Vogelsberg

30 Jahre Kampf ums Grundwasser

Gegen den Raubbau im Grundwasser wurde Ende 1989 die Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SGV) gegründet. Die Umweltwerkstatt in Niddatal-Assenheim war drängend voll, als die SGV dort am Dienstag, 14. Januar 2020, ihr 30-jähriges Bestehen feierte. Die Wasserförderung darf nicht mehr unter dem Diktat stehen, Gewinne erwirtschaften zu müssen, ist eine zentrale Forderung der SGV.

SGV fordert „weg von der Privatisierung“

Gewinne ausweisen oder Daseinsvorsorge, das ist laut Hans-Otto Wack, wissenschaftlicher Berater der SGV, das grundlegende Problem der Wasserversorgung. Wack stellte während der Jubiläumsfeier die Dokumentation und Konzeptstudie „Zukunftsfähige Wasserversorgung Rhein-Main und ihre Vereinbarkeit mit Natur- und Wasserschutz“ der SGV vor. „Wir müssen raus aus dem AG-Prinzip, wir müssen raus aus dem GmbH-Prinzip, der Privatisierung“, sagte Wack. Sie SGV fordert für die Wasserversorgung eine „öffentlich-rechtliche Organisationsform ohne Gewinnerzielungsabsichten“, so Wack.

Der Streit ums Wasser ist in jüngster Zeit wieder aufgeflammt, nachdem es durch die erfolgreiche Arbeit der SGV lange Zeit ruhig geworden war. Neue Gewinnungsgebiete an Salz und Sausel hat die SGV verhindert, blickte die Schutzgemeinschaft-Vorsitzende Cécile Hahn zurück. Das Verhältnis zu den Wasserversorgern habe sich von der Konfrontation zu einer sachlich-konstruktiven Zusammenarbeit gewandelt. Vertreter von Wasserversorgern nahmen an der SGV-Jubiläumsfeier teil. Ein „großer Meilenstein“ sei die umweltschonende Grundwassergewinnung gewesen, durch die in Biotopen das nötige Grundwasser belassen werde, führte Hahn weiter an. Als weiteren Erfolg nannte sie das im April 2019 veröffentlichte „Leitbild für ein integriertes Wasserversorgungs-Management Rhein-Main“ (IWRM) des Landes Hessen. Das Leitbild ist laut Wack aber nur ein „Papiertiger“, so lange es nicht umgesetzt wird. In der SGV-Studie steht dazu: „Die große Schwäche des IWRM ist seine bisherige Nicht-Existenz in der Praxis. Vieles von dem, was im Leitbild niedergelegt ist, ist zu begrüßen. Doch noch steht es nur auf dem Papier. Auf die Praxis von wasserrechtlichen Genehmigungsverfahren oder der Stadtentwicklung und Bautätigkeit in Rhein-Main hat es noch keinen Einfluss.“

Trinkwasser in Toiletten und für Bäume

Der wachsende Durst des Rhein-Main-Gebietes einerseits und durch den Klimawandel sinkende Grundwasservorräte im Vogelsberg andererseits haben den Streit um die Wasserversorgung neu aufflammen lassen. Die Schutzgemeinschaft beklagt, dass ihr kostbares Trinkwasser in Frankfurt durch die Toiletten fließt oder zum Bewässern von Bäumen benutzt wird, statt dafür auf Regenwasser zurückzugreifen. „Trockenjahre, Klimawandel und neue Begehrlichkeiten des Ballungsraums Rhein-Main nach Wasser aus dem Umland haben in den letzten Jahren die Konflikte ums Grundwasser erneut aufflammen lassen. Die Gefahren, die der Naturraum durch eine Beibehalten oder gar durch ein Ausweiten des traditionellen Systems der Fernwasserversorgung des Rhein-Maingebietes drohen, wachsen signifikant“, heißt es in der SGV-Studie.

(Grafik: SGV)

Die SGV habe viel erreicht in den vergangenen 30 Jahren, lobte Beatrix Tappeser. Die Grünen-Politikerin war bis zu ihrer Pensionierung im vergangenen Jahr Staatssekretärin im Hessischen Umweltministerium. Bürgerinitiativen wie die SGV seien nötig, um Themen auf die Agenda zu setzen und Lösungswege zu finden.

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