Georg-Büchner-Preis

Auszeichnung für Terézia Mora

Für ihre „lebendige Sprachkunst“ und „eminente Gegenwärtigkeit“ in ihren Büchern zeichnet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung am Samstag, 27. Oktober 2018 in Darmstadt Terézia Mora mit dem Georg-Büchner-Preis aus.  Der Büchner-Preis ist die wichtigste und mit 50.000 Euro höchstdotierte Auszeichnung für Literatur in Deutschland.

Die Schriftstellerin Terézia Mora, Trägerin des Georg-Büchner-Preises 2018. (Foto: Wikipedia)

Terézia Mora, geboren 1971 in Sopron, ist als Mitglied der deutschen Minderheit in Ungarn zweisprachig aufgewachsen. Nach der Grenzöffnung übersiedelte sie 1990 nach Berlin, studierte an der dortigen Humboldt-Universität Theaterwissenschaften und Hungarologie. Ihre Romane wie auch Drehbücher schreibt die Autorin und Übersetzerin allerdings in Deutsch. Und das mit großem Erfolg. So erhielt sie unter anderem 1999 den Ingeborg-Bachmann-Preis für den Erzählband „Der Fall Ophelia“. Zwei Jahre später war sie Inselschreiberin auf Sylt, 2006 Stipendiatin der Villa Massimo in Italiens Hauptstadt Rom. Für den zweiten Band ihrer Trilogie um den Protagonisten Darius Kopp mit dem Titel „Das Ungeheuer“ bekam sie 2013 den Deutschen Buchpreis (www.tereziamora.de). Im selben Jahr hatte sie auch zum Wintersemester die Poetik-Dozentur an der Frankfurter Goethe-Universität inne. Es folgten der Preis der Literaturhäuser, der Bremer Literaturpreis u.a. Und nun der Georg-Büchner-Preis, die renommierteste und zugleich höchst dotierte Auszeichnung für Literatur in Deutschland.

In Erinnerung an den „poetischen Revolutionär“

Zur Erinnerung: Benannt ist dieser nach dem „poetischen Revolutionär“ Georg Büchner (1813-1837). Büchner, geboren in Goddelau bei Darmstadt ist Sohn eines loyalen Napoleon-Anhängers und einer Liebhaberin der Literatur der Befreiungskriege. Er ist  gerade Anfang 20 als er die Flugschrift „Der Hessische Landbote“ verfasst. In ihr prangert er unter dem Leitmotiv  „Friede den Hütten, Krieg den Palästen“ die gesellschaftlichen Verhältnisse an. Sein Protestmanifest gegen soziale Ungerechtigkeit gilt bis heute als das bedeutendste zwischen den Bauernkriegen und den Schriften von Karl Marx. Der „Neue Landbote“ sieht sich in Büchners Tradition.

Außenseiter, Heimatlose, Suchende

Und Terézia Mora? „In ihren Romanen und Erzählungen widmet sich Terézia Mora Außenseitern und Heimatlosen, prekären Existenzen und Menschen auf der Suche und trifft damit schmerzlich den Nerv unserer Zeit“, ist in der Begründung der Jury für den Büchner-Preis 2018 zu lesen. Da ist beispielsweise Darius Kopp. Kopp, Mitte 40, ist „Der einzige Mann auf dem Kontinent“. Nicht ganz, denn Kopp ist einer von vielen, der in einem „Arbeitskabuff eines Businesscenters“ arbeitet. Er ist guten Glaubens, wenn es um die Chancen geht, die ihm der Kapitalismus bietet. Konkret: den Aufstieg in einem Unternehmen namens „Fidelis wireless“. Mit Flora glaubt er sein Glück perfektionieren zu können. Doch die Frau an seiner Seite bringt sich um. Band zwei der Trilogie um den Computerfachmann mit Laptop, aber ohne Eigenschaften, von Terézia Mora trägt den Titel „Das Ungeheuer“. Teil drei der Trilogie soll noch in diesem Herbst erscheinen.

Mit viel Lob bedachte die Spiegel-Onlineredaktion die jüngste Veröffentlichung Moras, den 2017 erschienenen Erzählband  „Die Liebe unter Aliens“. „Dass alles in diesen Erzählungen im Flow gehalten wird, verdankt sich manchenteils umgangssprachlich, kurzen, rasanten Sätzen, dem leichten Ton, der Alltag zur Literatur erhebt. Es ist eine Sprache, die nah an den Figuren ist und uns in deren Konflikte und Zerrissenheiten führt“, ist dort zu lesen.

Von Adam Karillon bis Jan Wagner

Die Geschichte des Georg-Büchner-Preises reicht bis in das Jahr 1923 zurück  . Damals ging die Auszeichnung an den Komponisten Arnold Mendelssohn und den Schriftsteller Adam Karillon. Aus Friedberg stammte der 1932 als letzter vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten ausgezeichnete Schriftsteller Albert H. Rausch, der unter dem Pseudonym Henry Benrath veröffentlichte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ging die Auszeichnung 1945 an den Dichter Hans Schiebelhuth. Weit bekannter als der Darmstädter sind die weiteren Büchner-Preisträger wie Elias Canetti, Heinrich Böll, Christa Wolf oder Ernst Jandl. Die Ausgezeichneten der vergangenen Jahre: Rainald Goetz (2015), Marcel Beyer (2016) und Jan Wagner (2017).

Der Preis wird am Samstag, 27. Oktober 2018, 16 Uhr, im Großen Saal des Staatstheaters Darmstadt verliehen.

www.staatstheater-darmstadt.de

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.