Logistikzentrum

Noch eine Halle bei Hammersbach

Am 5. März 2021 hat die die Regionalversammlung Südhessen die Erweiterung des gemeinsamen Gewerbegebiets von Hammersbach, Büdingen und Limeshain an der A45 um zehn Hektar gebilligt. Bei der Sitzung in Flörsheim sprachen sich Vertreter von SPD, CDU und FDP für den Ausbau des Logistik-Areals aus. Grüne und AfD stimmten dagegen. Die Hammersbacher CDU und die Bürgerinitiative „Schatzboden“ durften nicht abstimmen. Sie wandten sich aber genauso wie die 2115 Unterzeichner einer Petition gegen die Bebauung des jetzigen Ackers.

Logistikzentrum soll um zehn Hektar wachsen

Bislang umfasst das Gewerbegebiet am Autobahn-Rasthof Limes an der Grenze zwischen Wetterau- und Main-Kinzig-Kreis 26, 8 Hektar. Davon werden 16,5 Hektar (also 165 000 Quadratmeter) durch Logistikbetriebe und 10,3 Hektar von anderen Firmen genutzt. Ganz nah an der A45 hat dort die Dietz-AG zwei große Hallen gebaut. In einer davon lagert und verteilt der französische Konzern ID-Logistics Konsumgüter im Auftrag von Online-Händlern. Die zweite Halle nutzt momentan das US-amerikanische Versandhaus Wayfair, um Haushaltsprodukte, Spielzeug und Haustierzubehör an die Online-Kunden zu verteilen.

Wo auf diesem Foto im August 2019 noch eine Baustelle war, steht inzwischen eine große Logistikhalle. Auf dem grünen Gelände dahinter soll bis zur Autobahn eine weitere Halle gebaut werden. Foto: Nissen

Wayfair kündigte Mitte Februar 2021 allerdings den Abzug aus Hammersbach an. Man werde auch das Lager in Kassel aufgeben und alles Ende 2021 auf einem 9,5 Hektar großen Grundstück im neuen Logistikzentrum bei Lich konzentrieren. Dort will das Unternehmen die Belegschaft um 240 auf 400 bis 500 Mitarbeiter aufstocken.

Die dritte Halle wird vier Hektar groß

Zur Westerweiterung des Gewerbegebiets Limes gehört ein 1,9 Hektar großes Gelände gleich neben dem Autobahn-Rasthof. Dort sollen sich kleinere Firmen ansiedeln. Laut Michael Göllner gibt es mehrere Interessenten, einer habe schon die Zusage zur Ansiedlung.

Südlich davon soll ein 8,1 Hektar großer Acker versiegelt werden. Er liegt zwischen dem Gewerbegebiet und der Autobahn. Darauf entsteht eine vier Hektar große Lagerhalle. Außerdem auf 2300 Quadratmetern Büroräume und auf 3500 Quadratmetern weitere Lagerflächen. Neben dem Rasthof-Parkplatz sind zusätzliche Stellplätze für 25 Lastwagen und 178 Autos geplant.

Mit dieser Grafik will die Bürgerinitiative „Schatzboden“ die künftigen Ausmaße des interkommunalen Logistikzentrums an der A45 bei Hammersbach verdeutlichen. Foto: Schatzboden

Die Dietz-AG hat im September 2020 mit der saarländischen Hager-Gruppe einen Mietvertrag über die dritte Logistikhalle unterzeichnet. Das neu nach Hammersbach kommende Unternehmen wird seit 1955 von den Inhabern geführt. Von Blieskastel aus vertreibt es Elektro-Installationsmaterial für Privathaushalte und Firmen. Im Gewerbegebiet will Hager rund 200 Menschen beschäftigen. Der Bau des neuen Betriebsgeländes kann nach Göllners Schätzung im Herbst beginnen.

Mehr als 2100 Unterschriften gegen das Projekt

Gegen diese Erweiterung sammelte die Bürgerinitiative „Schatzboden“ ein Jahr lang auf dem Onlineportal „OpenPetition“ Unterschriften. Am 1. März 2021 übergab sie die Protestschrift mit genau 2115 Unterschriften an Michael Göllner, Erich Spamer und Adolf Ludwig – die Bürgermeister und Vorstände des Zweckverbandes „Interkommunales Gewerbegebiet Limes“ (Zwigl). Die Delegation brachte Schilder mit: „Feld statt Beton“, „Flächenfraß-nein danke“ und „Stop! Monsterhallen.“ Drei Schatzboden-Mitglieder kamen in Feldhamster-Kostümen. Die Bürgermeister ließen sich mit den Projektgegnern fotografieren, und Gerd Göllner versprach, die in der Petition genannten Argumente gegen die Gewerbegebiets-Erweiterung in der Planungsversammlung vorzutragen.

