Kriminalität

Weniger Einbrecher, mehr falsche Enkel

Knapp zwei von drei Straftaten konnte die Polizei 2019 im Wetteraukreis aufklären. Das ist eine etwas bessere Quote als im Jahr zuvor. Bei Mord und Totschlag werden beinahe alle Täter dingfest gtemacht. Die Gesamtzahl der Delikte sank um 4,3 Prozent auf etwa 10000 Straftaten.

Straftaten in der Wetterau

In 17 Fällen musste die Kripo 2019 wegen Mordes, Totschlag oder fahrlässiger Tötung ermitteln. Das waren fünf Verbrechen weniger als 2018. Nur eine der 17 „Straftaten gegen das Leben“ ist bislang unaufgeklärt. Als besonderen Erfolg nennt die Friedberger Kripochefin Anja Fuchs die Verhaftung einer 53-jährigen Krankenschwester. Sie soll im Herbst 2017 und im März 2019 ihren Kollegen von der Bad Nauheimer William Harvey-Klinik mit Schlafmitteln vergiftete Plätzchen und Kaffee kredenzt haben. Ein Arzt ist dabei beinahe gestorben. Die Krankenschwester beteuert ihre Unschuld, obwohl bei ihr ein Mixer mit Schlafmittel-Rückständen gefunden wurde. Der Prozess wegen versuchten Mordes läuft seit März vor dem Gießener Landgericht.

Die Polizei wird auch gerufen, wenn unklar ist, woran ein Mensch starb. 315 solcher Todesermittlungsverfahren standen im vorigen Jahr an. Die meisten Menschen starben auf natürliche Weise, berichtet Anja Fuchs. 44 Menschen hatten sich umgebracht – das sind zwölf mehr als im Jahr zuvor. Drei Tote gab es bei Unglücksfällen.

Kriminaldirektorin Anja Fuchs übernahm Ende Juni 2019 die Leitung der Wetterauer Kriminalpolizei von Ralph-Dieter Brede, der den Posten seit 2016 inne hatte und nun Pensionär ist. Foto: Polizei

Die Zahl der Gewaltverbrechen geht in der Wetterau leicht zurück. Zwar gab es 53 Raubüberfälle und damit genauso viele wie 2018 – doch die Liste der Körperverletzungen verkürzte sich um 21 auf 1117 Fälle. Neun von zehn dieser Gewalttaten wurden aufgeklärt. Angestiegen ist allerdings die Zahl der gefährlichen Körperverletzungen, bei denen der Täter sein Opfer mit einem Gegenstand traktiert. Es gab 306 solcher Fälle – 29 mehr als 2018. Ein Mensch ist nach so einer Attacke gestorben.

Auch der Missbrauch von Partnern und die Verbreitung von Kinderpornografie kommt in der neuen Statistik häufiger vor als früher. Aktenkundig wurden 245 Fälle, das sind 68 mehr als im Jahr zuvor. Als Grund nennt die Polizei auch den stärkeren Verfolgungsdruck, der aus verschärften Gesetzen resultiert. In solchen Verfahren werden oft enorme Datenmengen bei den Beschuldigten beschlagnahmt. Anja Fuchs: „Die Auswertung ist nicht nur sehr aufwendig, sondern auch für die Sachbearbeiter oftmals sehr belastend.“

Die Betrüger waren einfallsreich

Fleißig waren im vorigen Jahr die Betrüger. Sie schlugen 2545 mal zu – etwas öfter als im Vorjahr. Sie ließen sich zum Beispiel Warenlieferungen bezahlen, die dann nicht eintrafen. Oder sie tankten ihre Autos auf und fuhren ohne zu bezahlen davon. Immerhin steigt auch die Aufklärungsquote auf zuletzt 83,6 Prozent. Gestiegen ist zudem die Zahl der Anrufer, die alten Leuten vorgaukeln, sie seien der Enkel, der dringend gerade eine Menge Geld braucht. Oder ein Kripo-Beamter, der die Barschaft des Opfers sichern will, weil in der Straße angeblich Einbrecher unterwegs sind. Der Rekord-Betrug in dieser Sparte wird erst im Jahresbericht für 2020 auftauchen: Im Januar bearbeitete ein falscher Polizist einen Rentner aus dem Wetteraukreis so intensiv am Telefon, dass der schließlich seine gesamten Ersparnisse in Höhe von 700 000 Euro in Goldbarren umtauschte und sie vor der Haustür deponierte.

