Ulf Merbold

Ex-Astronaut berät heute die ESA

von Jörg-Peter Schmidtesa1

Was macht eigentlich heute Dr. Ulf Merbold (Foto), der als Astronaut als einziger Deutscher drei Mal im Weltall war? Der Physiker, in dessen Geburtsort Greiz (Thüringen) ein Gymnasium nach ihm benannt wurde, ist mittlerweile 75 Jahre alt und nach wie vor ein gefragter Fachmann für Raumfahrt. Kürzlich hatten die Mitglieder der Presseclubs Darmstadt, Frankfurt/Main und Wiesbaden Gelegenheit, diese international bekannte und populäre Persönlichkeit während eines Informationsabends bei der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) in Darmstadt kennenzulernen.

Daten zum Klimawandel

Bevor Merbold vor den rund 120 Gästen das Mikrofon ergriff, verdeutlichten Dr. Rolf Densing, Leiter des ESA-Raumfahrt-Kontrollzentrums und Prof. Dr. Jan Wörner (ESA-Generaldirektor), dass trotz ideologischer und politisch unterschiedlicher Vorstellungen zahlreiche Länder in wichtigen Weltraum-Missionen zusammenarbeiten. 22 Staaten – darunter Deutschland, Großbritannien und Ungarn – sind Mitglieder der ESA, deren Kontrollzentrum European Space Operations Centre (ESOC) eine besondere Verantwortung hat: den Betrieb und die Überwachung von Satelitten. Über 250 Festangestellte und etwa 600 Mitarbeiter von Vertragsfirmen sind bei ESOC beschäftigt. Die überregionalen Einsätzen der ESA sind nur aufgrund eines weltweiten Netzes möglich. Dazu gehören spezielle Antennen unter anderem in Kourou (Französisch-Guayana).

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Von links: Prof. Dr. Jan Wörner (ESA-Generaldirektor), Dr. Ulf Merbold, Werner D’Inka (FAZ-Herausgeber und Präsident des Frankfurter Presseclubs) sowie Dr. Rolf Densing (Leiter des ESA-Raumfahrt-Kontrollzentrums). (Fotos: Jörg-Peter Schmidt)

Die beiden ESA-Direktoren beschrieben, welche große Hilfe die Satelitten bei der Vorbeugung und Bekämpfung von Katastrophen wie Tornados, Waldbränden und Vulkanausbrüchen sind. Zudem werden Daten zum Klimawandel aus dem All gesendet. Allerdings haben die Weltraummissionen unglaubliche Mengen von Schrott im All zurückgelassen, die problematisch für Satelitten und Raumstationen werden können. „Die Länder werden gemeinsame Anstrengungen unternehmen müssen, damit es nicht zu Unfällen kommt,“ sind sich Rolf Densing und Jan Wörner einig. Das gleiche gelte für Maßnahmen bei der Gefahrenabwehr, wenn Kometen oder Asteroiden auf die Erde zusteuern. Der Meteoritenregen im Uralgebirge in Russland 2013, bei dem es über 1000 Verletzte gab, sei unvergessen und höchst alarmierend.

Weitere Marsexpedition geplant

Densing und Wörner nahmen auch zum jüngsten Marsprojekt Stellung, das zwar nicht den gewünschten Gesamterfolg (weiche Landung der Testsonde Schiaparelli) gebracht habe. Allerdings sei die Muttersonde nicht beschädigt worden und werde die Marsatmosphäre auf Methan untersuchen. 2020 findet eine weitere Mars-Expedition statt: Ein Rover soll auf dem Planeten landen und dort „buddeln“, damit man Proben auswerten kann.
Auch Ulf Merbold begrüßt die Missionen zum „roten Planeten“. „Aber unbedingt notwendig ist sei auch die Errichtung einer bemannten Station auf dem Mond“, mahnte er. Bei der ESA gibt es hierfür bereits einen Fachbegriff: „Lunar-Village“.
Merbold hob hervor, wie wichtig die Zusammenarbeit der mittlerweile rund 70 Raumfahrtnationen ist. Der Ex-Astronaut kann dies bestens beurteilen, denn er hat viele Freundschaften mit Menschen geschlossen, die auf die Missionen ins All spezialisiert sind. 1983 gehörte er zur Shuttle-Mannschaft unter dem Kommando von John Young. 1992 war er zusammen mit Roberta Bondar (Kanada) an Bord der Raumfähre Discovery. Und in den neunziger Jahren gewann er am Gagarin-Trainingszentrum für Kosmonauten in Moskau weiteres Fachwissen, was für ihn einen ehrenvollen Auftrag zur Folge hatte: Er durfte 1994 mit Alexander Wiktorenko und Jelana Kondakowa mit dem Raumschiff Sojus TM-20 zur Raumstation Mir aufbrechen, wo er sich vier Wochen lang aufhielt.

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Dr. Marcus Kirsch informierte über die sensible Technik im Hauptkontrollraum. Auf einer großen Tafel sind von der ESA Daten und Infos unter anderem über Trägerraketen, Raumsonden und Satelitten angezeigt.

Kein Wunder, dass er nach seinen drei absolvierten Aufenthalten im All von verschiedenen Seiten gefragt wurde, ob er in leitenden Funktionen seine Erfahrung weitergeben könne. Er sagte zu und wurde unter anderem Chef der Astronautenabteilung des Europäischen Astronautenzentrums in Köln. Und die ESA gewann den Experten als Berater, der fest an funktionierende Landungen auf dem Mars glaubt. Aber er unterstrich abschließend noch einmal: „Wir sollten erst wieder dem Mond zuwenden.“

Abgeschlossen wurde der spannende Informationsabend unter anderem mit einer Besichtigung des Hauptkontrollraums mit seinen sensiblen technischen Einrichtungen. Dr. Marcus Kirsch erläuterte, wie das weltweite Netz der Bodenstationen funktioniert. Bei den Presseclubs kam man übereinstimmend zum Schluss. einen außergewöhnlichen Termin erlebt zu haben, der sowohl von der ESA als auch ihren Gästen hervorragend organisiert worden war. Der Dank galt auch der Moderatorin des Abends, Jocelyne Landeau-Constantin, die Leiterin der Kommunikationsabteilung des Europäischen Satellitenkontrollzentrums ESOC ist.

Mehr über die ESA kann man erfahren unter www.esa.de und esa.int/esoc.de

Ein Gedanke zu „Ulf Merbold“

  1. Schade, dass der Artikel sich jeder kritischen Hinterfragung enthält. Sateliten werden z.B. auch militärisch genutzt, ohne sie keine tödlichen Drohnen. Und den Mann im (auf dem) Mond sollten wir in den Märchen belassen.
    Was noch auffällt, dass die Kosten dieser Weltraumabenteuer nicht erwähnt werden, sie gehen etwa allein für das Mars-Abenteuer in die Milliarden. Dieses Geld wäre auf der Erde sinnvoller verwendbar.

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