Alte Bäume

Die imposantesten Exemplare

Rund 200 Naturdenkmale gibt es in der Wetterau. Die allermeisten sind Bäume – vor allem uralte Linden und Eichen, mächtige Speierlinge, eindrucksvolle Kirschbäume und Platanen. Tim Mattern von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises stellt einige von ihnen hier vor.

Die Linde von Görbelheim

Das Dorf Görbelheim ist verschwunden – doch die Dorflinde steht immer noch da. Fotos: Kreisverwaltung Wetteraukreis

Die Linde an der Görbelheimer Mühle hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Wahrscheinlich war sie einst die Dorflinde des in der Zeit der Bauernkriege 1524/25 aufgegebenen Dorfes Görbelheim, so dass ihr Alter auf deutlich mehr als 500 Jahre geschätzt werden kann. Das Prachtstück mit einem Stammumfang von mehr als zehn Metern steht an der Kreisstraße nach Bruchenbrücken und ist ein wahrer Überlebenskünstler. Anfang des 20. Jahrhunderts stand in dem Bildband ‚Bemerkenswerte Bäume im Großherzogtum Hessen‘ zu lesen: „Nicht spurlos sind die Jahrhunderte an ihr (der Görbelheimer Linde) vorübergezogen. Und der jedenfalls einst imposante Baum bietet heute ein Bild weit fortgeschrittenen Verfalls, allmählichen Verlöschens der Lebenskraft. Wie gebückt durch die Last der Jahre neigt er sich über die hohe Böschung der Straße. Den maserwüchsigen, schon vom Boden an mit zahlreichen Kurztrieben versehenen und völlig hohlen Stamm des sterbenden Riesen vermögen fünf Männer nicht ganz zu umspannen.“

Der Autor des Bildbandes hatte zum Glück Unrecht. Heute, fast 120 Jahre später, steht der Baum noch immer, nicht zuletzt unterstützt von der Hessischen Stiftung Naturschutz, die die stark eingewachsene Linde freigestellt und durch zwei stabile Stahlträger gestützt hat.

Die Lutherlinde in Bisses

Die Lutherlinde von 1832 in Echzell Bisses

Das Alter der Lutherlinde in Bisses ist ziemlich genau zu datieren. Sie wurde am 10. November 1833 zum 350. Geburtstag von Martin Luther gepflanzt. Trotz einiger trockener Äste in Folge des Wassermangels ist der Baum vital und hat einen schönen Wuchs.

Martin Luther gewidmete Baume gibt es mehrere Hunderte in Deutschland. Neben der Linde in Bisses steht noch eine Luthereiche bei Stornfels, eine Luthereiche an der Kirche in Ulfa und die Luthereiche in Heegheim.

Die Bäume im Stadener Schlosspark

Die Eiche im Schlosspark kann weiter stehen bleiben. Sobald sie aber zur Gefahr für Menschen werden kann, muss sie gefällt werden.

Der Stadener Schlosspark stellt die größte Dichte von Naturdenkmalen im Wetteraukreis dar. Nicht weniger als 13 Naturdenkmale sind hier in diesem historischen Garten aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts versammelt. Drei Platanen, sechs Maulbeerbäume und vier Eichen wurden auf diese Weise geschützt.

Die Stieleiche im Schlosspark Staden sieht momentan ziemlich gerupft aus. Der Baum wird hohl, um die Standsicherheit und die Sicherheit der Parkbesucher zu erhöhen, wurde die Krone massiv gestutzt. Illusionen über die Zukunft des Baumes sollte man sich nicht machen. Ein Pilz ist eingedrungen. Ein paar Jahre kann man den Baum noch erhalten. Er ist ein absterbendes Exemplar. „Eichen wachsen 300 Jahre, sie leben 300 Jahre und sie sterben 300 Jahre“, hieß es früher im Volksmund. Dieser Baum ist bereits am Ende seines zweiten Lebenszyklus angelangt.

Ein Besuch des Stadener Schlossparks ist auf jeden Fall empfehlenswert. Der das Schloss umgebende Park, ursprünglich als regelmäßiger Garten angelegt, wurde im 19. Jahrhundert erweitert und umgestaltet und ist heute als Grünfläche mit reichem Baumbestand erhalten. 1872 beauftragte Freiherr vom Stein zu Staden als damaliger Herr des Löw’schen Anwesens, den in Muskau unter Fürst Pückler ausgebildeten Landschaftsgärtner Eduard Petzold mit einer Überplanung des Parkgeländes. Petzold erneuerte das Wegenetz des Parks und schuf durch eine Vielzahl neuer Baum- und Gehölzgruppen ineinander übergehende Landschaftsräume.

