Dokumentarfilm läuft in Butzbach
„Riefenstahl“ ist ein Dokumentarfilm über die Filmemacherin Leni Riefenstahl, die Propagandafilme für das NS-Regime drehte und sich später gerne als unpolitisch darstellte. Der Film ist am Donnerstag, 18. September 2025, im Butzbacher Kino Capitol zu sehen, mit Einführungsvortrag und anschließender Diskussion.Material aus dem Nachlass
Der Film wird in Kooperation mit der gemeinnützigen Butzbacher Stiftung Kultur und politisches Bewusstsein und dem Hessischen Dokumentarfilmtag „Let‘s dok“ gezeigt. Regisseur ist Andres Veiel, produziert wurde er von der Journalistin Sandra Maischberger. Die Historikerin Dr. Elke-Ursel Hammer vom Bundesarchiv Koblenz gibt vor Filmbeginn einen rund zehnminütigen einführenden Impulsvortrag. Nach dem Film kann das Publikum im Podiumsgespräch mit Dr. Hammer das Gesehene zu diskutieren.
Der Dokumentarfilm bringt mit Archivmaterial aus dem Nachlass von Leni Riefenstahl „neue Erkenntnisse über die Nachkriegszeit ans Licht“, sagt Lothar Jung, Geschäftsführer der Stiftung Kultur und politisches Bewusstsein. „Die Auseinandersetzung mit dem umfangreichen Quellenmaterial zeigt, dass sich ‚Hitlers Lieblingsregisseurin‘ mal mehr, mal weniger erfolgreich zum Opfer stilisierte und dass sie gleichwohl keineswegs nur eine Mitläuferin war“, wird Jung in der Pressemitteilung zu der Veranstaltung zitiert.
Eine der umstrittensten Frauen unserer Zeit
Riefenstahl habe „ikonographische Bilder“ geschaffen. Ihre ideologische Nähe zum NS-Regime habe sie nach dem Zweiten Weltkrieg stets zu leugnen versucht. Sie habe nur eine Darstellung ihrer Biografie zugelassen: ihre eigene. Die Filmemacherin gelte als eine der umstrittensten Frauen des 20. Jahrhunderts. Ihre Bildwelten von „Triumph des Willens“ und „Olympia“ stünden für perfekt inszenierten Körperkult, für die Feier des Überlegenen und Siegreichen. Und zugleich stünden sie auch für das, was diese Bilder nicht erzählen: die Verachtung des Unvollkommenen, des vermeintlich Kranken und Schwachen, der Überlegenheit der einen über die anderen. Die Ästhetik ihrer Bilder sei präsenter denn je – „und damit auch ihre Botschaft?“, wird in der Ankündigung gefragt. Der Dokumentarfilm gehe dieser Frage anhand der Dokumente aus ihrem Nachlass nach: private Filme und Fotos, aufgenommene Telefonate mit engen Wegbegleitern, persönliche Briefe. „Bild für Bild, Facette für Facette legt er Fragmente ihrer Biografie frei und setzt sie in einen erweiterten Kontext von Geschichte und Gegenwart.“
Der aus 700 Kisten bestehende persönliche Nachlass Riefenstahls befindet sich im Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Regisseur Andres Veiel („Beys“, „Black Box BRD“) und TV-Journalistin Sandra Maischberger, die als erste Zugang dazu erhielten, haben es sich zur Aufgabe gemacht, mit ihrem Film einen tieferen Blick in das Leben von Leni Riefenstahl zu werfen. Sie gehen der Frage auf den Grund, wie Riefenstahl es geschafft hat, dass ihre Arbeiten bis heute – mehr als 80 Jahre nach ihrer Entstehung – als Blaupause für eine Feier des Schönen, Gesunden und Starken dienen. Abseits der bekannten Meinungen über Leni Riefenstahl will der Film eine tiefere Wahrheit freilegen, die aus den Widersprüchen des Nachlasses hervorschimmert. Veiel und Maischberger sehen sich einer Meisterin der Selbstdarstellung und Manipulation gegenüber, die auch dann noch auf ihre Sicht der Dinge beharrt, wenn diese längst historisch widerlegt ist.
Die Historikerin und Archivarin Dr. Elke-Ursel Hammer ist im Bundesarchiv Koblenz für die Filmreihe des Bundesarchivs verantwortlich. Die Filmarbeit der Koblenzer Institution versteht Film – im Kontext der historisch-politischen Bildungsarbeit des Bundesarchivs – als eine wichtige historische Quelle.
Dokumentarfilm „Riefenstahl“, Donnerstag, 18. September 2025, 18 Uhr, Kino Capitol, Roßbrunnenstraße 3, Butzbach. Eintritt ab 6 Euro, ermäßigt 5 Euro. Tickets gibt es an der Kinokasse.
Titelbild: Leni Riefenstahl in einem Interview. (Foto: Majestic Filmverleih)