Mit Protestschildern und teils in Feldhamster-Kostümen brachten Mitglieder der Schatzboden-BI ihre Petition gegen die Gewerbegebiets-Erweiterung zu den Bürgermeistern Erich Spamer, Michael Göllner und Adolf Ludwig. Foto: Schatzboden

Das erste Argument: Der wertvolle Ackerboden müsse erhalten bleiben. Denn: „Indem wir fruchtbare Böden irreversibel versiegeln, entziehen wir uns und nachfolgenden Generationen die Nahrungsgrundlage.“ Auch in der Beschlussvorlage der Regionalversammlung ist die Bodenversiegelung als Problem genannt. Auf Seite 16 heißt es, die Gewerbe-Nutzung betreffe „wertvolle Ackerböden, deren Verlust per se nicht kompensierbar ist“. Die obere Bodenschicht aus Lösslehm solle auf weniger fruchbaren Äckern der Umgebung verteilt werden.

Landwirte „nicht in ihrer Existenz gefährdet“

Die Landwirte, die ihren Acker an der A45 verlieren, würden durch das auf 37 Hektar vergrößerte Gewerbegebiet „nicht in ihrer Existenz gefährdet“. Teilweise könnten sie sich durch Landtausch sogar verbessern. Kim Sen-Gupta von der Schatzboden-BI sagt allerdings, dass sowohl bei der West-Erweiterung als auch für die künftig geplante Osterweiterung (hier um zusätzliche 17 Hektar) Landbesitzer den Acker nicht verkaufen wollten. Sen-Gupta: „Wir wägen jede mögliche Chance ab, Rechtsmittel einzulegen.“

In der Petition der Projektgegner wird auch die Unterbrechung der Friedberger Straße als alter Handelsweg mit seinen für Tiere und Pflanzen wichtigen Hecken angeführt. Goldammer und Mönchsgrasmücke, Rehe, Hasen, Igel und andere Kleintiere wären betroffen.

Streit über die Arbeitsplätze an der Autobahn

Bezweifelt wird von der BI, dass die von den Kommunen Büdingen, Limeshain und Hammersbach angestrebte Schaffung von Arbeitsplätzen im Gewerbegebiet funktioniert. In der Petition heißt es: „Die anfänglich kolportierte Anzahl von 500 Arbeitsplätzen pro Halle wurde in Halle 1 bisher nie erreicht.“ Falsch sei auch das Argument der Bürgermeister, dasss es weniger Pendler nach Frankfurt gäbe, wenn Menschen aus der Region im Logistikzentrum arbeiteten. Denn „Osteuropa, vorwiegend Litauen, Polen, Rumänien etc., gehört sicher nicht zur Region“ Der Standort am Rasthof werde von osteuropäischen Vermittlungs- und Zeitarbeitsagentruren aktiv beworben.

Dieses Argument stößt dem Zwigl-Vorstand Michael Göllner übel auf: Es seien 500 neue Arbeitsplätze im Gewerbegebiet entstanden. „Auch Menschen, die nicht das Glück hatten, eine Hochschulausbildung oder überhaupt eine Ausbildung genossen zu haben. Nicht zuletzt auch Menschen, die in Not zu uns geflohen sind und jetzt stolz und froh sind, hier ihren Lebensunterhalt eigenständig verdienen zu können, Steuern zu zahlen.“ Göllner weiter: „Die Arbeit von vielen Menschen so zu missachten und herabzusetzen und ihnen die Würde zu nehmen, macht mich fassungslos und traurig.“

Ein Gedanke zu „Logistikzentrum“

  1. Gar nicht weit entfernt soll ein weiteres Gewerbegebiet entstehen. Die Bürgerinitiative „STOPP das Industrie- und Gewerbegebiet Münchholzhausen-Dutenhofen“ hat die Gründe für ihre Ablehnung in einem Video dargestellt. Es zeigt, dass auch diese geplante Versiegelung der Natur überflüssig und schädlich ist. Anzusehen unter
    https://www.youtube.com/watch?v=dex7DQGgKrM&t=61s

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