Jule Heck

Ein starker Frauenroman

von Petra Ihm-Fahle

Nach anregenden Schmöker-Stunden habe ich die Lektüre beendet und bin sehr angetan: von Jule Hecks neuem Buch „Die blaue Stunde“. Die Autorin aus Münzenberg hat mit dieser Geschichte um das Leben einer starken Frau einen großen Sprung nach vorn getan. Bis dahin schrieb sie weitgehend Kriminalromane, die Münzenberg und die Wetterau als Schauplatz hatten. „Tod im Schatten der Burg“ lautete dabei das Motto ihrer erfolgreichen Titel. „Die blaue Stunde“ dürfte eher weibliche Leser ansprechen.

Jule Heck und ihr Dackel Amy (Archivfoto: Petra Ihm-Fahle)
Jule Heck und ihr Dackel Amy (Archivfoto: Petra Ihm-Fahle)

Jule Heck erzählt anschaulich

Schon manchmal war mein Eindruck, dass die anschauliche Art, das Alltägliche zu beschreiben, der Autorin besonders liegt. Diese Einschätzung fand ich bestätigt, während ich ihr neues Buch las. In diesem findet sich übrigens eine Reminiszenz an ihre früheren Werke – das ist ein Dackel namens Erdmann.     

Jule Heck: Ihre Heldin heißt Hella

"Die blaue Stunde" von Jule Heck (Repro: Petra Ihm-Fahle)
„Die blaue Stunde“ von Jule Heck (Repro: Petra Ihm-Fahle)

Auch wenn „Die blaue Stunde“ mit Krimis nichts zu tun hat, ist die Handlung nicht minder spannend. Es geht um Hella, die mit 17 Jahren schwanger wird und ihren Lover Stefan heiraten muss. Er ist acht Jahre älter, Architekt, steigt in die florierende Baufirma seines Vaters ein und bietet Hella ein Leben in Wohlstand. Für sie beginnt ein Dasein als Hausfrau und Mutter, obwohl sie eigentlich studieren wollte, aber sie fühlt sich dabei nicht unwohl. Stefan und sie lieben sich nicht, mögen sich aber und machen das Beste daraus. Wären da nicht die vielen familiären Probleme und Verstrickungen. Von diesen erzählt Heldin Hella schwungvoll aus der Ich-Perspektive. Schauplatz ist, anders als sonst nicht die Wetterau, sondern der Chiemgau.

Wandlung zur Unternehmerin

Die Handlung beginnt in den siebziger Jahren und endet im Jahr 2010. In dieser Zeit macht Hella eine Wandlung durch, weg von der fügsamen Tochter, Schwiegertochter und Ehefrau hin zur erfolgreichen Unternehmerin. Doch irgendetwas fehlt, weshalb sie sich auf die Suche zu sich selbst begibt. Sie reist in die Flensburger Förde, wo sie eine Auszeit nimmt. Kaum ist sie dort, warten auch schon neue Abenteuer auf sie.

Viele Hürden

Dicht, authentisch und unterhaltsam erzählt Jule Heck diese Geschichte. Heldin Hella muss viele Hürden bewältigen und steht immer wieder vor unsäglichen Situationen und Überraschungen. Als Leser/in möchte man stetig weiterschmökern und wissen, wie es weitergeht. Nicht zuletzt deshalb, weil der eine oder die andere ähnliche Situationen auch schon mal erlebt hat und daher nachempfinden kann. Die kurzen Kapitel fördern dabei den Lesefluss.

Sympathische Heldin

Hella ist eine sympathische Heldin, aufgeschlossen und mit einem großen Herzen für ihre Mitmenschen ausgestattet. Sie ist tolerant gegenüber den Eigenheiten ihrer Mitmenschen, kann sich sehr gut einfühlen, weiß aber energisch den Riegel vorzuschieben, wenn es ihr zu viel wird.

Bayern und Schleswig-Holstein

Was die Handlung rund macht, sind die anschaulichen Beschreibungen Hecks, die ihre Leser/innen mit Bayern und Schleswig-Holstein in ansprechende und interessante Gegenden versetzt. Es sind Gebiete, die viele Menschen aus eigenen Urlauben kennen: In denen man sich wohlfühlen kann und in die man sich gern hineinversetzt. Auch die zeitgeschichtlichen Einschübe machen die fast 400 Seiten des Romans zu einem ansprechenden Leseerlebnis.  

Jule Heck, „Die blaue Stunde“, edition winterwork Borsdorf 2021, 396 Seiten, ISBN 978-3960148456, € 12,90

Dies ist ein Beitrag aus dem Blog „Lesen in Bad Nauheim“

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