Wassermangel

Brunnen liefern weniger

Der kommunale Wasserversorger OVAG drosselte im Jahr 2021 die Entnahme aus seinen Brunnen um acht Prozent. Denn es werde zu wenig neues Grundwasser gebildet, hieß es bei der Präsentation des wasserwirtschaftlichen Jahresberichts. Für die Zukunft droht ein Wassermangel.

Wassermangel: Die Ampel steht auf Gelb

Die natürliche Quelle am Johannisberg ist versiegt. Sie kann den Herzbrunnen und den Reinhardsbrunnen in der Kernstadt von Bad Nauheim nicht mehr mit Wasser versorgen, meldet die Stadtverwaltung.

Der Reinhardsbrunnen in der Altstadt von Bad Nauheim plätschert nicht mehr. Die Quelle am Johannisberg ist versiegt. Foto: Stadtverwaltung Bad Nauheim

Die Brunnen sind nun trocken. Aus dem allgemeinen Leitungsnetz will man sie nicht versorgen. Fachbereichsleiter Steffen Schneider: „Ein Anschluss der beiden Brunnen an das Leitungsnetz wäre nicht nur technisch sehr aufwändig, er würde zudem aufgrund der fehlenden Wasserkreisläufe dazu führen, dass große Mengen an Trinkwasser direkt in die Kanalisation flössen. Dies wollen wir
aufgrund der angespannten Grundwasserverfügbarkeit unbedingt vermeiden.“

Unter dem Vogelsberg und der Wetterau droht der Grundwasserspiegel nämlich weiter abzusinken. Für den hydrologischen Jahresbericht für 2020 haben Wissenschaftler die Messergebnisse aus den Brunnen der OVAG ausgewertet. Das berichtet der OVAG-Pressesprecher Andreas Matlé.

OVAG pumpte acht Prozent weniger

Natascha Bäßler von der ahu GmbH erläuterte demnach auf Hof Graß bei Hungen vor Vertretern der Regierungspräsidien Gießen und Darmstadt die Ergebnisse. Ihr Fazit: Die hydrogeologische Situation sei aufgrund geringer Grundwasserneubildungsraten weiterhin angespannt.

Schon 2021 reagierte der Wasserversorger, indem er acht Prozent weniger Wasser aus den Brunnen pumpte als im Vorjahr. Die vielen Kunden-Kommunen im Rhein-Main-Gebiet und Mittelhessen mussten die fehlenden Kubikmeter aus anderen Quellen beschaffen. Die symbolische Wasserampel der OVAG steht nach wie vor auf Gelb: Die Verfügbarkeit von Trinkwasser sei nur mäßig. Der OVAG-Vorstandschef Joachim Arnold macht in zunehmendem Maße auf die begrenzten Wasser-Ressourcen aufmerksam. Und versichert, die OVAG tue viel, um schonend damit umzugehen. Umweltverbände hatten neben der Stadt Frankfurt auch das Unternehmen beschuldigt, allzu sorglos mit dem Trinkwasser umzugehen. Immer wieder warnen sie vor Wassermangel.

Mit der Tabelle will die OVAG belegen, dass sie deutlich weniger Wasser aus ihren Brunnen pumpt, als sie könnte und dürfte. Foto: Nissen

2021 war laut Natascha Bäßler im Gegensatz zu den drei vorhergehenden Jahren – ein Jahr mit nahezu normalen Niederschlagsmengen. „Der Januar war sehr niederschlagsreich, dafür hatten wir ein trockenes Frühjahr, daraufhin aber wieder einen nassen Sommer.“ Die Niederschläge und hier besonders die Winterniederschläge seien besonders wichtig für die Grundwasserneubildung. Die Grundwasserstände seien aber wegen der vorangegangenen Trockenjahre 2018-2020 weiterhin noch auf unterdurchschnittlichem Niveau. „Das ist jedoch immer noch deutlich besser als beispielsweise in der Trockenperiode Mitte der 70er Jahre.“

Gutachter: Brunnen wirken sich nicht auf Feuchtgebiete aus

Wie sich der Wassermangel auf die Pflanzen und Tiere in den Fördergebieten auswirkt, untersuchten die Gutachter von Meier & Weise aus Gießen. Ihr Fazit: „Für die Fördergebiete der OVAG ist festzustellen, dass kein negativer Einfluss des Grundwassermanagements auf die im Einflussbereich der Brunnen liegenden Feuchtgebiete zu erkennen waren.“

Festgestellte Veränderungen von Flora und Fauna seien ausschließlich auf „populationsbiologische und allgemeine klimatische Faktoren“ zurückzuführen. Vertreter der Schutzgemeinschaft Vogelsberg hatten zuvor darauf hingewiesen, dass die Tümpel an der Horloff mehr als früher dazu neigten, trocken zu fallen.

Je trockener es ist, desto mehr Wasser zapfen die Menschen

Im Regierungsbezirk Darmstadt lag der Wasserverbrauch im Jahr 2020 bei circa 247 Millionen Kubikmetern, gegenüber rund 241 Millionen Kubikmetern im Jahr 2019. Im Jahr 2020 verbrauchten die Bürgerinnen und Bürger im Schnitt jeweils rund 132 Liter Trinkwasser am Tag – fünf Liter mehr als 2019. 2020 war erneut ein ausgeprägtes Trockenjahr, so das Regierungspräsidium. Die Trockenjahre 2018 bis 2020 bestätigen nachdrücklich den Ansatz, dass der Wasserbedarf in etwa fünf Prozent höher ist als in einem Normaljahr. Einzelne Städte und Gemeinden verbieten dann das Befüllen von Pools und das Autowaschen.

Aus dem Wasserhahn zapft jeder Mensch in Südhessen pro Tag durchschnittlich 128 Liter. Das entspricht dem Inhalt von 312 Apfelweingläsern. Foto: Nissen

Der durchschnittliche Verbrauch pro Einwohner und Tag lag in den zehn südhessischen Landkreisen bei 128 Litern, der mittlere Bedarf der kreisfreien Städte bei 143 Litern. Der hohe Pro-Kopf-Verbrauch in den Stadtgebieten liegt laut RP darin begründet, dass sich der Wasserbedarf aus dem Gesamtverbrauch einer Kommune und den dort gemeldeten Einwohnern errechnet. Pendelnde, Studierende, Schulkinder und sonstige Besuchende, die an Arbeits- und Ausbildungsplätzen, in Hotels und zum Beispiel auf Messeveranstaltungen ebenfalls Wasser verbrauchen, sorgen für einen höheren Verbrauch in der Stadt als im ländlichen Raum.

Wird die Quelle wieder sprudeln?

In Bad Nauheim hofft man derweil, dass nach einer Leitungsspülung im
Herbst das Wasser wieder über die natürliche Quelle aus dem Johannisberg fließen wird. Ob es dazu kommt, ist noch unklar.

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