Lisa Schmitt steigert Steckenrekord
von Helmut Serowy
Zwei Bergkegel – gekrönt von den Ruinen der Burgen Vetzberg und Gleiberg – und der 497 Meter hohe Dünsberg erheben sich markant aus der weithin übersehbaren Landschaft nordwestlich von Gießen. Etappenziel des inzwischen 19. Dünsberglauf war wieder der über dem Gipfel des „Keltenberges“ hochragende Fernmeldeturm.Historisches Gelände
Beim Dünsberglauf müssen die 10-km-Läufer vom Start auf dem Waldsportplatz in Biebertal-Fellingshausen bis zum Gipfel 285 Höhenmeter überwinden. Anschließend führen sie teils heftige Gefällstrecken wieder zum Start-Ziel-Bereich am Fuße des Dünsbergs zurück.
Der Weg streift bedeutsames Gelände. Gut erhaltene Reste von drei mächtigen Ringwall-Anlagen aus verschiedenen Jahrhunderten mit vorgelagerten Spitzgräben und insgesamt 14 Tordurchlässen erinnern noch heute an die Kelten, die hier früher siedelten. Die Errichtung des obersten und mächtigsten, acht Meter breiten, Ringwalles wird auf die Spätbronzezeit (Urnenfelderzeit) um 800 v. Chr. datiert.
Die beiden unteren Ringwälle aus dem 3. und 1. Jahrhundert v. Chr. umschlossen und schützten das 90 Hektar umfassende „Opposium Dünsberg“ mit seinen zahlreichen podienartigen Terassenflächen am Berghang.
Wie in den vergangenen Jahren durften sich die Läuferinnen und Läufer sowie die Organisatoren vom Lauf-Treff Biebertal auch beim 19. Dünsberglauf über strahlenden Sonnenschein freuen.
10 Kilometer (4,5 keltische Leugen)
Nach dem Start auf dem Sportgelände in Fellingshausen verläuft die 10-km-Strecke des Dünsberglaufes überwiegend entlang der Ringwälle der ehemaligen Keltenstadt. Mit 285 Höhenmetern führt sie an historischen Ausgrabungsstätten, beeindruckenden Holzskulpturen und der Verpflegungsstation Schulborn vorbei zur Gipfelraststätte. Von dort geht es über rasante Abfahrten zurück zum Waldsportplatz.
Nach einer längeren Verletzungspause übernahm bereits an der ersten Steigung der Berglauf- und Trail-Spezialist Benjamin Löw (Trailbuddies Hessen) das Kommando. Der bei den Winterlauf-Serien in Pohlheim und Alten-Buseck bereits überaus erfolgreiche Langstreckler setzte sich auf dem Weg zum Gipfel von seinen Verfolgern ab. Bei der Bergab-Tour schloss allerdings Jannis Janson vom Team Naunheim wieder auf. Eine zwischengeschaltete Steigung nutzte Benjamin Löw, um erneut vorzulaufen und den Vorsprung bis ins Ziel zu verteidigen. „Aufgrund meiner Stärke am Berg habe ich an den Steigungen voll durchgezogen, um die Konkurrenten vor den Bergab-Passagen abzuschütteln. Das ist mir tatsächlich gelungen“, freut er sich.
Nach der finalen Sportplatz-Runde feierte Benjamin Löw den Sieg in 35.54 min vor seinem stärksten Mitstreiter Jannis Janson, der mit 36:13 min folgte. Hinter dem Bronzemedaille-Gewinner Luis Graulich (LGV Marathon Gießen, 37:10 min) lief Stefan Jung (FC Oberwalgern, 37:16 min) zum dritten Rang in der M35. Den fünften Platz erkämpfte sich der M50-Vierte der Deutschen Berglaufmeisterschaften – Christoph Bergmann vom LC Diabü Eschenburg – in 37:33 min vor dem Vorjahres-Dritten Simon Mussie (Team Naunheim, 37:45 min) und Philip Scharck (LGV Marathon Gießen, 38:16 min).
Die M30 gewann Fynn Behle (LGV Marathon Gießen, 39:39 min), die M40 Christian Köhler (Gießener Rudergesellschaft, 42:24 min), die M45 Frank Stolze (44:09 min). Stark präsentierten sich wieder in der M55 Ulrich Sieke (Herborn, 42:29 min), in der M60 nach längerer Verletzung Johannes Hafer (Wetzlar, 43:06 min) vor Andreas Dietrich (LG Langgöns-Oberkleen, 44:06 min) und in der M65 Peter Büchele (TSV Krofdorf-Gleiberg, 45:26 min). Ihre Vorjahres-Erfolge wiederholten in der M70 Harald Schick vom Lauf-Treff Biebertal (49:07 min), in der M75 Günther Scheibehenne (SC Hinterland, 57:49 min), in der M80 Lothar Barth (SV Kirchvers, 68:11 min) und in der M85 Kurt Felde (LGV Marathon Gießen, 67:10 min).