Der Mammutbaum von Nidda-Harb

Der größte Baum der Wetterau ist gut 120 Jahre alt und 40 Meter hoch.

Der wahrscheinlich höchste Baum in der Wetterau hat amerikanische Wurzeln. Der Mammutbaum am ehemaligen Forsthaus Glaubzahl, bei Nidda-Harb, an der Straße nach Hungen, ist 40 Meter hoch und hat einen Stammumfang von mehr als sechs Metern.

Auf den ersten Blick wirkt der Baum etwas gerupft. „Wir haben unlängst einige trockene Äste entfernen müssen. Jetzt ist der Baum wieder vital und gesund und kann noch lange weiterwachsen“, so Dr. Tim Mattern, von der Fachstelle Naturschutz und Landschaftspflege des Wetteraukreises.

Wer glaubt, dass diese gigantischen Bäume schon ein biblisches Alter erreicht haben, täuscht sich allerdings gewaltig. Wahrscheinlich stammt das schöne Exemplar aus der gleichen Züchtung wie die Mammutbäume nordöstlich von Rainrod.

Hier ist das Alter ziemlich genau zu bestimmen. Der Riesenbaum Kaliforniens wurde 1895 in einem Garten in Griesheim bei Darmstadt ausgesät. 1899 kamen die zarten Pflänzchen nach Schotten und zum Forsthaus Glaubzahl.

Die Eiche an der Ossenheimer Grundschule

Landrat Jan Weckler vor der Eiche im Ossenheimer Schulhof

Die Eiche an der Ossenheimer Grundschule ist vital, obwohl sie auf einem versiegelten Schulhof steht. Die tief in den Boden reichenden Pfahlwurzeln erlauben es, dem Baum ausreichend Wasser und Nährstoffe zu gewinnen. Seit die Bank um den Baum gebaut wurde, hat er schon stark zugenommen – allmählich berührt die Rinde die Bank. Wie imposant die Eiche im Schulhof der Grundschule Ossenheim ist, zeigt sich erst im Vergleich mit dem Menschen. Landrat Jan Weckler sitzt im Schatten des mächtigen Baumes. Die hellen Streifen innerhalb der Rinde, zeigen das Dickenwachstum des Baumes an. Dieser Baum ist gesund und zu Recht ein beeindruckendes Naturdenkmal mitten in Ossenheim.

Zwei Linden in Echzell

Die beiden Linden am Echzeller Ehenmal sind in keinem guen Zustand.

Die beiden Linden am Ehrenmal in Echzell sind die Sorgenkinder unter den Naturdenkmalen. Ein kurzer Blick genügt schon, um die kritische Situation des Baumes zu erkennen. Viel Totholz muss jetzt noch entfernt werden. Das wurde in der Vergangenheit schon regelmäßig gemacht.

Die Lage ist allerdings sehr ungünstig. Die Bäume stehen auf einem befestigten Untergrund, wo rechts und links Autos parken. Vermutlich bringen die im Winter auch noch mit Streusalz vermischten Schneematsch mit sich, der dann am parkenden Auto trocknet und ins Erdreich sickert. Das setzt den Bäumen massiv zu.

Die Blutbuche von Geiß-Nidda

Kreisbeigeordneter Matthias Walther vor der Blutbuche in Geiß-Nidda

Blutbuchen sind eine Besonderheit in der Natur. Sie sind eine Mutation der Rotbuche. Ihre Rotfärbung ist auf das Fehlen eines Enzyms zurückzuführen.

Die Blutbuchen sind seit dem 15. Jahrhundert bekannt. Die sogenannte Mutterblutbuche stammt aus Thüringen. Dort begann ihre Kultur und der Export in alle Welt. Heute gilt die Blutbuche als beliebter Parkbaum. Und nicht nur das, die Blutbuche am Friedhof in Geiß-Nidda scheint auch besonders anspruchslos zu sein. Trotz des versiegelten Platzes scheint sie genügend Nährstoffe aufnehmen zu können. Vor einigen Jahren wurde ein aufwändiger Zugversuch gemacht, um die Standsicherheit des Baumes zu testen. Ergebnis: Der Baum ist standsicher und vital.

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