Soziale Gerechtigkeit

Mehr barrierefreie Haltestellen gefordert

Auf Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft macht der „Welttag der sozialen Gerechtigkeit“ der Vereinten Nationen seit 2009 jährlich am 20. Februar aufmerksam. Einer, der soziale Ungerechtigkeiten benennt, ist Sebastian Hermann. Der 37-jährige Gießener ist seit Anfang 2022 Mitglied des Beirats für die Belange von Menschen mit Behinderung der Stadt Gießen, der eine Stadtverordnetenversammlung und Magistrat berät.

Innerhalb des Beirats fungiert Sebastian Hermann als neuer Stellvertreter von Martina Ertel (Lebenshilfe-Bereichsleitung Ambulante Hilfen und Stellvertretende Beirats-Vorsitzende), gemeinsam vertreten sie die Lebenshilfe Gießen, die in Stadt und Landkreis Gießen über 3.000 Menschen mit und ohne Behinderung begleitet. Auch weitere Wohlfahrtsverbände, Selbstorganisationen von Menschen mit Behinderungen, der Ausländerbeirat und Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung gehören dem Beirat an, berichtet Christian Németh von der Pressestelle der Lebenshilfe Gießen.

Engagiert sich für die Belange von Menschen mit Behinderung: Sebastian Hermann. (Foto: Lebenshilfe Gießen)

Mitglied des Coronakrisenstabs

„Ich möchte mich innerhalb des Beirats für meine Kollegen und für Menschen mit Behinderung einsetzen, vor allem da, wo etwas nicht in Ordnung ist“, erklärt Sebastian Hermann, der selbst seit 2014 bei der Lebenshilfe Gießen arbeitet. Seit 2015 ist er in der Gießener Reha-Werkstatt (Standort West) – einer Rehabilitationseinrichtung für Menschen mit chronisch-psychischer Behinderung – in der Montage-Abteilung tätig.

Sebastian Hermanns Engagement und Verantwortungsbewusstsein ist vielseitig, zeigt sich etwa in seiner Tätigkeit als Werkstattrat oder zum Beispiel als Mitglied des Corona-Krisenstabs des gemeinnützigen Unternehmens: „Generell sehe ich mich als Sprachrohr, aber auch als Ansprechpartner. Gerade für Menschen mit Behinderung.“

Soziale Gerechtigkeit für Behinderte Anliegen

Sebastian Hermann konnte als neues Mitglied bereits an einer Beiratssitzung – einer von vier oder fünf im Jahr – teilnehmen. Hierbei übernahm er zunächst noch die Rolle des Zuhörers, nach und nach möchte er jedoch auch aktiv im Beirat tätig werden. „Das war alles schon sehr interessant. Dadurch, dass ich jeden Tag Zeitung lese und mich viel informiere, kann ich mich dort gut einbringen“, sagt Hermann, dem das Thema soziale Gerechtigkeit für Menschen mit Behinderung ein besonderes Anliegen ist.

Zu wenige öffentliche Toiletten

Diese Grundhaltung konkretisiert der engagierte Gießener, der selbst eins chronisch-psychisches Handicap hat, anlässlich des 20. Februars: „In meinen Augen gibt es zum Beispiel noch nicht ausreichend öffentliche Toiletten. Gerade zu Pandemiezeiten war das ein Problem, wenn Gaststätten in der Stadt zu hatten.“ Für eine Verbesserung der Situation möchte sich Hermann ebenso einsetzen, wie für beispielsweise mehr barrierefreie Bushaltestellen im Stadtgebiet.

Wohnungssituation großes Problem

Auch in der Wohnungssituation sieht Hermann eine Ausprägung sozialer Ungerechtigkeit, die Menschen mit und ohne Behinderung tangiert: „Es gibt Menschen mit Behinderung, da kenne ich selbst viele, die finden keine bezahlbaren Wohnungen mehr innerhalb der Stadt. Das müssen wir ändern und da sind auch schon verschiedene soziale Träger und der Beirat in Gießen dran.“

Es gibt auch Fortschritte

Derweil vermag Sebastian Hermann auch Fortschritte und Erfolge in Sachen soziale Gerechtigkeit, zu der auch das Thema Barrierefreiheit zählt, zu erkennen: „Ich finde es zum Beispiel gut, dass in Gießen schon einige Ampeln barrierefrei sind. Es geschieht einiges – aber es gibt auch noch viel zu tun.“

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