Grönland

Trump hin, Trump her

Von Dietrich Jörn Weder

Der US-Präsident hat sich mit der versuchten Übernahme von ganz Grönland übernommen und er wird sich nun mit dem arrangieren müssen, was er Dänen und Grönländern als Entgegenkommen noch abringen kann.

US-Wähler nicht begierig auf die Eis-Insel

Die gewaltsame Annexion der Eis-Insel war in Wahrheit und von Anfang an eine leere Drohung, denn mit ihr hätte er die Nato aus den Angeln gehoben. Vor der angedrohten wirtschaftlichen Nötigung mit Zöllen wären die Europäer nicht in die Kniee gegangen, umso weniger als der Oberste US-Gerichtshof Trump den freizügigen Gebrauch dieses Knüppels mit einiger Wahrscheinlichkeit demnächst erschweren wird.

Der großmannssüchtige US-Präsident steht nun als ein Hasardeur da, der mit schlechten Karten eine große Wette eingegangen ist, die er verlieren musste. Neun von zehn US-Wählern halten nicht von Trumps grönländischem Abenteuer. Das hätte er zu bedenken, wenn er noch einmal eine Volte in dieser Sache versucht, die ihm zur Obsession geworden ist.

USA unverzichtbar für den Ukraine-Frieden

Die europäischen Nato-Mitglieder haben noch einmal zur Kenntnis nehmen müssen, wie egoman und wankelmütig der US-Partner ist, mit dem wir immer noch in einem Boot sitzen. Aber um Putin auf Abstand zu halten und den Ukraine-Krieg zu beenden, brauchen wir ihn immer noch.

Die EU lernt aus der Grönland-Lektion hoffentlich, wie wichtig es ist, mit einer Stimme zu sprechen, und dass dahinter nationale Differenzen zurückstehen müssen. Freuen dürfen und sollen sich die Europäer gleichwohl, dass auch Trump einmal Grenzen gesehen hat. Unterwürfigkeit und falsche Lobhudelei im Umgang mit dem US-Präsidenten sollten sie nun hinter sich lassen.

Aber die von Bosheiten und Lügen strotzende Verachtung, mit der Trump auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos über Europäer und selbst die Schweizer Gastgeber gesprochen hat, wird nachhallen. Und es ist nicht zu erwarten, dass der US-Präsident die Spur demnächst wechseln wird. Mit diesem Präsidenten werden wir uns kaum mehr akkommodieren.

Dr. rer. pol. Dietrich Jörn Weder war Jahrzehnte lang leitender Umweltredakteur und Fernsehkommentator des Hessischen Rundfunks. Seit seiner Pensionierung arbeitet er als freier Autor für Print- und Audiomedien. Er betreibt den Blog Wachposten Frankfurt, auf dem er Kommentare zu aktuellen Themen veröffentlicht. Wachposten

Titelbild: Grönland (Foto: Unsplash/Ken Mathiason)

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