Antirassismus

Mit Mo bei Schülernasumang4

Von Bruno Rieb

Mo Asumang, Tochter eines Ghaners und einer Deutschen, legt sich gerne mit Rassisten und Neonazis an. Darüber hat sie das Buch „Mo und die Arier“ geschrieben. Vor 400 Wetterauer Schülern hat sie daraus gelesen. Die waren ganz angetan von der beherzten Schriftstellerin und Filmemacherin.

Ich war ein bunter Tupfer

Kaum hat Mo Asumang die ersten Seiten vorgelesen, beginnen die Schüler schon, sie mit Fragen zu überhäufen. Hatte sich Angst bei ihren Begegnungen mit Neonazis? Hat sie Wut auf Rassisten? Konnte sie sachlich mit ihnen reden? Andreas Matlé vom Oberhessischen Strtom- und Wasserversorger Ovag hat die Lesungen an den Gymnasien in Büdingen und Nidda organisiert. 180 Schüler sind in Büdingen gekommen, 200 in Nidda.

Asumang schildert den Schülern ihr Schlüsselerlebnis: Sie hört den Song „Die Kugel ist für dich, Mo Asumang“ der Band „White Aryan Rebels“. „Mein erster Impuls: Angst! Ein Ziepen in der Unterlippe. Leichte Übelkeit,“ liest sie vor. Asumang ist Afrodeutsche, geboren und aufgewachsen in Kassel. Der Song war für sie Anlass, den direkten Kontakt zu Neonazis und Rassisten zu suchen.

Wie es ihr an der Schule ergangen ist, will eine Schülerin von Asumang wissen. Dort sei es eigentlich ganz in Ordnung gewesen. „Ich war der bunte Tupfer“, sagt Asumang. Später, als sie mit ihrem Freund in einen Club wollte, sei sie abgewiesen worden: „Die Schwarze bleibt draußen.“ Ihr Freund habe daraufhin neun Stinkbomben in den Club geworden. „Danach kam keiner mehr rein.“

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Mo Asumang liest in Büdingen ….

Der Mensch ist die Rasse

Sie liest die Passage aus ihrem Buch über die Begegnung mit dem NPD-Funktionär Jürgen Rieger, der sie mit rassistischen Theorien traktiert. Ihre Botschaft an den Nazi und alle Rassisten: „Hallo Herr Rieger, wir sind Homo sapiens, und wir haben blonde Löckchen oder dunkle, haben glatte Haare oder nicht, sind dick, dünn, groß oder klein, mal mit braunen, grünen oder blauen Augen. Sind alle gleichermaßen schön. Sind Homo sapiens. Deshalb zur Info, es gibt keine ,Menschenrassen‘, der Mensch (an sich) ist die ,Rasse‘.“

Ob Sie Angst gehabt habe, als sie zu den Rassisten gegangen ist, will eine Schülerin wissen. Als sie zu einer Demonstration von 3000 Neonazis in Berlin gegangen ist, „da habe ich richtig Angst gehabt“, erzählt Asumang. Aber: „Dann stand ich vor den Leuten real und die waren verunsichert.“ Die hätten „noch nie mit jemandem gesprochen, der eine andere Hautfarbe hat“. Asumang unterscheidet zwischen den rassistischen Ideologen und Schlägern auf der einen Seite. „Da kannst du nichts machen“, sagt sie. Andererseits gebe es die mit rechtem Gedankengut aus der Mitte der Gesellschaft. „Denen kann man begegnen, aber nicht im Pulk“, erklärt sie. Sie suche bewusst die persönliche Situation.

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… und in Nidda. (Fotos: Bruno Rieb)

Ob sie schon einmal einen Neonazi überzeugt habe, will ein Schüler wissen. Mo Asumang erzählt von Chris, dem Aussteiger aus der rechten Szene, mit dem sie inzwischen befreundet ist. Den habe die Begegnung mit einem 15-jährigen Mädchen zum Nachdenken gebracht, das beharrlich wissen wollte, warum er Nazi ist. „Da hat es bei ihm ‚Peng“ gemacht“, sagt Asumang und fährt fort: „Auf der Ebene kann man noch etwas verändern.“ Sie fragt die Schüler in Büdingen: „Wie alt seid ihr?“ „15!“, schallt es zurück.

Vielfalt ist gut

Ob sie Angesichts der AfD-Wahlerfolge noch mehr Angst habe, will ein Schüler wissen. Sie bekomme immer noch Morddrohungen, antwortet Asumang. Eine sei gewesen: „Ich hoffe, dass du im nächsten Rassenkrieg vernichtet wirst.“ Durch die Rechtspopulisten werde das hochgeschaukelt. Aber Asumang ist zuversichtlich: „Ich glaube, dass wir das hinkriegen. Vielfalt ist eine gute Sache.“ Sie spricht vom „zivilen Ungehorsam als Plan B.“ „Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf“, sagt sie.

Asumang erreicht die Schüler schnell. Ihr Ton trifft ihr Herz, ihre Argumente setzen sich in den Köpfen fest. Ein Immunisierungsprogramm. Rassisten werden entlarvt, aus aufgeblasenen Neonazis die Luft gelassen. In Nidda kommt sie kaum zum Lesen, so viele Fragen werden gestellt. Die Schüler bleiben noch nach Schulschluss noch sitzen, um ihr zuzuhören.

Die Lesungen beendet Asumang mit ihrem Auftritt beim Dating-Portal „Odin Kontaktanzeigen: der Anzeigenmarkt von Patrioten für Patrioten“. Dort suchen „Nazis was zum Poppen“, sagt Asumang. Mit einem einem Jugendfoto ihrer Mutter logt sie sich ein. Profilname: Moni_in_Berlin. Sie hat Erfolg und bald ein Date. „Was bleibt von einem Nazi, wenn er poppen will?“, fragt sie sich. Nichts. Ihr Date „Jörg“ wundert sich zwar: „Tut mir leid, aber ich habe mir nicht vorgestellt, dass du braun bist, weil du dich in ein nationales Forum eingeschrieben hast.“ Aber er fragt gleich: „Und? Wo wollen wir hingehen? Hast du dir schon was überlegt?“ Asumang glaubt es nicht: „Habe ich eben richtig gehört? Wo verdammt blieb die Entrüstung und die Ablehnung?“ Sie zeigt ihm ihr Babyalbum mit ihrem Vater, der auf dem Bild so frei lacht, „dass auch ein Nazi Schwierigkeiten hat, seine Hassmaschine anzuschmeißen“. „Jörg“ wirft das Handtuch. „,Ich hab jetzt och keen Bock mehr‘, sagt er ganz ehrlich. Ich geb ihm zum Abschied die Hand, warum soll ich das nicht machen“, liest Asumang vor.

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