Ein Hallelujah für Cohen

Erinnerungen an Konzert in Oberhausen

von Jörg-Peter Schmidtcohen

Der Freitag, 11. November 2016 ist ein Tag, an dem weltweit in den Radios Songs von Leonard Cohen wie „Susanne“ und „Bird on the Wire“ gespielt werden. Im Internet und im Fernsehen steht der Kanadier mit der rauchigen, dunklen, sonoren Stimme ebenfalls im Mittelpunkt – aus traurigem Anlass: In der Nacht zuvor war bekannt geworden. dass der Komponist, Sänger und Schriftsteller im Alter von 82 Jahren gestorben ist.

Schick und lässig

In den ersten Nachrufen, deren Zahl im Netz von Stunde zu Stunde wächst, liest man: Der zweifache Familienvater, dessen Sohn Adam ebenfalls ein bekannter Musiker ist, muss in den vergangenen Wochen wohl geahnt haben, dass er nicht mehr lange leben würde. Denn auf dem Titelsong seiner kürzlich erschienenen letzten CD „You Want it Darker“ singt er, begleitet von einem Synagogen-Chor aus seinem Geburtsort Montreal: „I’m ready, my lord“. In einer Pressekonferenz, bei der er die CD vorstellte, soll er allerdings mit den Journalisten noch gescherzt haben. „Ich will über 100 Jahre alt werden…“


Als meine Frau und ich am frühen Morgen auf HR1 im Radio die traurige Nachricht hörten, dachten wir sofort an das unvergesslich schöne Konzert von Leonard Cohen im Sommer 2013 in der „König-Pilsener-Arena“ in Oberhausen, das wir erleben durften. Wir hatten uns schon lange vorher auf den Auftritt des damals 79-Jährigen gefreut, bevor wir aus Mittelhessen ins westliche Ruhrgebiet fuhren.
Unter den Fans, die in die Halle strömten, waren viele schick und lässig wie ihr Idol gekleidet: mit Anzug und Hut. Der Sohn einer wohlhabenden jüdischen Familie, der in den neunziger Jahren eine Auszeit in einem buddhistischen Kloster genommen hatte, trat in Oberhausen so auf, wie man ihn vom Fernsehen und den Videos her kannte: keine überflüssigen Gesten, zurückhaltend, bescheiden, aber glücklich in seiner Musik. Zumal zu seiner Band nur erstklassige Leute gehörten: beispielsweise der Gitarrist Bob Metzger und die mit außergewöhnlichen Stimmen gesegneten „Webb Sisters“. Das Publikum merkte schnell, dass Cohen niemand ist, der sich (wie manch andere Stars) arrogant von früheren bekannten Songs distanziert. Ganz im Gegenteil: Er schien stolz darauf, dass Klassiker wie „So long Marianne“ (1971 veröffentlicht), „First We take Manhatten“ und „I’m Your man“ (beide aus dem Jahr 1988) sowie „In My secret Life“ (2001) völlig unverbraucht sind.

Er schien immer jünger zu werden

Je länger das Konzert dauerte, desto jünger schien Cohen zu werden. Längst hatte man als Zuhörer mit ihm „Hallelujah“ gemeinsam gesungen, da setzte er noch eins drauf und war gern zu Zugaben bereit. Und dann kehrte er noch mal mit seinen Musikerinnen und Musikern auf die Bühne der Halle zurück und begeisterte mit weiteren Schätzen aus seinem Repertoire. Man hatte das Gefühl, er wollte an diesem für seine begeisterten Fans noch lange weitersingen.

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Bei der Plattensammlung in den sechziger Jahren war die erste LP von Leonard Cohen ein Muss. Manch ein Fan hat sich die Scheibe aufbewahrt… (Foto: Jörg-Peter Schmidt)

Den wunderbaren Klang seiner Stimme und seiner Band hatte man nach dem Konzert noch lange im Kopf und daheim musste man sofort aus dem Plattenschrank die Leonard-Cohen-Platten herausholen, darunter die erste LP, die 1967 herauskam. Gleich das Auftaktlied darauf ist das sanfte „Susanne“ und das bereits erwähnte „So long, Marianne“ ist der Beginn der B-Seite. Die beschriebene Marianne ist, so liest man in zahlreichen Veröffentlichungen, keine Erfindung: Das Lied soll einer Norwegerin gewidmdet sein, mit der er auf der griechischen Insel Hydra zusammenlebte.
In nächster Zeit wird man zu Ehren dieses vielseitigen Künstlers, der seine Karriere als begabter Schriftsteller in den fünfziger Jahren begonnen hatte, besonders viele seiner Hits vor allem im Radio hören – Songs, die zu den schönsten gehören, die die Musik zu bieten hat.

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