Jugendstil

Konferenz zum Restaurieren

Die Innenräume von Jugendstilgebäuden zu restaurieren und zugänglich zu machen war Thema eines internationalen Symposions des Reseau Art Nouveau Network (RANN), ein europäisches Netzwerk zur Erforschung, Schutz und Entwicklung des Jugendstilerbes. Ein Beispiel ist die Sanierung des Sprudelhofs in Bad Nauheim.

Innenräume oft wenig beachtet

Das RANN feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass veranstaltete es zusammen mit Kooperationspartnern eine internationale Konferenz zum Thema „Jugendstilinterieurs“. Bad Nauheim ist seit 2004 Mitglied im RANN. Andreas Hilge und Friedrich-Karl Feyerabend vom Jugendstilverein Bad Nauheim nahmen als Vertreter der Stadt an diesem Symposion in Brüssel teil.

Erforschung und Vertiefung des Wissens über Art Nouveau waren seit Gründung wichtige Ziele des RANN. „Jugendstilarchitektur und Fassaden sind in vielen europäischen Städten für Jedermann sichtbar, das Interieur dagegen findet oft weniger Beachtung. Innenräume werfen sowohl in der akademischen Welt, als auch in der breiten Öffentlichkeit viele Fragen zur Restaurierung und Zugänglichkeit auf“, berichtet der Jugendstilverein Bad Nauheim in einer Pressemitteilung.

Breiten Raum nahm in der Tagung die Restaurierung ein. Zentrale Frage ist hier, die Referenzperiode der angestrebten Restaurierung zu bestimmen, das heißt den Zustand des Gebäudes festzulebgen, der Ausgangspunkt und Ziel der Restaurierung sein soll. Dies ist bei Jugendstilgebäuden nicht zwangsläufig das Jahr der Fertigstellung. So wurde die Villa Majorelle in Nancy 1901/02 erbaut. Referenzperiode ist aber 1901-1926; bis dahin veranlassten die Eigner wesentliche Umbauten. Die Referenzperiode muss in einem Gebäudekomplex nicht unbedingt einheitlich sein.

Beispiel Sprudelhof

Ansicht Wartesaal im Badehaus 2 im Sprudelhof Bad Nauheim
Befund eine Wandbemalung im Badehaus 3 des Sprudelhofa in Bad Nauheim)

Als Beispiel führt der Jugendstilverein in seiner Pressemitteilung die Sanierung des Sprudelhofes in Bad Nauheim an. Im Badehaus 6 soll die Wandgestaltung im Wartesaal aus den 1950er-Jahren erhalten bleiben, obwohl darunter eine Bemalung durch Friedrich Wilhelm Kleukens aus der Bauzeit 1909 verborgen ist. Im Badehaus 2 dagegen ist Referenz der Zeitpunkt der Bebauung, das heißt jetzt nicht erkennbare Kassetten werden wiederhergestellt, um den ursprünglichen Raumeindruck erfahrbar zu machen. Ein wichtiges Thema ist auch die Gestaltung und Farbe von Wänden. Jeder Hauseigentümer streicht gewöhnlich Wände alle 10 bis 15 Jahre neu und so entstehen im Laufe von 100 Jahren etliche Farbschichten. Daher legen die Restauratoren in einem ersten Schritt Sichtfenster und Bemusterungsflächen frei. Sie zeigen vorangegangene Gestaltungen der Wand. In Bad Nauheim sind sie beispielsweise im Sitzungssaal der Stiftung im Badehaus 3 auch nach der endgültigen Sanierung des Raumes sichtbar geblieben, um die unterschiedlichen Zeitschichten darzustellen.

Beim Aspekt „zugänglich machen“ spielt die Nutzung eine wichtige Rolle. Öffentlich zugängliche Häuser, wie etwa die Villa Majorelle (Wiedereröffnung nach Restaurierung 2020), bauen daher vielfach wegen der Barrierefreiheit Aufzüge im Inneren ein. Das Jugendstilzentrum in Ålesund hat sich bewusst dafür entschieden, das Publikum über die historische Treppe des Gebäudes, einer ehemaligen Apotheke, gehen zu lassen. Das Haus war aber ursprünglich für wenige Nutzer konzipiert, jetzt laufen 40.000 Menschen pro Jahr über die Treppe. Dies erfordert eine besondere Restaurierung.

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