Altes Hallenbad

Sanierung schreitet voran

Fleißig wird weiter am Umbau des Alten Hallenbades in Friedberg zum Theater gearbeitet. Glausbausteine wurden durch Sprossenfenster ersetzt und die Theater-Bar entsteht. Trotz der Arbeiten läuft das Kulturprogramm weiter. Ganz gemütlich können die Gäste im Alten Hallenbad am 16. Februar 2020 die nächste Hesselbach-Lesung mit Jo van Nelsen erleben.

Sprossenfenster statt Glasbausteine

Die Besuch der der Hesselbach-Lesung müssen nicht frösteln; die im vorigen Jahr installierte Heizung funktioniert. In der Pause können sie dann rätseln, was sich hinter den dicken Planen im Foyer und an der Saal-Rückseite verbirgt. Aufmerksame Leute sehen die Veränderung an der Fassade des Jugendstil-Hallenbades: Die Glasbausteine sind weg. Im Hochparterre links haben Facharbeiter die Klötze herausgebrochen und durch fünf hohe, weiße Sprossenfenster ersetzt. Solche Fenster waren dort schon seit 1909 bis zu einer Sanierung anno 1964 am Platze. Jetzt kann man aus dem Raum dahinter – der künftigen Theater-Bar – auf die Altstadt und den Stadtkirchenturm gucken.

Uli Lang steht mitten im Raum und zeigt auf die Wand: „Hier stellen wir die neue Theke auf!“ Sie wird im Frühjahr aus den vom Dachboden geholten Metallteilen des ehemaligen Badewasser-Tanks konstruiert. „Wir wollen die Bar und das neue Foyer noch vor den Sommerferien eröffnen“, sagt der Vorsitzende der gemeinnützigen Hallenbad-Gesellschaft.

Uli Lang steht im künftigen Foyer des Alten Hallenbades in Friedberg. Im Sommer soll der große Raum für Veranstaltungen benutzbar sein.

Das künftige Foyer des Alten Hallenbades liegt hinter der linken Schmalseite des Saales. Eine Plane verdeckt noch die breite, nach Jahrzehnten freigelegte Öffnung zwischen dem Treppenhaus und dem ehemaligen Dusch- und Wannenbad der Damen. Das erstreckte sich mitsamt den Umkleidekabinen und Toiletten auf etwa 80 Quadratmetern. Jetzt sieht man die Ausmaße des langgestreckten Saales schon gut – obwohl Mauersteine, Mörtelsäcke, Werkzeug und Metallstangen herumliegen. Uli Lang: „Im Februar fangen wir an, den Boden herauszubrechen. Er muss erneuert werden, weil er nicht tragfähig genug ist.“ Die Kulturhaus-Betreiber wollen Ausstellungen, Lesungen, Vorträge und kleine Konzerte in diesem Vorsaal des Hallenbades veranstalten. Die nach Osten zeigende Außenwand bekommt Fenster. Und zum Saal hin sind bereits die Öffnungen dreier Türen gebrochen und provisorisch wieder zugemauert worden – damit während des Umbaus der Kulturbetrieb im Saal weitergehen kann. Für die Feinarbeiten im neuen Foyer ist der Ockstädter Stukkateur-Meister Stephan Ewald im Einsatz. Er gilt als Koryphäe seines Fachs und war bereits an der Rekonstruktion der Frankfurter Altstadt beteiligt.

Aufzug und barrierefreier Zugang

Nach den Sommerferien beginnt der fünfte Bauabschnitt. Das Kulturprogramm ist dann bis ins Jahr 2021 hinein aufs neue Foyer beschränkt. Denn im Saal muss ein barrierefreier Zugang und ein Aufzug installiert werden. Er kommt rechts neben den bislang genutzten Eingang vom Treppenhaus zwischen zwei Säulen der umlaufenden Galerie. Die wiederum wird ebenfalls saniert und das Geländer verstärkt, damit eines Tages mehr als die bisher erlaubten 150 Gäste in den Saal dürfen. An der südlichen Längswand werden Handwerker große, eigens dafür hergestellte Bogenfenster wieder über der Galerie installieren. Tagsüber fällt dann viel mehr Licht in den Saal. Weitere Umbauten schaffen Platz für die Bühnentechnik, für Büros und Seminarräume im Obergeschoss und für ein Café-Bistro im Untergeschoss – womöglich mit einer zweiten Bar im ehemaligen Schwimmbecken.