Spannung war auch beim Frauen-Rennen angesagt, wo Streckenrekordlerin Lisa Schmitt aus Lahnau und die hessische Marathonmeisterin Verena Goldfuß vom TSV Krofdorf-Gleiberg aufeinander trafen. Beim Duell der beiden Langstrecklerinnen, die zu den stärksten hessischen Läuferinnen zählen, sollte der von Lisa Schmitt im letzten Jahr aufgestellte Streckenrekord erneut ins Visier geraten. Die Marathon-Spezialistin drückte mächtig auf`s Tempo und stürmte schließlich strahlend bereits nach 19:07 min über die Ziellinie und steigerte sich gleich um 43 Sekunden. Nebenbei gewann sie auch die W35-Wertung. „Es lief heute erstaunlich locker. Ich bin froh, dass ich nach langer Verletzungsmisere wieder längere Trainingseinheiten durchziehen kann“, blickte Lisa Schmitt zuversichtlich dem geplanten Herbstmarathon entgegen.
Verena Goldfuß war nach einem 100-km-Radtraining am Vortag ebenfalls zufrieden. Mit 40:00 min schrammte sie knapp am bisherigen Streckenrekord vorbei. Die hessische 10.000-m-Meisterin der W45 – Jana Schütt von Blau-Gelb Marburg – holte sich die Bronzemedaille in 43:56 min vor der Hauptklassen-Zweiten Kim-Laura Gross (Kinzenbach, 46:13 min) und der W45-Zweiten Stephanie Gocht (Ski-Club Breitscheid, 46:39 min). Als Sechste führte Simone Pyrlik vom TSV Krofdorf-Gleiberg in 46:50 min die W50 an.
In der W70 stellten sich am Dünsberg die Deutsche Halbmarathon-Meisterin Monika Donges vom Team Naunheim und die Deutsche Berglauf-Meisterin Cornelia Wagener dem Starter. Wie bei den Deutschen Halbmarathon-Meisterschaften hatte Monika Donges mit ausgezeichneten 49:46 min die Nase vor Cornelia Wagener (51:15 min).
Weitere Klassen-Erfolge verbuchten in der W40 Helena Meyer (LGV Marathon Gießen, 47:50 min), in der W55 Simone Siebenborn (LGV Marathon Gießen, 49:44 min), in der W60 Claudia Göbel (LC Diabü Eschenburg, 54:06 min und in der W65 Hedwig Hetzer (SV Erfurtshausen, 57:32 min).
6 Kilometer
Nach dem Passieren der Verpflegungsstation Schulborn konnten die 6-km-Starter wieder Richtung Ziel abbiegen. Ihnen blieb damit die heftigste Steigung zum Gipfel des Dünsberg erspart. Der Vorjahres-Zweite Janek Waldschmidt vom MTV Gießen hatte diesmal die Männer-Konkurrenz im Griff und siegte überlegen in 23:17 min.
Über die Silbermedaille jubelte der M13-Schüler Max Dietrich von der LG Langgöns-Oberkleen. Der Vierte des letzten Jahres verbesserte sich um eine Minute auf 26:00 min. Dahinter setzte sich Daniele Dention (ALR-Laserverschleisstelle, 26:19 min) gegen Tim Fink (Dart Scorpions, 26:24 min) beim Duell um Bronze durch.

Mit Laurine Freitag von der LGV Marathon Gießen startete eine weitere Top-Marathonläuferin über die 6-km-Distanz. Sie klebte dem Männer-Sieger Janek Waldschmidt an den Fersen und stürmte bereits nach 23:38 min ins Ziel. Die weiteren Medaillen sicherten sich die vereinslosen Marieke Steenbeck (25:25 min) und Yara Steenbeck (26:53 min) vor Teresa Walter-Leitzgen (29:16 min).
Beim 19. Dünsberglauf sammelten die Läuferinnen und Läufer zum vierten Mal in dieser Saison Punkte für die zwölfteilige Laufserie um den Mittelhessen-Cup 2026. Für die Wertung dieser Laufserie werden die sechs besten Ergebnisse berücksichtigt.
Bereits am Pfingstmontag, dem 25. Mai, wir die Laufserie um den Mittelhessen-Cup 2026 in Krofdorf-Gleiberg mit dem 10-km-Lauf durch das Fohnbachtal fortgesetzt.
Titelbild: Auf dem Waldsportplatz Fellingshausen fällt der Startschuss zum 19. Dünsberglauf

