Demokratie-Planspiel

Der Jahrgang 8 der Adolf-Reichwein-Schule in Friedberg (Hessen) hat in eine Projektwoche Demokratie gespielt. Dabei wurde auch eine Sitzung des Stadtparlaments der Kreisstadt nachgespielt. Das Konzept für das zweiwöchige „Planspiel Demokratie“ hatten die Klassenlehrer des Jahrgangs 8, die Schulleitung und Friedbergs Erste Stadträtin Marion Götz (SPD) entworfen. Eine Graffiti-Wand könnte ein reales Ergebnis des Demokratie-Spiels werden.

Demokratische Partizipation lernen

„Ich hätte nie gedacht, dass man an so viele Dinge denken muss, wenn man eine Partei gründet“, sagte ein Schüler der Klasse 8c. „Jugendliche für Politik begeistern, Interesse für lokale Themen wecken und Möglichkeiten der demokratischen Partizipation aufzeigen; das waren die Ziele“, schreibt die Schule in einer Pressemitteilung über das Planspiel. Götz hatte die Idee an die Schule herangetragen und hatte bei Schulleitung und auch Kollegium offene Ohren gefunden. Zur Vorbereitung des Planspiels hatte Götz dem Team der Schule auch „Echtmaterialien“ wie zum Beispiel einen Haushaltsplan, eine Übersicht über die städtischen Ämter, eine Sitzungseinladung und Beschlussvorlagen zur Verfügung gestellt.

Erste Stadträtin Marion Götz spielt mit den Schulern Stadtparlament. (Fotos: Reichwein-Schule)

Höhepunkt der Projektwoche sollte die Simulation einer Sitzung des Friedberger Stadtparlamentes sein, die von Frau Götz begleitet wurde. An den ersten beiden Tagen beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler klassenübergreifend mit den Grundlagen des Demokratie-Begriffs und den Aufgaben einer Kommune. Im weiteren Verlauf ordneten sich die etwa 70 Schüler zwei Gruppen, Verwaltung (Exekutive) und Stadtparlament (Legislative) zu. Aus der ersten Gruppe bekundeten fünf Schülerinnen und Schüler die Bereitschaft, sich zum Bürgermeister der Stadt Friedberg wählen zu lassen. Gesagt, getan. Hanna Peichl wurde mit Mehrheit gewählt, nachdem sie im Vorfeld genug Unterstützer auf Listen sammeln konnte und eine überzeugende Rede vor den Wahlberechtigten hielt. Sie war es auch, die für die nächsten Tage die städtischen Ämter auf die Mitglieder ihrer Verwaltungsgruppe verteilte. Nachdem diese dann Aufbau und Funktion der Verwaltung kennengelernt hatten, formulierten sie aus ihren Zuständigkeitsbereichen heraus Anträge an das Stadtparlament.

Die Schüler gründen Parteien

In der Legislativ-Gruppe hingegen schlossen sich Jugendliche ähnlicher Gesinnung zu Parteien zusammen. Dazu wählten sie einen Namen mit Abkürzung, entwarfen ein Logo sowie ein Parteiprogramm mit ihren wichtigsten Punkten. Weiter wählten sie einen Vorsitzenden. Am Tag der Wahlen vor dem Urnengang wiederholten die Lernenden ihr Grundlagenwissen zu Wahlen wie den Wahlrechtsgrundsätzen. Im Anschluss stellten die neuen Parteien dem Wahlvolk ihre Ziele und Vorstellungen für Friedberg vor. In einer Mischung aus Museumsgang und Speed-Dating warben die Parteien vor kleinen Grüppchen jeweils 5 Minuten um Zustimmung und stellten sich den Fragen der Wahlberechtigten. Die berufene Wahlkommission führte schließlich die Wahlen durch und zählte die Stimmzettel aus. Im Sinne des fachübergreifenden Unterrichts berechneten Schüler und Lehrer die Ergebnisse der Wahlen und stellten Prozentanteile wie Sitze in verschiedenen Excel-Diagrammen dar.

Im Vorgriff auf das Planspiel formulierten die Fraktionen dann Anträge an das Parlament, die am nächsten Tag diskutiert werden sollten. In der Simulation selbst saßen die gewählten Abgeordneten in ihren Fraktionen gemäß dem Wahlergebnis. Die Bürgermeisterin und Frau Götz eröffneten die Sitzung, in der nun über die Forderungen der Fraktionen und Ämter beraten wurde. Nach intensiven Diskussionen sprach sich die Mehrheit etwa für den Bau einer legalen Graffiti-Wand in der Nähe des Unity-Jugendzentrums aus. Andere Anträge, wie der Wunsch nach einem neuen Schwimmbad auf der Seewiese, fanden dagegen keine mehrheitliche Zustimmung. Als Diskussionsgrundlage griffen die Schülerinnen und Schüler auf authentische Zahlen des aktuellen Friedberger Haushaltsentwurfes für das Jahr 2020 zurück.

Marion Götz lobte die Jugendlichen für ihre konstruktiven Beiträge und versprach sogar, deren Wunsch nach einer Graffiti-Wand ins Rathaus zu tragen. Sie lud die Schüler ins Rathaus und zu einer „echten“ Sitzung der Stadtverordnetenversammlung ein.

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