Friedrichsdorf

Der Landgraf zieht um

Gut 1,3 Millionen Euro wendet die Stadt Friedrichsdorf darauf, den Platz ihres Namensgebers zu modernisieren. Am 15. August 2019 zieht sogar der Landgraf selber um. Die Friedrichsdorfer machen daraus ein Event.

Neuer Landgrafenplatz in Friedrichsdorf

311 Jahre nachseinem Tod wird der Landgraf vorübergehend am Halse aufgehängt. Foto: Stadt Friedrichsdorf

„Unser Landgraf zieht um“ heißt die Aktion am 15. August 2019. Nicht der Landgraf selber zieht um – denn er ist schon anno 1708 verblichen. Es handelt sich um die 1873 von dankbaren Friedrichsdorfern gestiftete Gedenksäule aus einer früheren nassauischen Meilensäule aus Lahn-Marmor, die die gusseiserne Büste von Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg trägt. Sie steht schon lange auf dem Landgrafenplatz in der Stadtmitte, der gerade für 1,3 Millionen Euro neu gestaltet wurde. Autos wurden verbannt – er ist jetzt eine Fußgängerzone und Flaniermeile.

Das Denkmal selbst findet nun einen anderen Standort auf dem 1900 Quadratmeter großen Platz. Gefeiert wird das Ereignis am Donnerstag, 15. August 2019 ab 16.30 Uhr mit einer besonderen Stadtführung, der offiziellen Begrüßung und dem Street-Art-Pflastersteine-Verkauf für einen guten Zweck. Die Friedrichsdorfer und ihre Freunde begleiten den Landgrafen symbolisch durch die Innenstadt auf der Suche nach einem schönen Standort für sein Denkmal. Dabei erfahren Sie Interessantes aus der Geschichte der Stadt. Die Führung dauert etwa eine Stunde. Am Endpunkt auf dem Landgrafenplatz können alle den Landgrafentaler kosten. Wer dabei sein will, sollte sich bis zum 12. August unter 06172-31 1296 oder per Mail unter stadtverwaltung@friedrichsdorf.de anmelden.

Landgrafenplatz in Friedrichsdorf. Foto: Wikipedia

Nach der Führung wird der Landgraf mit einem Umtrunk und Musik auf demLandgrafenplatz begrüßt. Hier gibt es auch die Gelegenheit, ein „Stück vom Landgrafenplatz“ zu erwerben. Es handelt sich um „Street-Art-Landgrafen-Pflastersteine“, die von Kindern bemalt worden sind. Der Erlös aus dem Verkauf der Steine wird auf Wunsch der Künstler*innen an den ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Frankfurt/Rein-Main gespendet. Mitte Juni 2019 hatten die Kinder vom Kinderhort „Kassiopeia“ zusammen mit dem Graffitikünstler Jan-Malte Strijek eine Hugenottenrose auf das alte Pflaster gezaubert. Das Kunstwerk konnte zwei Wochen lang vor der Frankfurter Volksbank bewundert werden. Wer es nicht am 15. August zwischen 17 und 18 Uhr an den Landgrafenplatz schafft, kann noch vom 16. bis 30. August einen Stein an der Infostelle des Rathauses erwerben. Informationen und Bilder zur Neugestaltung des Landgrafenplatzes gibt es unter http:// http://stadt25-friedrichsdorf.de/projekte/landgrafenplatz/ . Die Aktionen auf dem Landgrafenplatz werden unterstützt von der hessischen Innenstadt-Offensive „Ab in dieMitte!“

Friedrich II. mit dem silbernen Bein

Das jetzt rund 25 000 Einwohner zählende Friedrichsdorf ist 1678 von dem Herrn mit der Barockperücke gegründet worden, dessen Denkmal nun einen neuen Platz bekommt. Der 1633 geborene Friedrich II. war Sproß der homburgischen Nebenlinie der hessischen Landgrafen – und damals als siebtgeborenes Kind ohne Aussicht, jemals Regent des Mini-Staates am Taunusrand zu werden. Er verdiente sein Geld als Söldner in schwedischen Diensten. 1661 machte der 28-Jährige eine gute Partie: Er heiratete die 30 Jahre ältere Witwe des reichen schwedischen Staatsmannes Johan Oxenstierna. Mit dem Geld seiner Frau Margarete Brahe kaufte Friedrich Land in Brandenburg. Dabei freundete er sich mit dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Preußen an. Ein Jahr nach dem Tod seiner Frau heiratete Friedrich von Homburg dessen 24-jährige Nichte Luise Elisabeth von Kurland, die er laut Biografie zärtlich als „meine Engelsdicke“ bezeichnete. Binnen 20 Jahren zeugte das Paar zwölf Kinder. Nach dem Tod seiner Frau 1690 lebte Friedrich II. als Landjunker in Brandenburg, wurde bald aber Kavallerie-General. Als solcher griff er mit brandenburgischen Truppen 1675 während Schlacht von Fehrbellin ohne Befehl die schwedische Armee an. Dabei fügte er ihr schwere Verluste zu, was zur Entscheidung der Schlacht, aber auch zu Missstimmungen mit dem Großen Kurfürsten beitrug. Diese Episode verwandelte Heinrich von Kleist später in ein Drama und Hans-Werner Henze in eine Oper.

FriedrichII. von Hessen-Homburg in einem zeitgenössischen Gemälde. Foto: Wikipedia

Nach dem Tod seines zweitältesten Bruders zog Friedrich zurück nach Homburg und wurde 1681 Regent. Aus dem Vermögen seiner früheren schwedischen Gattin baute er die mittelalterliche Stammburg in Homburg zu dem heute noch stehenden Schloss um, das später als Sommersitz von Kaiser Wilhelm II. diente. 1687 siedelte Friedrich protestantische Hugenotten und Waldenser aus dem heutigen Frankreich und Italien auf dem Gelände an, die heute Friedrichsdorf heißen. Die Migranten machten den Regenten mit ihrer Stoffindustrie noch wohlhabender, als er schon war. So konnte er seine hölzerne Unterschenkelprothese durch das silberne Bein ersetzen, das noch heute im Schloss ausgestellt wird. Den eigenen Unterschenkel verlor Friedrich II. durch eine Kanonenkugel während des Nordischen Krieges.

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