Fee Guber

Markenzeichen: originelles Design

von Elfriede Maresch

Ungewöhnlich: Diesmal ziehen im Fenster des Artist´s Room Project in der Kurstraße Lampen, Beistelltische, Hocker, Holzdosen und -schalen die Blicke auf sich, gefertigt von der Tischlerin und Designerin Fee Guber. Das Motto der jungen Frau ist: „Eigenständiges originelles Design und handwerklich solide Ausführung sind mein Markenzeichen!“

Die gute Form

Aktives Sitzen auf einem Hocker in Modulbauweise: Fee Guber hat sich auf dem Tausendfüßler niedergelassen. Fotos: Elfriede Maresch)

Fee Guber, Jahrgang 1994, wurde in Geiß-Nidda in einer anregenden Umgebung groß, allem voran in der Bildhauerwerkstatt ihres Vaters Stephan: „Holzabfälle, Farben, Naturmaterial, Steine, Äste, Moos – mit allem konnte ich was anfangen“ erinnert sie sich. Schon als Teenager war sie in das Förderprogramm „Kunsttalente“ der Städelschule in Frankfurt am Main aufgenommen: „Wir wurden in gestalterische Techniken, etwa Radierungen, eingeführt. Wichtiger noch: das ganze Museum war für uns frei zugänglich, eine Art erweitertes Wohnzimmer. Das war eine Quelle ständiger Anregung!“

Das Handwerkliche faszinierte Fee Guber und nach der Schule machte sie eine Lehre als Tischlerin, schloss mit dem Gesellenbrief ab und qualifizierte sich im Praktischen Leistungswettbewerb des Tischlerhandwerks bis auf die Bundesebene. Ebenso schaffte sie es über mehrere Ebenen bis zum bundesweiten Wettbewerb „Die gute Form“ in München. Dort wurde ihr Gesellenstück „Hängendes Sideboard“ unter die 20 besten solcher Arbeiten Deutschlands aufgenommen.

Einem Arbeitsjahr als Gesellin in der Tischlerwerkstatt ließ sie 2018 die Weiterbildung „Gestalter im Handwerk“ in Rohr/Thüringen folgen, die bis Sommer 2021 dauern wird. Fee Guber: „In diesem Studiengang kommen Leute aus unterschiedlichen Handwerken zusammen, um sich gemeinsam mit dem Thema Gestaltung zu beschäftigen – wir lernen viel von einander!“

Ein Hocker namens Tausendfüßler

Was stellt sie im Artist´s Room Project aus? Da ist das Universalmöbel „120 Grad“, konzipiert nach dem Prinzip der Dreiteilung. Ein Hocker besteht aus drei jeweils gleichen Teilen, hier in der Galerie als Dreiergruppe zusammengestellt. Die Oberfläche wirkt so selbstverständlich wie ein Blatt mit seinen Adern, wie eine geglückte architektonische Struktur. Das Material ist heimisches Massivholz mit geölter Oberfläche, angenehm zu greifen. Guber: „Die regionale Produktion verkürzt Transportwege und unterstützt regional ansässige Unternehmen.“ Mit „120 Grad“ wurde sie Gewinnerin bei der „Hessen Design Competition“ 2019 in Darmstadt.

Drei Hocker aus je drei Teilen: Mit „120 Grad“ gewann Fee Guber bei der „Hessen Design Competition“ 2019 in Darmstadt

Ein Hocker namens „Tausendfüßler“? Modulbauweise für eine Sitzgelegenheit war vorgegeben. So entstand der Hocker mit dem assoziativen Namen. Seine gleichmäßig angeordneten Beine laufen mit einer leichten Anschrägung auf die Sitzfläche zu und bringen diese in eine Muldenform. Ähnlich wie auf den bekannten Sitzbällen wird so das aktive Sitzen angeregt, eine rücken- und wirbelsäulenfreundliche Haltung. Dieser Hocker hat mit seinen zahlreichen Beinen so viel Gewicht, dass er Standfestigkeit garantiert und ist aus geöltem heimischem Massivholz angefertigt.

Leicht zu verpacken, leicht zu montieren: man könnte sich den Beistelltisch OZZZ, flach in Karton verpackt, in den Regalen großer Möbelhäuser vorstellen. Das O des Namens spielt auf die runde Tischplatte aus Kork oder mit einer Linoleumoberfläche an, die drei Z auf die Form der drei Metallteile des Tischgestells. OZZZ gibt es in zwei Größen.

Eigenwillig und überzeugend

„Nur“ eine schlichte Lampe aus vier oder fünf weißen Papierschirme in Zylinderform? So wirkt bei Tageslicht die Lampe „Illusion“. Die Beleuchtung aber zeigt ihre Besonderheit, die grafischen Elemente aus Schriftzeilen in verschieden hohen Buchstabenreihen. Sie sind im Fibonacci-Prinzip angeordnet – so wie Strukturen in der Natur, wie Spiralen von Schneckenhäusern, Tannenzapfen, Sonnenblumenkernen.

Organisch wie ein Blatt mit seinen Linien wirken die Hocker „120 Grad“ zusammengeschoben

Ein Lochmuster vergrößert sich zur Mitte hin in der Kugelleuchte, die die Designerin aus einem Fundstück zum Thema Upcycling gestaltet. Angeschaltet, wirft die Lampe weiche Licht-Schatten-Strukturen an die Wand.

Die Schmuckdose „Cube“ im Kontrast des geschwärzten Innenraums mit der charakteristischen Eichenholz-Maserung außen, die schlichte, harmonisch proportionierte Schale „R 29“ in Holzverleimung mit einer handschmeichelnden Oberfläche: Fee Guber hat Eigenwilliges und Überzeugendes zugleich geschaffen. Wie könnte es beruflich für sie weitergehen nach dem geplanten Design-Studium? „Als idealen Arbeitsplatz könnte ich mir eine Kombination aus Designbüro und Prototypenwerkstatt vorstellen“ meint die junge Frau und fügt ihr Kernziel hinzu „Ich möchte neue Lösungen für zweckvolle Gegenstände finden.“

Bis zum 15. Januar sind diese Arbeiten in Bad Salzhausen zu sehen. Sie sind käuflich und können über das Atelier Guber in Geiß-Nidda erworben werden, auch Ausführung nach individuellen Gestaltungswünschen ist möglich. Kontakt mit Fee Guber gibt es über die Mailadresse mail@formfollowsfee.de, weitere Arbeiten sind auf der Website formfollowsfee.de zu sehen.

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