Römerlager in Friedberg

Am Steinernen Kreuz zelteten LegionäreRömer-Feldlager3

Die Gegend um Friedberg und Bad Nauheim  war vor 2000 Jahren ein wichtiges Aufmarschgebiet römischer Legionäre. Bei der Erschließung eines Neubaugebiets sind erneut die Reste eines großen Zeltlagers aufgetaucht. Es wird nun systematisch ausgegraben.

Römerlager in Friedberg

Rund um das Steinerne Feldkreuz westlich von Friedberg wachsen seit Jahren moderne Wohnhäuser auf dem früheren Acker.  Doch die jungen Familien sind nicht die ersten  Bewohner dieser Gegend. 2012 entdeckte man bei der Vorbereitung des letzten Bauabschnitts  uralte Spitzgräben im Lehmboden. Die werden jnun systematisch erforscht, meldet Kreisarchäologe Dr. Jörg Lindenthal.

LimesWetterau-Karte - Kopie
Der Limes sicherte zwischen 100 und 260 n. Chr. die Wetterau als römische Provinz. Schon lange vorher besetzten die Römer vorübergehend die Gegend um Friedberg und Bad Nauheim. Grafik: Michael Breuer

Die Planierraupen haben den Grundriss eines römischen Marschlagers aufgedeckt.  Es handelt sich um temporäre Lager, die die römischen Soldaten während ihrer Feldzüge anlegten. Um gegen überraschende Angriffe geschützt zu sein, wurde ein Graben um das Lager gezogen. Innerhalb dieser Umwehrung stellten die Legionäre ihre Zelte auf. Natürlich lassen sich nach etwa 2000 Jahren nur wenige Spuren finden – doch in Friedberg blieb der untere Teil des charakteristischen Spitzgrabens erhalten.

Römer-Feldlager3
Ein Zeltlager der IV. Vindeliker-Kohorte in der Saalburg. Die Grenzsoldaten nutzten auf Feldzügen Acht-Mann-Zelte aus Leder. Foto: Nissen

Darüber hinaus konnten bereits bei den ersten Untersuchungen in Teil I des Neubaugebietes Reste von über 30 in den Boden eingetieften Backöfen dokumentiert werden. Dies wurden von den Legionären angelegt, die sich um ihr Essen selbst kümmern mussten.

Grabungstemin am Steinernen Kreuz Friedberg
Besuch an der Ausgrabungsstelle: Von links Dr. Christiane Pfeffer, Andreas Eigelsheimer (Stadt Friedberg), Landrat Joachim Arnold, Kreisarchäologe Dr. Jörg Lindenthal, Christa Kleinschmidt(Stadt Friedberg) , Bürgermeister Michel Keller sowie Marcus Jae und Thorsten Sonnemann vom Grabungsteam. Foto: Wetteraukreis

Der Hauptaugenmerk der Grabungskampagne von 2016 liegt auf der vollständigen Dokumentation der Befunde und  auf der Datierung des Lagers.  Kreisarchäologe vermutet, dass das Lager während der Augusteischen Germanenfeldzüge angelegt wurde:  Im Jahr 8 vor Christus brach Tiberius, Stiefsohn von Kaiser Augustus, angeblich mit mindestens fünf Legionen seiner Söldner von Mainz auf, um durch die Wetterau bis zur Elbe vorzustoßen. Er wollte die Chatten und Sueben in ihre Grenzen weisen. Etwa alle 18 Kilometer legten die Römer Marschlager an. 1960 entdeckte man bei Bad Nauheim-Rödgen ein riesiges Lager mit drei mächtigen Getreidespeichern, die den Nachschub der Truppe sichern sollten. Das neu entdeckte Feldlager bei Friedberg liegt nur wenige Kilometer davon entfernt. Es könnte aber auch etwas später, im ersten Jahrhundert nach Christus entstanden sein. Um 100 nach Christus wurde die Wetterau mit Straßen und dem Grenzbauwerk des Limes zur römischen Provinz gemacht. Die Hauptstadt dieser „Civitas Taunensium“ war Nida – das heutige Frankfurt-Heddernheim. Feldherr Drusus übrigens hatte auf der Rückkehr von der Elbe einen schweren Unfall und starb nach einer Weile daran. Sein Bruder Tiberius setzte den Feldzug danach fort.

Bei den aktuellen Ausgrabungen hofft man nun, noch mehr saussagefähige  Funde zu machen. Im Mai oder Juni soll ein  „Tag der offenen Grabung“ stattfinden, bei dem jeder den  Archäologen bei der Arbeit über die Schulter schauen darf. Dabei  soll ein römischer Backofen nachgebaut werden. Wenn der funktioniert, gibt es  „römisches Brot“ als Kostprobe.

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