Vorsorge-faule Männer
von Michael Schlag
Männer nutzen viel zu selten die Vorsorgeuntersuchung zur Früherkennung von Darmkrebs. Das berichtet eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und der Barmer Ersatzkasse. Die Ergebnisse wurden jetzt im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht.Einmal in zwölf Jahren
Die Studie basiert auf den anonymisierten Daten von fast einer Mio. Barmer-Versicherten der Jahrgänge 1960 bis 1968. Im Zeitraum von 2010 bis 2022 nutzten 56 % der Frauen mindestens einmal das Angebot eines Stuhltests auf unsichtbares („okkultes“) Blut, aber lediglich 23 % der Männer machten einmal innerhalb von zwölf Jahren diese Krebsvorsorge. Noch deutlicher wird das Ergebnis, wenn man fragt, wer die Vorsorge regelmäßig macht, wie ärztlich empfohlen. Jede fünfzigste Frau, aber nur jeder tausendste Mann machte tatsächlich jedes Jahr einmal einen Stuhltest zur Früherkennung von Darmkrebs, den die Krankenkasse empfiehlt und bezahlt.
Bis 55 keine Vorsorge
Bis zum Alter von 55 Jahren hatten drei Viertel der Männer und die Hälfte der Frauen noch nie diesen Test gemacht. Für Krebsmediziner ist das Ergebnis alarmierend: „Die bisherige, nicht organisierte und auf individueller Eigeninitiative beruhende Darmkrebsfrüherkennung erreicht große Teile der berechtigten Bevölkerung nicht“, so Studienleiter Hermann Brenner vom DKFZ. Auch die Einführung eines Einladungsschreibens an alle Versicherten im Alter von 50 Jahren habe die mangelnde Teilnahme nicht substanziell verbessert.
70 Prozent Teilnahme in England
Ganz anders sieht die Bilanz aus in Ländern mit gut organisierten Programmen der Darmkrebsvorsorge, wie die Niederlande oder England. Sie erreichen Teilnahmequoten von mehr als 70 %. Die Autoren der Studie empfehlen auch in Deutschland einen systematischen Ausbau der Früherkennung, etwa durch den Postversand von Testkits und zielgerichteten Erinnerungsschreiben. Ein früheres Modellprojekt der DKFZ-Arbeitsgruppe mit der AOK Baden-Württemberg hatte bereits gezeigt, dass ein solches Vorgehen die Teilnahme auch in Deutschland mindestens verdreifachen könnte.
Nachgewiesene Wirksamkeit
Jedes Jahr sterben in Deutschland über 24.000 Menschen an Darmkrebs. Diese Krankheit lasse sich verhüten, „wenn die Krebsvorstufen entdeckt und entfernt werden, und die Heilungschance steigt, wenn der Krebs früh diagnostiziert wird“, so Christian Graf von der Barmer. Es sei höchste Zeit, dass man mit evidenzbasierten Maßnahmen mehr Menschen dazu bringe, die Chance der Vorsorge und Früherkennung zu nutzen. Die Wirksamkeit von Stuhltests zur Senkung von Darmkrebsfällen ist nachgewiesen, auch weil die früheren enzymatischen Stuhltests mittlerweile durch modernere immunologische Tests verbessert wurden.
Quelle: Deutsches Ärzteblatt
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