Literarisches Zentrum

Spannende Lesungen in Gießen

von Jörg-Peter Schmidt

Unter den Autorinnen und Autoren, die für das jetzt vorgestellte Herbstprogramm des Literarischen Zentrums Gießen (LZG) gewonnen wurden, sind bekannte  Namen. Beispielsweise Tanja Kinkel, Verfasserin vorwiegend historischer Bücher wie „Die Puppenspieler“und Volker Kutscher, Autor der Romanreihe um den Kommissar Gereon Rath. Auch unternimmt Matthias Huff einen Streifzug durch die Geschichte des Gospels.

Um „Gittersee“ gab es Diskussion

Das LZG-Organisationsteam hat sich wieder immense Mühe gegeben,  einen vielseitigen Terminkalender zusammenzustellen.  „Die Tage werden kürzer, die Abende länger – damit beginnt die Zeit, in der das Zuhören und das Lesen wieder mehr Raum gewinnen“, heißt es im Vorwort des Programmheftes von Hanna Brahm, Tim Spengler (jeweils LZG-Geschäftsführung) und Prof. Dr. Sascha Feuchert (LZG-Vorsitzender). 

Charlotte Gneuß (Fotoquelle: Alena Schmick)

In der Programmbroschüre und einer Pressemappe wird ausführlich der Reigen an interessanten Veranstaltungen beschrieben, deren Auftakt am Dienstag, 2. September (19 Uhr, Lern- und Erinnerungsort Notaufnahmelager Gießen, Meisenbornweg 27)  ist. Charlotte Gneuß liest aus „Gittersee“. Der  Roman stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2023 und wurde mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung 2023 sowie dem aspekte-Literaturpreis ausgezeichnet.

Die Erzählerin entführt in den Dresdner Vorort Gittersee des Jahres 1976 und erzählt die Familiengeschichte der 16-jährigen Karin – und vom Aufwachsen in einer Welt, die es nicht mehr gibt, wie von der Frage, ob Unschuld in dieser Welt möglich war. Um den Roman gab es eine Diskussion um die Frage, ob in einem Roman über die DDR jedes Detail formal hundertprozentig richtig dargestellt werden muss oder ob man sich hier schriftstellerische Freiheiten nehmen kann, ohne dass es dem Roman schadet. Trotz der Diskussion ist „Gittersee“ bis heute ein Erfolg.

Tanja Kinkel schildert ein sehr mutige Frau

Tanja Kinkel. (Fotoquelle: Wikipedia, Kaethe17)
Im neuen Roman von Tanja Kinkel spielt die Demokratin Louise Otto eine große Rolle. (Quelle. Wikipedia, German Parliament (Bundestag) website http://www.bundestag.de/blickpunkt/bilderInhalte/0402/500px/0402030a1.jpg

Tanja Kinkel stellt am Donnerstag, 4. September  (19 Uhr, THM-Hörsaal, ehemaliges Roxy-Kino, Ludwigsplatz 4 in Gießen) ihr neues Buch „Im Wind der Freiheit“  im Gespräch mit Tanja Rösner (hr3) vor. Darum  geht es: 1848: Die Menschen im Deutschen Bund erheben sich gegen die Macht der Fürsten und der Zensur. Während Deutschland die Morgendämmerung der Demokratie erlebt, finden in den Wirren der Zeit zwei ungleiche Frauen zueinander: die arbeits- und mittellose Susanne, die sich auf einen gefährlichen Auftrag eingelassen hat und die mutige Autorin und engagierte Demokratin Louise Otto. Seite an Seite kämpfen sie für Freiheit und Selbstbestimmung in einer Revolution, die trotz ihres Scheiterns das Land für immer verändern wird.

DDR-Roman von Jakob Hein
Jakob Hein (Fotoquelle: Susanne Schleyer)

Der gebürtige Leipziger Jakob Hein (Jahrgang 1971) hat eine Geschichte verfasst, die in der DDR spielt.  Titel seines Romans: „Wie Grischa mit einer verwegenen  Idee beinahe den Weltfrieden auslöste“. Am Freitag, 12.  September (19 Uhr, Kulturzentrum prototyp, Georg-Philipp-Gail Str. in Gießen) liest er aus dem Buch und erläutert es.  Im Programmheft des LZG heißt es: „Es geht um ein bisschen Gras, einen genialen Coup und um die zentrale Frage, wie man im Osten einst den bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß dazu brachte, die DDR mit einem Milliardenkredit vor dem finanziellen Bankrott zu retten.“

Volker Kutscher und Kat Meschik zu Gast
Volker Kutscher und  Kat Meschik (Zeichnung: Kat Menschick)

Großen Zuspruch wird es sicherlich am  Dienstag, 7. Oktober  (19 Uhr, Hermann-Levi-Saal des Rathauses, Berliner Platz in Gießen) bei einer illustrierten Lesung mit Volker Kutscher und Kat Meschik geben.  „Westend“ wird vorgestellt. Kutscher hat diesmal mit der Illustratorin  Kat Meschik zusammengearbeitet: Berlin-Westend, 1973 – ein Tonband, ein Interview, eine Überraschung: Der Privatdozent Hans Singer besucht den 74-jährigen Kriminalkommissar a.D. Gereon Rath im Seniorenheim, weil er zu der Arbeit der Berliner Polizei im Wechsel der politischen Systeme forscht. Zum Unbehagen des Kommissars a.D. nimmt das Gespräch eine überraschende Wendung. Singer weiß bestens über Raths Vergangenheit Bescheid, er kennt die alten Kollegen, ja sogar seine Exfrau. Und er ist einer Sache auf der Spur, über die Rath unter keinen Umständen reden will: Die Polizistenmorde am Bülowplatz von 1931. Die Veranstaltung ist auch in das Gießener Krimifestival integriert.

