Mo Asumang liest

Wie sich Rassismus anfühlt

Die afrodeuasumangtsche TV-Moderatorin Mo Asumang hat Rassismus erfahren und daraufhin die Konfrontation mit rechten Hasspredigern gesucht – unter 3000 Neonazis auf dem Alex, bei einem rechten Star-Anwalt, unter braunen Esoterikern, auf einer Neonazi-Dating-Plattform, sogar bei Anhängern des Ku-Klux-Klan in den USA. Darüber hat sie das Buch „Mo und die Arier“ geschrieben.  Am Freitag, 16. September 2016, liest sie daraus in Friedberg.

Morddrohung

Mo Asumang, 1963 als Kind einer Deutschen und eines Ghanaers in Kassel geboren, wurde 1996 Deutschlands erste afrodeutsche TV-Moderatorin (»Liebe Sünde«). Seitdem arbeitet Asumang als Moderatorin, Filmemacherin Dozentin und Schauspielerin. Die Neonazi-Band „White Aryan Rebels“ sang auf ihrer CD „Noten des Hasses“ das Lied „Die Kugel ist für dich, Mo Asumang“.

Die engagierte Moderatorin beschließt, sich den Rassisten von asumang1Angesicht zu Angesicht zu stellen. Sie sucht den NPD-Anwalt Jürgen Rieger auf. Der „trägt keine Springerstiefel, keine Uniform, er hat keine Glatze, sieht nicht aus, wie man sich einen Neonazi so vorstellt. Stattdessen trägt er eine graue Bundfaltenhose, ein grünes Jackett, ein steifweißes Hemd und eine graue Krawatte, die wie bei fast jedem Mann hoch oben an der Gurgel Platz nimmt“, wie sie schreibt. Rieger predigt puren Rassismus.

Unter 3000 Neonazis

Sie mischt sich unter 3000 Neonazis auf dem Alexanderplatz in Berlin: „Komisch, die Nazis um mich herum sagen gar nichts zu mir. Ich hatte Anbrüllen erwartet. Jetzt, wo sie hier im Pulk stehen, zu Tausenden. Da können sie sich doch trauen. Ich bin nur eine. Aber nichts passiert. Hm? Ich stehe hier. Ich gucke. Ich drehe meinen Körper nach rechts und links. Ich setze einen Fuß vor den anderen. Ich möchte rufen: Hallo, da bin ich, euer Feindbild. Hallo! Ich bin 1,76 m groß. Ich habe Löckchen. Meine Hautfarbe ist braun. Ich bin hier übrigens die Einzige, die hier wirklich braun ist, ha, ha.“

Bei einem Rechtsrock-Konzert in Gera wird es absurd. Die Neonazis machen Selfies mit ihr: „Und dann passiert es. Nach fünf Stunden unter Hunderten von Nazis kommen nacheinander welche auf mich zu und fragen immerfort dieselbe Frage. (Man rechnet ja mit allem, aber dieser Satz und die Aktion dazu hat mein Weltbild auf den Kopf gestellt.) Der erste Neonazi tippt mir auf die Schulter und fragt vorsichtig: ,Kann ich mal ein Selfie mit dir machen?‘ Und da kommt auch schon der nächste: ,Ein Selfie mit dir, bitte.‘ ,Ein Selfie?‘, frage ich jedes Mal erstaunt und antworte, ja, gerne.“

Es gibt Gegenmittel

»Manche würden, was ich erfahren habe, Rassismus nennen, manche sagen Fremdenfeindlichkeit, und das wird es immer geben, viele erkennen es wieder als eine Form des Mobbing“, sagt Bo Asumang und fährt fort: „Doch egal, wie man dazu sagt, es wird verübt von Menschen, die einen aus den unterschiedlichsten Beweggründen heraus klein machen, die einem das Selbstbewusstsein rauben wollen oder sogar das Leben. Aber es gibt Gegenmittel.“

Bo Asumang liest aus ihrem Buch „Bo und die Arier“ am Freitag, 16. September 2016, 20 Uhr, in Reihe „Friedberg lässt lesen“ in der OVAG-Hauptveranstaltung, Hanauer Straße 9 – 13, in 61169 Friedberg/Hessen. Die Lesung ist zugleich Auftaktveranstaltung der diesjährigen Interkulturellen Woche. Eintritt: 10 Euro, Schüler und Studenten 7 Euro.

Mo Asumang: „Mo und die Arier – Allein unter Rassisten und Neonazis“, 256 Seiten, Klappenbroschur, 14,99 Euro, ISBN: 978-3-596-03443-7

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