All das kostet viel Geld. Mit den aktuellen Umbauten sind bisher 3,2 Millionen Euro ins Projekt geflossen, berichtet Uli Lang. Das Geld stammt von Sponsoren und Förderereins-Mitgliedern, vom Landesamt für Denkmalpflege, von drei Bundesprogrammen, von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Die Stadt Friedberg gab im vorigen Jahr 35 000 Euro.

Spannend ist, ob und wann weitere 3,3 Millionen Euro für den letzten und fünften Bauabschnitt freigegeben werden. Die Friedberger Stadtverordneten haben im Herbst den städtischen Anteil von 1,8 Millionen Euro bewilligt – nun warten alle auf die Freigabe weiterer 1,5 Millionen durch die Bundesbauverwaltung in Jülich bei Bonn. Auf politischer Ebene wurde das bereits abgesegnet – nun sind die Sachbearbeiter dran. Uli Lang gesteht, dass er sehnlich auf den Zuwendungsbescheid hofft, denn sonst würde der Umbau des Alten Hallenbades auf halbem Wege stecken bleiben. Und die ehrenamtlichen Aktiven vor unbezahlbare Verpflichtungen stellen: Die neue Heizung, das Belüftungssystem und andere Technik-Einbauten müssen sie nämlich selber bezahlen. Daraus folgt ein jährlicher Kostenblock von etwa 50 000 Euro, so Uli Lang. Das Geld sei nur aufzubringen, wenn der Saal und das neue Foyer möglichst oft für Tagungen und private oder Firmenfeiern vermietet werden können.

Überhaupt kein Geld aus der Umbau-Kasse fließt laut Uli Lang in die eigenen Theater- und Kabarettabende, die Konzerte und Operninszenierungen der Kultur-AG im Alten Hallenbad. „Der Kulturbetrieb hat nicht einen Cent davon“, sagt er. Das Organisieren, das Plakate-Kleben, die Öffentlichkeitsarbeit, die Bedienung der Gäste und die Betreuung der Künstler erledigen Freiwillige aus Friedberg und Umgebung, die dafür keinerlei Bezahlung bekommen.

Das Kulturprogramm

Bis in den Juli 2020 hinein ist fast jede Woche etwas los im Alten Hallenbad an der Haagstraße 29. Das grüne Kulturtaucher-Programm wurde gerade in und um Friedberg verteilt. Los geht es meistens an Wochenenden um 19.30 Uhr.

Nach dem Auftritt der ziemlich komischen Strickmützenträger Ulan & Bator vom 7. Februar wird am 15. Februar Mohammad Reza Mortazavi seine Handtrommeln singen lassen. Tags darauf inszeniert Jo van Nelsen die Hesselbach-Episoden „Die Kündigung“ und „Die Spezialistin“. Stummfilme von Harold Lloyd, Laurel und Hardy begleiten am 7. März die Jazzmusiker von Küspert und Kollegen. An Kurt Schwitters erinnert das Aktionstheater Kassel am 28. März. Am 9. Mai reist Ulla Meinecke mit ihrer Band aus Berlin an – weil sie bei einem früheren Auftrit im Alten Hallenbad schon einmal von begeisterten Fans empfangen wurde. Petra Eisend und ihre sechsköpfige Handpan-Band wird nicht wie im Programmheft angekündigt am 22, sondern am 23. Mai in Friedberg gastieren. Kindertheater gibt es am 13. März und am 15. Mai. Das Helden-Theater des Alten Hallenbades inszeniert den „Besuch der Alten Dame“ nach Friedrich Dürrenmatt am 20. und 21. Juni. Weitere Hinweise gibt es auf der Facebookseite des Alten Hallenbades. Karten verkauft der Ticketshop an der Friedberger Burg, die Buchhandlung Bindernagel und der Ulenspiegel an der Stadtkirche.

Das Titelbild ist ein Blick auf die Fassade des 1909 erbauten Jugendstil-Hallenbades in Friedberg. Im linken Hochparterre sind die Glasbausteine durch eigens angefertigte Sprossenfenster ersetzt worden. Dahinter wird gerade die Theater-Bar gebaut.

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