Stromtrasse nach Bayern

Höchstspannung unter hessischen ÄckernStromkabel-Verlegung. Foto Tennet

Die Stromautobahn nach Bayern soll durch den Vogelsberg,  die    östliche Wetterau und den Main-Kinzig-Kreis führen. Die Planung läuft jetzt an. Die Vier-Megawatt-Leitung wird unterirdisch verlegt.

Stromautobahn

Irgendwann in fünf,  sechs oder acht Jahren werden Lastwagen mit riesigen Kabeltrommeln im Vogelsbergkreis auftauchen. Und Bagger, die von Nord nach Süd zwei gut sechs Meter voneinander entfernte, mannstiefe Gräben durch die Felder und Wälder ziehen. Wo sie Straßen queren, kommt ein Tunnelbohrer zum Einsatz. Auf ein Bett aus Sand verlegen die Bauarbeiter schließlich jeweils zwei Kabel von der Dicke eines Oberarms in jeden Graben. Das ist die „Stromautobahn“ Südlink.

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In zwei Gräben werden zwei parallele Stromkabel bis zu vier Megawatt durch Deutschland leiten. Foto: Tennet

 

Sie soll 1,30 Meter unter der Grasnarbe die Windmasten an und auf der Nordsee mit den Stromverbrauchern in Bayern und Baden-Württemberg verbinden. Auf den Höchstspannungskabeln darf nach der Verlegung wieder Ackerbau betrieben werden. Nur Bäume werden auf der acht bis zehn Meter breiten Trasse nicht geduldet.

Zwei solcher Gleichstrom-Erdkabeltrassen von Nord nach Süd planen die Bundesnetzagentur und die in Bayreuth sitzende Firma Tennet. Die westliche Trasse führt voraussichtlich durch den Vogelsberg, die Wetterau und den Main-Kinzig-Kreis in Richtung Aschaffenburg. Schnurgerade von Nord nach Süd soll der Windstrom soll der Windstrom zu den Verbrauchern fließen.  Zwei bis vier Megawatt Strom mit gut 300 000 Volt Spannung kann so ein Strang problemlos transportieren, schreibt Tennet in einer Broschüre.  Man habe mit dieser Technik bereits positive Erfahrungen gemacht.

Höchstspannungs-Erdkabel. Foto Tennet
Solche mit Kunststoff isolierten Kabel können den auf mehr als 300 000 Volt gespannten Gleichstrom unter der Erde von der Nordseeküste nach Bayern transportieren. Foto: Tennet

Die Trasse ist noch nicht genau festgelegt. Sie führt voraussichtlich  westlich an Ulrichstein vorbei, berührt auf dem Weg nach Süden dann die Dörfer Ober-Seibertenrod, Kölzenhain, Rüdingshain, Eschenrod und erreicht bei Gedern-Steinberg den Wetteraukreis. Durch die Gemarkungen von Merkenfritz, Gelnhaar, östlich an Büdingen vorbei führt das Stromkabel schließlich nach Gründau und westlich von Gelnhausen durch den Main-Kinzig-Kreis in Richtung Aschaffenburg nach Bayern.

Erst nach dem Jahr 2020 rollen die Bagger und Kabeltrommeln wirklich an, schätzt Karsten Runge vom Planungsbüro Oekos aus Hamburg. Die Experten befassen sich im Auftrag von 22 Landkreisen aus Niedersachsen und Hessen seit Jahren mit dem Mega-Infrastrukturprojekt. Ursprünglich, so Runge, sollten die „Stromautobahnen“ an großen Masten aufgehängt werden. Doch die Landkreise entlang der Strecke erwarten heftigen Widerstand gegen neue Freileitungen an Gittermasten. Zudem fand man so viele Fehler in der ersten Trassenplanung von Tennet und Bundesnetzagentur, dass diese Pläne im Jahr 2014 einkassiert wurden. Seit vorigem Dezember gibt es nun ein „Netzausbau-Beschleunigungsgesetz“ (kurz: NABEG). Das schreibt  möglichst gerade verlaufende  Erdkabel für die beiden Höchstspannungstrassen vor.  Das sei zwar teurer, aber technisch vorteilhaft, so Karsten Runge zum Kreis-Anzeiger. Die Gleichstromkabel würden in der Erde nicht so heiß wie ein Wechselstromkabel. Man könne viel näher an die Siedlungen heran bauen, denn die vergrabenen Kabel seien gut abgeschirmt und verlören wenig Energie.

Die Planung läuft jetzt an

Bevor gebaut wird, steht noch viel Planung bevor – zunächst die Bundesfachplanung der staatlichen Netzagentur an, dann diverse Antragskonferenzen, Untersuchungen vor Ort, Bauanträge, Umweltprüfungen, Erörterungen und öffentliche Auslegungen. Erst im nächsten Jahrzehnt sei mit einem Planfeststellungsverfahren zu rechnen, sagen die Experten in Hamburg.

Bis jetzt haben Bauherr Tennet und die Oekos-Leute nur einen groben, 20 Kilometer breiten Trassen-Korridor auf die Landkarte gezeichnet. Wo genau die etwa zehn Meter breite Kabeltrasse verläuft, muss laut Karsten Runge noch bestimmt werden. „Zum Beispiel liegen die Großstädte Hannover und Kassel direkt auf der Trasse. Da müssen wir ausweichen.“ Auch steile Mittelgebirge seien ein Hindernis.

Was die Anlieger-Gemeinden und Landkreise an der Stromtrasse beachtet wissen wollen, erkundet Oekos bei einer Fachkonferenz am 21. Juni in Künzell bei Fulda. Jeder Interessierte kann dort zuhören und sich melden, sagt Karsten Runge. Los geht es um 12.30 Uhr im Gemeindezentrum am Hahlweg 32-36. Ein Professor der TU Darmstadt wird dort zum  Beispiel über Bodenerwärmeung, Legetiefe und Kabelabstände referieren. Gegen 16.30 Uhr ist eine offene Diskussion geplant.

Die eher konstruktive Begleitung des Infrastrukturprojekts haben im Dezember 2014  die 22 Landkreise in ihrer „Hamelner Erklärung“ beschlossen. Auch der Vogelsbergkreis gehört zu dieser Gruppe. „Der geplante Umbau der Energiewirtschaft wird Wirtschaft und Gesellschaft langfristig zugute kommen“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung.  Die Wahl des besten Strom-Korridors müsse transparent und Schritt für Schritt nachvollziehbar sein.

Mehr zum Thema auf www.hamelner-erklaerung.de ,

www.suedlink.tennet.eu und

http://www.kreis-anzeiger.de/lokales/wetteraukreis/landkreis/hoechstspannung-unterm-acker_16994726.htm

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