Antisemitismus

Lieder als Hetze gegen Juden

von Jörg-Peter Schmidt

Drei 14-Jährige haben auf der Rückfahrt von einer Studienreise der Theo-Koch-Schule Grünberg (TKS) zur Gedenkstätte des Konzentrationslagers Buchenwald im Bus per Handy Lieder mit rechtsradikaler Tendenz abgespielt. Über den Vorfall hatte der „Landbote“ berichtet. Mittlerweile sind weitere Details bekannt geworden: Wie die Gießener Polizei bestätigte, wurde im Bus ein Titel der Band „Kommando Freisler“ abgespielt (der Name der Gruppe bezieht sich auf den Präsidenten des berüchtigten Volksgerichtshofes während der Nazizeit, unter dessen Leitung mehr als 2000 Todesurteile, darunter viele gegen Regimegegner, gefällt wurden). Im Bus war der schlimme antisemitische Song „Die Vogelhochzeit“ zu hören. Und dies ausgerechnet nach der Besichtigung eines Konzentrationslagers, in dem über 50000 Menschen starben, in dem Diskriminierung, Folter und Tötungen an der Tagesordnung waren.

Ermittlungen wegen Volksverhetzung

Wie die Polizei berichtet, wird gegen die drei Jugendlichen wegen des Verdachts der Volksverhetzung ermittelt (die Schule hatte sich an die Polizei gewandt). In internen Gesprächen versuchen unter anderem die Schulleitung und die Polizei herauszufinden, welches Motiv die jungen Leute Tat hatten. Allerdings: Egal, welches Motiv vorliegt: Die 14-Jährigen müssen mit entsprechenden Strafen rechnen, eventuell sogar mit dem Schulverweis. Übrigens hat es noch einen weiteren Vorfall an der TKS gegeben, der für Ärger gesorgt hat: In einem Unterrichtsraum ist in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang mit der Studienfahrt ein Hakenkreuz entdeckt worden. Schüler, die dieses unheilvolle Symbol entdeckt haben, haben es allerdings sofort überklebt. 

Der „Landbote“ hat die Schulleitung um eine Stellungnahme gebeten. Jörg  Keller, Leiter der TKS, hat sich zuständigkeitshalber an das Staatliche Schulamt gewandt, das durch Dirk Fredl (Schulfachlicher Aufsichtsbeamter)  mitteilt: „Die Studienfahrt wurde von drei Lehrkräften begleitet, die selbstverständlich mit der Schülergruppe im Bus gemeinsam unterwegs waren. Nach Aussage der Lehrkräfte hielten sich diese zum Zeitpunkt des Vorfalls auf einer anderen Ebene des doppelstöckigen Busses auf, so dass diese von den Geschehnissen nichts mitbekommen haben.“ Zur Frage nach Konsequenzen für die Jugendlichen schreibt das Schulamt: Es sei eine wichtige Aufgabe der  Schule, den Vorgang pädagogisch mit allen an der Fahrt beteiligten Schülerinnen und Schülern aufzuarbeiten. Dies sei bereits in Ansätzen in den vergangenen Tagen geschehen und werde auch in den nächsten Tagen fortgesetzt.  Darüber hinaus werde die Schule darüber beraten, wie mit den Jugendlichen umgegangen wird, denen die entsprechenden Taten vorgeworfen werden. Dies sei jedoch erst möglich, wenn die Polizei ihre Ermittlungen abgeschlossen hat und damit klar ist, ob sich der bisherige Verdacht bestätigt bzw. erhärtet. Dann sei es Aufgabe der Klassenkonferenz, entsprechende pädagogische Maßnahmen und/oder Ordnungsmaßnahmen einzuleiten bzw. zu beantragen. Seitens des Staatlichen Schulamtes wird unterstrichen: „Unabhängig davon ist es wichtig, auch mit diesen Schülern pädagogisch zu arbeiten. Hier spielen die Stichworte Demokratie- und Werte-Erziehung eine zentrale Rolle“, die vor diesem Hintergrund eine wichtige und weiter zu intensivierende Aufgabe der Schule sei.

Die Ermittlungen zu dem Verhalten der jungen Leute, die offensichtlich bisher schulisch nicht auffällig waren, werden also fortgesetzt und von der Öffentlichkeit aufmerksam verfolgt. Diese leider wahre Geschichte ist um so bedauerlicher, da die TKS für ihr großes Engagement gegen Rassismus bekannt ist. Inzwischen hat auch der Hessische Kultusminister Alexander Lorz  Stellung genommen: Den Jugendlichen müsse vor Augen geführt werden, dass ihr Verhalten nicht zu dulden ist. Der Fall zeige, dass im Engagement um Werte- und Demokratieerziehung nicht nachgelassen werden dürfe. Auch der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker verfolgt den Vorfall und fordert allgemein ein entschlossenes Vorgehen gegen Jugendhaus.

2 Gedanken zu „Antisemitismus“

  1. Wie wollen diese 3 Lehrkräfte ihrer Aufsichtspflicht nachkommen, wenn Sie sich alle zeitgleich auf einer anderen Ebene im Bus aufhalten?

    Das Ganze hört sich an wie die Geschichte mit den 3 Affen.

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