Keltenwelt am Glauberg

„Mahlzeit! Ernährung bei den Kelten“

Von Corinna Willführ

Unter dem Titel „Mahlzeit! Ernährung bei den Kelten“ steht die neue Themen-ausstellung der Keltenwelt am Glauberg. Sie geht mit der Präsentation neuer Funde in den Museumsräumen sowie einer Reihe von Vorträgen der Frage nach, was vor 2500 Jahren bei der Bevölkerung Mitteleuropas auf den Tisch kam. Mais und Kartoffeln können es nicht gewesen sein, denn die kannte man in der Eisenzeit noch nicht.

Kein Kochbuch hinterlassen

Ob er seine Suppe mocht? Der Kelenfürst vom Glauberg. (Foto: Willführ)

Die Kelten, die vor rund 2500 Jahren in Mitteleuropa siedelten, stellen die Wissenschaft immer wieder vor neue Herausforderungen. Denn anders als Griechen und Römer haben sie keine schriftlichen Zeugnisse ihrer Kultur hinterlassen. Schon gar kein Kochbuch wie der Römer Apicius. So sind denn Archäologen, Botaniker, Zoologen und Anthropologen gefragt, wenn es darum geht, zu erkunden, wovon sich die Kelten ernährten, wie sie ihre Speisen zubereiteten oder woher die verwendeten Produkte stammten. Schließlich ist, was beispielsweise der griechische Geschichtsschreiber Diodor im ersten Jahrhundert vor Christus von ihren Trinksitten zu berichten hatte, doch stark von seinem persönlichen Eindruck bestimmt: „Sie gießen den Wein, der von Kaufleuten eingeführt wird, unvermischt hinunter und nehmen das Getränk, dem sie so ergeben sind, in Übermaß zu sich, bis sie berauscht in Schlaf versinken oder in einen Zustand des Wahnsinns geraten.“

Modernste Bio-Archäologie

Dass die Kelten Wein ebenso wie Bier tranken, ist sicher. Doch was waren ihre Grundnahrungsmittel, was Luxusgüter? Neue Funde von Pflanzen und Tierknochen geben in der Ausstellung „Mahlzeit!“ Auskunft. Die Präsentation informiert ferner über die „Forschungszweige modernster Bio-Archäologie“. Nicht nur über diese dürften die Besucher staunen, sondern auch über zum Beispiel aufwändiges Tafelgeschirr (Grabbeigabe), das von der Kunstfertigkeit der keltischen Handwerker kündet. „Zu den Besonderheiten der Ausstellung zählen zweifelsohne die einmaligen Überreste von Speisen und Holzgeschirr aus der keltischen Saline in Bad Nauheim“, heißt es in der Ankündigung der Keltenwelt. Salz benutzten die Kelten nicht nur als Würzmittel und zum Haltbarmachen von Fleisch und Fisch, sondern es war auch ein wichtiges Handelsgut für sie. Wie Exponate belegen, brachten die Volksstämme aber auch Güter aus dem mediterranen Raum in hiesige Regionen.

Thomas Lessig-Weller, Kurator der Ausstellung „Mahlzeit“ Ernährung bei den Kelten: Museumspädagoge und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Keltenwelt. (Foto: Keltenwelt)

Wer nach einem Besuch der von Thomas Lessig-Weller, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Keltenwelt am Glauberg, kuratierten Ausstellung mehr wissen möchte, kann seine Kenntnisse im Kelten-Forum vertiefen. Es bietet an vier Abenden (8. Juni, 29. Juni, 27. Juli und 10. August, jeweils 19 Uhr) spannende Fachvorträge. So widmet sich Dr. Astrid Stobbe, dem Thema „Mensch-Umwelt-Blütenstaub. Der Einfluss des Menschen auf die Vegetation der Wetterau“. Professorin Angela Kreuz spricht über „Pflanzen und ihr Beitrag zur Ernährung bei den Kelten in Hessen“. Dr. Hans-Peter Stika referiert über „Landwirtschaft bei den frühen Kelten. Bier, Wein oder Met, was tranken sie?“ und Dr. Elisabeth Stephan stellt „Tierhaltung, (fleischliche) Ernährung und Weidewirtschaft in keltischer Zeit“ vor. An den Familien-Sonntagen erläutern Experten ihre Arbeit im Gelände und im Labor. Schulklassen können sich für das 60-minütige „Aktivprogramm Mahlsteintest“ anmelden. In ihm erfahren die Jungen und Mädchen, wie „effektiv unterschiedlich keltische Getreidemühlen sind“.

Zur Eröffnung der Ausstellung am Donnerstag, 27. April, erwartet Museumsdirektorin Dr. Vera Rupp, Christian Bührmann vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und den Landesarchäologen Dr. Udo Recker. Für Publikum ist die Schau vom 28. April bis 17. September zu sehen.

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