006 ein „Gefahreninformationstelefon“. Zuletzt wurde es während der Corona-Pandemie mit informierten Gesprächspartnern besetzt, berichtet Kreis-Sprecherin Deliah Werkmeister auf Anfrage.

Interesse an Notfallvorsorge wächst

Zivilschutz und Katastrophen-Vorsorge war lange unmodern, sagt Marcel Bildhäuser, der beim ASB Mittelhessen das Fortbildungsprogramm organisiert. Seit drei Jahren beteiligen sich die Samariter am Bundesprogramm, das Zuschüsse für Kurse wie den in Karben gibt. Es mache Arbeit. Und „ich habe die Abende teils mit einem oder zwei Leuten zugebracht“, erinnert sich Hans Dietmar Köhn. Inzwischen kommen mehr Interessierte.

Es geht dabei auch um Flucht. Wenn sie brennt, muss ich meine Wohnung sofort verlassen. Was muss ich unbedingt mitnehmen? fragt der Experte in die Runde. Eine lange Liste kommt zusammen, die der Referent mit Unerwartetem verlängert: „Denken Sie auch ans Kuscheltier Ihres Kindes. Und ans eigene Hochzeitsfoto – oder was auch immer Ihnen am Herzen liegt.“ Kann ja sein, dass man niemals in die Wohnung zurückkehren kann.

Das Kurbel-Radio braucht keine Batterien, um Nachrichten, tröstende Musik oder ein wenig Licht zu liefern. Foto: Nissen

Es bleibt nicht viel Zeit fürs überlegte Packen. Nicht schlecht wäre deshalb eine stets bereitstehende „Fluchttasche“, regt Köhn an. In der auch Medikamente stecken und Kopien wichtiger Dokumente. Aktenordner sind zu schwer. In einen USB-Stick passt dagegen die Verwaltung eines ganzen Lebens.

Man sollte lieber gleich damit anfangen, die Geburtsurkunde und die Police der Gebäudeversicherung einzuscannen. Und es könnte nach Köhns Vorstellung interessant sein, einen Stromausfall mal ein Wochenende lang durchzuspielen. „Auf jeden Fall müssen wir ein bisschen resilienter werden“. Wer sich zu helfen weiß, sei im Notfall besser dran. „Wir können nicht jedes mal sagen: Lieber Staat, mach mal – das kriegt der Staat nicht hin.“ Die nächsten Info-Abende des ASB zur „Vorbeugung und Reaktion in Notlagen“ beginnen finden am 25. Februar und 5. März ab 19 Uhr an der Dieselstraße 9 in Karben. Anmeldung unter ausbildung@asb-mittelhessen.de oder 069/985444695

Kochen ohne Strom

Nur wenige haben neben der Solar-Batterie auch eine Notfall-Box, die die Wohnung im „Inselbetrieb“ warm und hell hält. Hält der Blackout länger an, muss man improvisieren. Ein mit Gas betriebener Campingkocher ist dabei segensreich, meinen die Experten vom ASB und Zivilschutz-Bundesamt. Man kann ihn auch drinnen betreiben.

Ohne Strom funktioniert auch die Heizung nicht. So ein mit Äthanol betriebener Campingkocher macht die Suppe heiß und wärmt auch das Wohnzimmer ein bisschen. Foto: Nissen

Wer einen Holzkohle-Grill hat, darf ihn nur draußen benutzen. Wenn er schon als Not-Kochstelle dient, sollte man auch die Nachbarn einladen. So werde die Wärme besser ausgenutzt, meint Hans Dietmar Köhn. Und jeder Notfall sei gemeinsam besser zu ertragen.

Praktische Tipps hat auch das „Deutsche Tiefkühlinstitut“. Das Organ der Einfrier-Wirtschaft schickte sie kurz vor dem ASB-Infoabend in die Redaktion. Beim Stromausfall solle man nicht gleich den ganzen Inhalt der Tiefkühltruhe wegwerfen. „Ist nur die äußere Schicht weich, der Kern aber noch gefroren, kann es zu Qualitätsverlusten, jedoch nicht zwingend zu einem Gesundheitsrisiko kommen.“ Bei Temperaturen bis sieben Grad könne man Aufgetautes noch essen oder wieder einfrieren. Fleisch müsse man aber vollständig erhitzen. Und getautes Speiseeis sei nur noch gut für die Biotonne.

Ein Gedanke zu „Notfall-Vorsorge“

  1. Vorrat im Katastrophenfall:
    Wer geht schon gerne ran an dieses Thema?! Vielen Dank für den Anstoß, sich damit zu befassen!

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