Straßenbahn Bad Vilbel

„Aus“ für das Projekt

Von Detlef Sundermann

Noch vor gut zwei Jahren schienen die Parteien von dem Gedanken elektrifiziert zu sein, mit der Tramlinie 18 Bad Vilbel mit Frankfurt zu verbinden – als Ersatz für den stadtklimabelastenden 30er Bus. Eine schnelle und umweltfreundliche Verbindung in den Frankfurter Osten und Norden, wo etwa die University of Applied Sciences mit ihren knapp 16 000 Studierenden und rund 1500 Lehrbeauftragten liegt. Schuld am Aus für das Projekt ist nach Auffassung der Vilbeler Koalition aus CDU und SPD die Potenzialstudie, die lediglich eine Variante hervorbrachte. Danach soll die Tram über die Friedberger Landstraße durch den Vilbeler Stadtteil Heilsberg fahren, über den Schöllberg in die Innenstadt, durch Biwer-Kreisel, dann über die Kasseler Straße durch das Viadukt über die Homburger Straße in das große Neubaugebiet Quellenpark. 

“Wir sind vom Ergebnis der Potenzialanalyse enttäuscht. Nur eine einzige Trassenführung gilt als wirtschaftlich vernünftig“, heißt es in einer Mitteilung der Koalition. Diese Trassenführung würde das Stadtbild Bad Vilbels massiv zum Schlechteren verändern. Sämtliche Kreisel entlang der Strecke müssten zurückgebaut oder durch Ampeln gesteuert werden. Entlang der Alten Frankfurter Straße und des Schöllbergs müssten rund 100 Bäume gefällt und sämtliche Parkplätze sowie der Radweg wegfallen, heißt es weiter. Überdies würde den Anrainern der Strecke eine zusätzliche Lärmbelastung zugemutet. Unter dieser Prämisse mache es „keinen Sinn für etwas 150 000 Euro auszugeben, das ohnehin keiner will“, sagt SPD-Fraktionschefin Mirjam Fuhrmann auf Anfrage des Neuen Landboten. Die anfängliche, große Euphorie in der SPD sei nunmehr fast verflogen. Vereinzelt gebe es noch Genossen, die weiter am Projekt hängten. „Offenbar ist noch nicht überall angekommen, zu welchem Preis für die Stadt“, sagt Fuhrmann.

Von den Grünen heißt es hingegen: „Bad Vilbel hat auf die Fragen zum aktuellen Verkehrschaos und das anhaltende Verkehrswachstum der Stadt keinerlei ernsthaften Antworten. Fachleute haben die Straßenbahn als verheißungsvolle Lösung präsentiert.“ Auch hinsichtlich der Betriebskosten schlage die Bahn den Bus. Für Fraktionschef Clemens Breest steht fest, dass die Potenzialanalyse und die „deutliche Mehrheit“ für eine Machbarkeitsstudie bei einer Bürgerversammlung im Mai die Expertise rechtfertige. 

Grüne enttäuscht

Vilbels Bürgermeister und Verkehrsdezernent Sebastian Wysocki (CDU) kommentiert das Aus nicht und verweist auf die Stellungnahme der Koalition. Im Frankfurt Verkehrsdezernat soll dem Vernehmen nach die Botschaft aus der Nachbarstadt ohne Aufregung aufgenommen worden sein. Ein Bedauern kommt von RMV-Geschäftsführer Knut Ringat. „Nachdem die Potenzialuntersuchung die verkehrlichen Vorteile einer solchen Straßenbahnverbindung aufgezeigt hat, wäre eine Machbarkeitsstudie ein zielführender nächster Schritt gewesen, um Fahrgastpotenziale und Kosten zu bewerten“, erläutert Ringat. „Zukunftsfähig wäre, wenigstens die Möglichkeiten in einer Machbarkeitsuntersuchung aufzuzeigen. Schade für die verkehrliche Entwicklung, diese nun nicht mal anzugehen.“ Der RMV stehe wegen der Klimaziele vor einer besonderen Herausforderung. „Bis 2030 wollen und müssen wir dazu die Fahrgastzahlen um 30 Prozent steigern. Das erfordert den Ausbau der Schieneninfrastruktur als leistungsfähiges Rückgrat des ÖPNV“, notiert Ringat. 

Damit steht Bad Vilbel im Gegensatz zu anderen Frankfurter Nachbarkommunen wie Neu-Isenburg, Dreieich oder Langen, die künftig auf die Straßenbahn setzen wollen, allein da. Welche Zukunft der 30er Bus, der zwischen Frankfurt-Sachsenhausen und Bad Vilbel Nordbahnhof pendelt, hierbei haben wird, ist wohl noch offen. Die Vilbeler Koalition will jedoch nicht abwarten. „In den nächsten Stadtverordnetensitzung werden wir einen Antrag stellen, in der der Magistrat beauftragt wird, mit dem RMV und der Stadt Frankfurt Kontakt für eine. Lösung aufzunehmen“, sagt Fuhrmann. Auf der Agenda müssten ein CO2-neutraler Betrieb, Sonderspuren für den Bus oder gar eine Weiterführung der Linien bis zum Quellenpark einschließlich Dortelweil stehen. 

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