A propos Einbrecher: Die Zahl ihrer Missetaten hat sich seit 2012 beinahe halbiert. Im vorigen Jahr waren es noch 352 Fälle. Gut jeder fünfte Einbruch konnte aufgeklärt werden. Die Täter sind nicht immer mobile Spezialisten aus Albanien, Litauen oder Bulgarien. Zweimal kamen die Ermittler Einbrechern auf der Spur, die in der Wetterau wohnen. Ihnen legt man insgesamt 126 Einbrüche in Wohnungen und Firmengebäude zur Last.

Auch die Zahl der Rauschgiftdelikte nimmt in der Wetterau allmählich ab. Sie sank binnen Jahresfrist um 46 auf 497 Fälle, von denen sagenhafte 96,2 Prozent aufgeklärt wurden. Allerdings geht die Kripo von einer hohen Dunkelziffer aus. Denn sowohl die Käufer als auch die Verkäufer illegaler Drogen haben kein Interesse, solche Delikte anzuzeigen. Die Polizei muss sie also aus eigenem Antrieb in mühevoller Recherche selbst ans Tageslicht bringen. Im vorigen November gelang es ihr schließlich, acht Leute zu verhaften, die zwei Cannabisplantagen in Mecklenburg-Vorpommern und Ronneburg betrieben haben sollen. Und weil sie auch mit Ecstasy, Amphetaminen und Kokain viel Geld verdienten, stellte die Polizei bei ihnen eine hohe sechsstellige Geldsumme, ein Boot, Schmuck und einen Ferrari sicher.

Faule Fahrraddiebe

Wie kleine Fische wirken dagegen die Fahrraddiebe. Sie klauten im vorigen Jahr 373 Drahtesel – 44 weniger als im Jahr zuvor. Erwischt wurden sie nur bei 6,7 Prozent der gemeldeten Fälle. Es gibt aber ein wirksames Mittel gegen Fahrradklau, sagt die Kriminaldirektorin: die Codierung der Rahmen mit der „Friedberger Eigentümer-Identifikations-Nummer“. Wer die bei einer gebührenfreien Codierungsaktion ins Rad prägen lässt, verringert die Wahrscheinlichkeit eines Diebstahls. Anja Fuchs: „Da codierte Fahrräder durch einen Aufkleber gekennzeichnet und somit für den Täter als solche erkennbar sind, wird er sich im Zweifel für ein nicht codiertes entscheiden.“ Und wenn er das Fahrrad trotzdem stiehlt und später irgendwo liegen lässt, kann man leicht den rechtmäßigen Eigentümer ermitteln.

Die Täter sind unter uns

In ihrer Kriminalstatistik macht die Kripochefin Anja Fuchs auch Angaben über die Täter. Etwas mehr als jeder zweite von ihnen hat dort sein Unwesen getrieben, wo er wohnt (54,8 Prozent). Weitere 17,5 Prozent der überführten Täter leben zwar nicht am Ort des Verbrechens, aber im Wetteraukreis. Und zusätzliche 18,4 Prozent sind andernorts in Hessen gemeldet. Leute, die nicht in Deutschland wohnen, haben nur 1,9 Prozent der Straftaten in der Wetterau auf dem Gewissen. Fazit: Die Täter leben unter uns. Und sie sind meistens männlich. Die Polizei überführte 4155 Männer und 1207 Frauen. Vier von fünf Dieben, Räubern, Schlägern oder Randalierern waren 18 Jahre oder älter und damit voll für ihre Taten verantwortlich.

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