Geflüchtete Frauen

Warum sie oft fremd bleiben

Khulud Sharif Ali

Wie kann die Integration von neu zugewanderten Frauen gelingen? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Veranstaltung „Female Empowerment“ im Rahmen der Interkulturellen Woche am 16. September 2019 im Friedberger Kreishaus. Fast 50 Teilnehmerinnen, die ehrenamtlich oderhauptberuflich in der Flüchtlingsarbeit  tätig sind, diskutierten, was in der Wetterau bei der Integration von geflüchteten Frauen bereits erreicht wurde. Und wo es noch Verbesserungsbedarf gibt. Anregungen dazu gab auch Khulud Sharif Ali. Ein Text von Moritz Kühn aus der Fachstelle Öffentlichkeitsarbeit des Wetteraukreises.

Mehr Sprachkurse für Frauen

Landrat Jan Weckler begrüßte die Gäste und stellte fest: „Viele Migrantinnen älterer Generation haben nie systematisch die Möglichkeit erhalten, einen Deutschkurs zu besuchen. Das ist heute anders. Allerdings sehen wir auch, dass es für Frauen Hemmfaktoren gibt. Umso wichtiger ist es, die Frauen frühzeitig zu erreichen und Angebote auf diese Zielgruppe zuzuschneiden.“ Hierfür sei es nötig, die Frauen zu stärken und zu bestärken, so Bildungskoordinatorin Anna Reuter. Sie erklärte daher den Titel der Veranstaltung: „Unter dem Begriff „Empowerment“ versteht man Strategien und Maßnahmen, die den Grad an Selbstständigkeit und Selbstbestimmung im Leben von Menschen erhöhen und an deren Fähigkeiten ansetzen. Für die Integration der geflüchteten Frauen bedeutet dies, dass wir langfristige Maßnahmen entwickeln müssen, die die Menschen nachhaltig in die Gesellschaft integrieren.“

Von links: Hanne Battenhausen, Fachdienst Frauen und Chancengleichheit, Patricia Meyer, Frauenbeauftragte der Stadt Bad Nauheim, Landrat Jan Weckler, Anna Reuter, Bildungskoordinatorin des Wetteraukreises, Khulud Sharif-Ali, Referentin, Fulya Yilmaz, Frauenzentrum Friedberg. Foto: Wetteraukreis

Im Vortrag der Bildungswissenschaftlerin Khulud Sharif-Ali wurden Hürden und Hilfen bei der Integration geflüchteter Frauen aufgezeigt. Besonders spannend waren dabei die unterschiedlichen Ebenen, auf denen sich die Referentin bewegte. Hier konnte sie aufgrund der persönlichen Migrationserfahrung, der Praxis als Pädagogin in Bildungsmaßnahmen und der wissenschaftlichen Tätigkeit sehr praxisnah und lebendig berichten. Sie beschrieb, wie schwer es war anzukommen und sich in die deutsche Gesellschaft einzufinden. Neben ihren privaten und beruflichen Erfahrungen berichtete Sharif-Ali von ihrer wissenschaftlichen Arbeit. Im Rahmen des „My Health“ Programms der Berliner Charité interviewte sie geflüchtete Frauen aus Somalia und wirkte an einer Studie zur Situation geflüchteter Frauen in Deutschland mit.

Die Kinder müssen dabei sein

Eine Erkenntnis daraus: Frauen aus anderen Kulturen sind öffentliche Kinderbetreuungssysteme, wie Kindergärten und Horte, oft nicht bekannt. Sie tun sich deshalb oft schwer, ihre Kinder in den Einrichtungen unterzubringen. Wenn sie sich allerdings darauf eingelassen hätten, wüssten sie diese sehr zu schätzen. Es sei daher wichtig, mit den Frauen in Kontakt zu kommen und Vertrauen aufzubauen. Khulud Sharif Ali empfahl, die Frauen mit Maßnahmen, wie Frauenschwimmen, Gesprächsgruppen oder Kinderspielgruppen zu erreichen und mit diesen niedrigschwelligen Maßnahmen bestehende Hemmnisse abzubauen. 

Der Abend zeigte, obwohl es in der Wetterau bereits Maßnahmen gezielt für geflüchtete Frauen gibt, wie beispielsweise einen niedrigschwelligen Sprachkurs mit integrierter Kinderbetreuung, bedarf es noch weiterer Programme. So fehlen Sprachkurse mit Kinderbetreuung. Auch lange Wege zwischen Kursangebot und Heimatort und die Kosten für den Nahverkehr stellen ein überwindbares Hindernis für die Teilnahme dar. 

Bildungskoordinatorin Anna Reuter stellte zum Ende fest: „Im Rahmen des Projektes der Bildungskoordination für Neuzugewanderte werde ich die Ergebnisse des Abends in die Netzwerke tragen. Viele angesprochene Themen brauchen eine strukturelle Veränderung. Aber auch kleinere Maßnahmen können den Frauen bereits helfen, sich besser in unsere Gesellschaft zu integrieren und zu stärken. Indem wir immer wieder darauf hinweisen, was die Frauen brauchen, stoßen wir neue Möglichkeiten an.“

Vortrag und Diskussion im Rahmen der interkulturellen Wochen in der Wetterau wurden von der Bildungskoordinatorin des Wetteraukreises veranstaltet und in Kooperation mit dem Fachdienst Frauen und Chancengleichheit des Wetteraukreises, dem Frauenzentrum Wetterau und der Frauenbeauftragten der Stadt Bad Nauheim durchgeführt. Die Bildungskoordination im Wetteraukreis wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der „Transferinitiative kommunales Bildungsmanagement“ finanziert.

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