Kunstverein Bad Nauheim

Ausstellung „annäherungsweise“

Von Corinna Willführ

Noch „unentschieden“: Das könnte sich mit den Führungen durch die Ausstellung „annäherungsweise“ des Kunstvereins Bad Nauheim in der Galerie der Trinkkuranlage ändern. Am Samstag, 30. Mai, bietet die finnische Künstlerin Merja Herzog-Hellstén drei jeweils circa 30minütige Einführungen in ihre Arbeit an, insbesondere zu der von ihr einzig für die Rotunde der Galerie realisierten Installation.

Unerwartete weitere Bedeutung

Für die Vernissage war alles vorbereitet. Die Installation aufgebaut, die Bilder gehängt. Doch „annäherungsweise“, die vom Kunstverein Bad Nauheim für die Zeit vom 13. März bis 3. Mai vorgesehene Ausstellung in der Galerie der Trinkkuranlage Bad Nauheim konzipierte Präsentation mit Arbeiten von Merja Herzog-Hellstén und Volker Steinbacher konnte nicht wie geplant gezeigt werden. Nun aber doch: Denn die Arbeiten wurden nach der ausgefallenen Vernissage wegen Corona nicht abgebaut, sondern sind noch bis 21. Juni in den Ausstellungsräumen zu sehen.

Merja Herzog-Hellstén (Foto: Kunstverein Bad Nauheim)

„Annährungsweise“ – ein Titel, der neugierig macht. Und der, so Johannes Lenz, Vorstandsmitglied des Bad Nauheimer Kunstvereins und Kurator der Ausstellung, „durch Corona eine unerwartete weitere Bedeutung bekommen hat.“ Denn auch bei einem Besuch der Galerie in der Trinkkuranlage gelten die wegen der Pandemie verfügten Abstandsregelungen und der Mund-Nase-Schutz per Maske. Die auf dem Boden markierten schwarzen Linien der speziell für die Rotunde der Galerie gefertigten Installation von Merja Herzog-Hellstén dürfen indes überschritten werden. Sie markieren ein unsymmetrisch aufgebautes Spielfeld, begrenzt von großformatigen Bildtafeln. „Gewöhnlich stehen sich in einem Spiel vergleichbare Parteien gegenüber. Bei „unentschieden“ sind ungleiche Teilnehmer involviert. Frei und flexibel schwebende Körper teilen sich das aktive Spielfeld mit Netzen und Fangtrichtern, die den Anschein erwegen, sammeln, festhalten und den Raum strukturieren zu wollen“, heißt es im Info-Text zu der Installation. Merja Herzog-Hellstén, geboren 1969 in Finnland, hat ihr Kunststudium an der Northern Arizona University in den USA absolviert. Seit 1994 lebt und arbeitet sie in Deutschland. Aktuell ist sie Dozentin und Leiterin Labor Kunst an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Bereits zum dritten Mal ist sie mit ihren Werken zu Gast in Bad Nauheim. Neben der Installation zeigt sie aktuell auch Porzellanteller. Denen mit den Bildtafeln von „unentschieden“ eines gemein ist: Die amorphen Strukturen, die Assoziationen zu einem Blick auf molekulare Strukturen unterm Mikroskop nahelegen, erzeugt sie durch eingefärbte Seifenblasen. Inspiriert wurde die Künstlerin für ihre Installation durch „mesoamerikanische Ballspiele aus präkolumbischer Zeit“, deren Deutung und Bedeutung sie während der kunsthistorischen Vorlesungen in ihrem Bachelorstudium in Kalifornien kennenlernte.

Karin Merchel, zweite Vorsitzende des Kunstvereins Bad Nauheim. (Foto: Corinna Willführ).

Mit einer besonderen (Färbe)-Technik arbeitet auch Volker Steinbacher in seinen Druckgrafiken. Sie haben Titel wie „Corniche“ oder „Belvedere“, die auf die Auseinandersetzung Steinbachers mit dem Thema Landschaft hinweisen. „Das Sujet der Landschaft scheint ideal zum Medium der Radierung zu passen“, so der Künstler. Doch Wälder, Täler, Flüsse oder Berge sind nicht erkennbar. „Eine Bildlandschaft entsteht bereits durch die Wahl eines gestreckten, horizontalen Bildformats. Schon eine waagrechte Linie hat eine landschaftliche Anmutung.“ Steinbacher intensiviert diese durch die Kombination verschiedener Drucktechniken. „Da jede Platte als Hoch- oder Tiefdruck, als Verknüpfung aus beidem oder als reine Prägung gedruckt werden kann, eröffnet sich hier ein weites Feld.“ Das noch größer wird, wenn die Druckplatten unterschiedlicher Färbetechniken unterzogen werden. So kann das „gleiche Motiv“ in Blautönen auf den Betrachter beruhigend, in Schwarz-Rot aggressiv wirken.

Rund 80 Ausstellungen ausgerichtet

Der Kunstverein Bad Nauheim hat bereits rund 80 Ausstellungen mit den Werken zeitgenössischer Künstler in der Kurstadt durchgeführt. Eines seiner Anliegen: „die Bad Nauheimer, überhaupt alle Besucher, an moderne Kunst heranzuführen“, so Karin Merchel, stellvertretende Vorsitzende des Vereins. Dem Verein gehören rund 120 Mitglieder an.

Ein Anliegen, das der Verein auch in Corona-Zeiten weiter verfolgt. Wer an einer der Führungen am Samstag, 30. Mai 2020 (15, 16 und 17 Uhr) mit Merja Herzog-Hellstén teilnehmen möchte, wird deshalb gebeten, sich telefonisch unter 0152/31845750 oder per E-Mail an Johannes.Ulrich.lenz@googlemail.com anzumelden, da nicht mehr als zehn Besucher gleichzeitig die Ausstellung besuchen können. Es gelten die Abstandsregelungen und die Vorschrift, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Der Zugang zu den Arbeiten von Volker Steinbacher ist ebenfalls möglich. Der Eintritt ist frei.

Eine Einführung durch Experten gibt es auch bei der Vernissage von „Sichtweisen“ mit Werken von Lucas Freese und Thomas Hildenbrand vom 25. September bis 8. November 2020. Die für Ende September geplante „Europäische Kunstbegegnung“ mit Werken von Künstlerinnen und Künstlern aus den Partnerstädten Bad Nauheims ist auf die Zeit vom 14. Mai bis 27. Juni 2021 verschoben.

kunstverein-bad-nauheim.de

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