Jüdische Ritualbäder

Ausstellung „Ganz rein!“

Mit der Ausstellung „Ganz rein!“ beteiligt sich das Wetterau-Museum in Friedberg (Hessen) am Jubiläumsjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Es sind Bilder des Fotografen Peter Seidel zu sehen, der sich seit über 30 Jahren mit jüdischen Ritualbädern, den Mikwen, beschäftigt. Die Ausstellung ist vom 5. November 2021 bis 9. Januar 2022 zu sehen.

Die Wanderausstellung zeigt Tauchbäder aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Österreich. Die Friedberger Mikwe nimmt dabei einen besonderen Stellenwert ein. Die um Mitte des 13. Jahrhunderte erbaute und bis heute erhaltene Mikwe, „Judenbad“ genannt, gehört zu den eindrucksvollsten Beispielen dieser Ritualbäder. Sie ist 25 Meter tief in den Fels getrieben.

Religion und Intimität

Als Peter Seidel sich Mitte der 80er Jahre aufmachte, Mikwen aufzusuchen und fotografisch festzuhalten, waren es in Deutschland wenige, manchmal kaum bekannte Orte. Zahlreicher sind sie entlang des Rheins zu finden, wo einst bedeutende jüdische Gemeinden existierten. Überschaubarer ist die Zahl der Mikwen in Frankreich, Italien, Spanien und Österreich.

Synagoge und Mikwe Ostia Antica (Fotos: Peter Seidel)

Viele Jahrhunderte waren die jüdischen Ritualbäder in Synagogen oder deren Nähe sowie in Wohnhäusern der Ort, an dem Religion und Intimität aufeinandertrafen. Die Mikwe, in die man sich nur nach gründlicher Reinigung des Körpers begibt, dient weniger der körperlichen Hygiene als vielmehr der rituellen Reinigung im religiösen jüdischen Leben.

Peter Seidels kunstvolle Bilder spannen den Bogen von der Antike bis in die Gegenwart. „Was Sie auf den Fotografen sehen, sind keine Mikwen. Es sind meine Bilder von jüdischen Ritualbildern, meine Interpretation dessen, mein Versuch, über das Dokumentarische hinaus den Räumen eine Aura, die es Religiösen, Kontemplativen zu geben“, sagt Seidel. Er präsentiert seine Fotografien als großformatige Farbdias in Leuchtrahmen.

In Friedberg fing Seidel an

Die Ausstellung ist eine Gemeinschaftsproduktion der Jüdischen Museen Voralberg in Hohenems, Frankfurt am Main, Franken in Fürth und Wien. Gemeinschaftlich haben sie den Katalog „Ganz rein! Jüdische Ritualbäder“ Fotografieren von Peter Seidel“ herausgegeben. Schon in der Erstauflage schmückte die Fotografie der Friedberger Mikwe den Titel des Ausstellungskataloges.

Die Mikwe in Mannheim.

Museumsleiter Johannes Kögler macht in der Neuauflage des Ausstellungskatalogs in seinem Nachwort die Bedeutung der Friedberger Mikwe deutlich. Er ist besonders froh darüber, im Jubiläumsjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ diese Ausstellung zeigen zu können. Zumal hier alles begann. Die Entdeckung des Friedberger Judenbades war für Peter Seidel der Auslöser, sich jahrelang mit Mikwen zu beschäftigen.

Die Ausstellung ist vom 5. November bis 9. Januar 2022 in den Sonderausstellungsräumen des Wetterau-Museums in der Haagstraße 16 in Friedberg zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis 17 Uhr.

Titelbild: Die Mikwe in Friedberg.

Ein Gedanke zu „Jüdische Ritualbäder“

  1. Die Friedberger Mikwe ist europaweit einzigartig. Und unbedingt einen Besuch wert. Wer die Treppen zum Grundwasser des Ritualbades hinabsteigt, sollte das Buch „Die Mikwe in Friedberg und andere jüdische Geschichten“ von Valentin Senger (1994) lesen. Vor oder nach dem Besuch. Auch die Veröffentlichung von Monica Kingreen „Das Judenbad und die Judengasse in Friedberg – Mikrokosmos jüdischen Lebens und deutsch-jüdischer Geschichte“. Letztere ist 2008 in den Wetterauer Geschichtsblättern erschienen. Das Buch von Valentin Senger ist im Buchhandel erhältlich. Zur Ortenberger Mikwe – Bild im Landboten-Text „Wider das Vergessen“ – gibt es bislang keine detaillierte Veröffentlichung.

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