Kristine Bilkau liest aus „Halbinsel“
Kristine Bilkau (Fotoquelle: Thorsten Kirves)

Am Mittwoch, 11. November (19 Uhr,  Aula im Universitäts-Hauptgebäude, Ludwigstr., Gießen) berichtet Kristine Bilkau, um was in ihrem Roman „Halbinsel“ geht. Die gebürtige Hamburgerin, die für „Halbinsel“ den  Preis der Leipziger Buchmesse 2025 erhielt, schreibt in ihrer Erzählung über eine Mutter-Tochter-Beziehung: Eine Tochter, Mitte 20, kehrt nach einem Zusam-menbruch in das Haus ihrer Mutter ans Wattenmeer zurück. Aus ein paar Tagen werden Wochen und Monate, in denen immer wieder alte Konflikte aufbrechen und sich die beiden Frauen Schritt für Schritt neu kennenlernen und aufeinander einstellen müssen.

Musikalische Lesung zum Thema Gospel

Eine Lesung mit Musik gibt es am Freitag, 21. November (19 Uhr, Ulenspiegel, Seltersweg 55 in Gießen). Der Journalist Matthias Huff liest Passagen aus seinem Buch „Feel the Spirit“. Der Autor nimmt uns mit auf eine Reise durch mehrere Jahrhunderte Gospelmusik. In 30 packenden Geschichten erzählt er von der Kehrtwende eines Sklavenhändlers, die Amazing Grace hervorbrachte und Harriet Tubmans Freiheitskampf mit Go Down Moses, von der rockenden Gitarrenheldin Rosetta Tharpe und Elvis‘ Liebe zum Gospel, von legendären Konzertmomenten Mahalia Jacksons, Aretha Franklins und Bob Marleys und von den inneren Kämpfen von Kirk Franklin und CeCe Winans in der Gegenwart. Emma Bombach (Gesang) und Elias Huff (Gitarre) begleiten die Lesung mit swingenden Interpretationen von Gospelklassikern.

Am 27. November  (19 Uhr, KiZ, Kongresshalle, Südanlage in Gießen) wird in einer Veranstaltung, die nur LZG-Mitgliedern vorbehalten ist,  der LZG-Lesekreis der Roman besprechen, der den Deutschen Buchpreis gewonnen wird. Welches Buch das sein wird, steht jetzt noch nicht fest.

„Rilke – Dichter der Angst“ 

Am Montag, 1. Dezember  (19 Uhr, Margarete-Bieber-Saal, Ludwigstr., Gießen) geht es um  Rainer Maria Rilke. Er wurde 1875 in Prag geboren. 2025 ist ja ein Rilke-Jahr. Der Literaturwissenschaftler Manfred Koch hat unter dem Titel „Rilke – Dichter der Angst“  über den Lyriker geschrieben. Dichtung für die Ewigkeit zu schaffen und aus Leben »wahre« Kunst werden zu lassen, ist das, worauf es Rilke ankommt, argumentiert Koch.  Der Autor beschreibt den Poeten  als äußerst empfindsamen Dichter der heraufziehenden Moderne.

Darbietungen der Germanistik-Theatergruppe

Zwei Aufführungen der Gießener Germanistik-Theatergruppe finden  in der Vorweihnachtszeit statt. Am Donnerstag, 4. Dezember (19 Uhr, Pankratiuskapelle, Georg-Schlosser-Str., Gießen) und  am  6.  Dezember (16 Uhr, Hospitalkirche Grünberg). Benedikt Edelpöcks Comedi von der freudenreichen Geburt Jesu Christi aus dem Jahr 1568 wurde als für seine Zeit scheinbar ungewöhnlich traditionell, als gleichsam noch »mittelalterlich« eingestuft und als Weihnachtsspiel in der Germanistik bislang kaum beachtet. Bei genauerer Betrachtung ist das Stück aber keineswegs so rückwärtsgewandt; vielmehr verbindet es sehr geschickt das traditionelle Genre des Weihnachtsspiels mit Diskussionen über aktuelle Probleme wie Ökonomie, Herrschaft, gesellschaftliches Zusammenleben und persönliche Moral.

Weihnachtsvorlesung für Kinder

Am Freitag, 5. Dezember (16, Uhr, Stadtbibliothek Gießen, Berliner Platz) hält Sven Gerhardt eine Weihnachtsvorlesung für Kinder.  Der in Marburg lebende Autor  hat ein Buch verfasst, das den Titel hat: „Das wunderbare Weihnachtsriesenrad“(Illustration: Florentine Prechtel). Gibt es ein dampfbetriebenes Riesenrad, das Weihnachtswünsche erfüllen kann?  

Über das Programm und den Ticketvkerauf  sowie über Anmeldemöglichkeiten kann man sich unter www.lz-giessen.de informieren.

Titelbild: Matthias Huff nimmt das Publikum  mit auf eine Reise durch mehrere Jahrhunderte Gospelmusik. Das Foto zeigt  Mahalia Jackson. (Foto: Wikipedia,  ETH Bibliothek Zürich)
 


 


 


 

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