Laubacher Wald

Alte Buchen bringen neues Leben

Der Landkreis Gießen setzt sich für den Erhalt wertvoller Buchenbestände ein und sorgt dabei für praktischen Naturschutz: Mit Mitteln aus der Ausgleichsabgabe hat der Landkreis Buchen und andere Laubbäume im Laubacher Stadtwald gekauft.

Eigentlich würden die Bäume in nächster Zeit aufgrund ihres Alters gefällt und vermarktet. Nun bleiben sie stehen, dürfen bis zu ihrem natürlichen Zerfall weiterwachsen und sind so wertvoller Lebensraum für Tiere und Pflanzen, teilt die Pressestelle des Landkreises mit.

Ökosystem wird stabilisiert

Anlass für die Maßnahme war ein Antrag der Stadtwaldstiftung Laubach, dem der Landkreis Gießen nachgekommen ist und Geld für Naturschutzzwecke in Höhe von insgesamt rund 147.000 Euro eingesetzt hat.

„Dadurch tragen wir zur Stabilität der Buchenwald-Ökosysteme bei“, sagte Kreisnaturschutzdezernent Christian Zuckermann während eines Vor-Ort-Termins gemeinsam mit Laubachs Bürgermeister Matthias Meyer, der gleichzeitig Vorsitzender der Stadtwaldstiftung Laubach ist, und Dr. Markus Dietz, Gründer und Leiter des Instituts für Tierökologie und Naturbildung in Laubach-Gonterskirchen. Der Erhalt der Buchen helfe dabei, den guten Zustand der Flächen als Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu sichern, erklärte Zuckermann.

Die Bäume stehen in einem FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat), also einem besonders geschützten Areal. Da aber der Erhalt der Bäume über die dort schon bestehenden Schutzgebietsverpflichtungen hinaus geht, konnte das Projekt aus Mitteln der Ausgleichsabgabe realisiert werden.

Kein Holzeinschlag von alten Buchen

Die Bäume sind nun dauerhaft vom Holzeinschlag ausgenommen, bleiben sich selbst und den Tieren überlassen. Weitere Bäume, die aufgrund ihrer Beschaffenheit schon zuvor als Lebensstätte für bestimmte Tierarten festgestellt wurden, dürfen ebenfalls nicht gefällt werden – diese wurden jedoch nicht vom Landkreis gekauft, da sie nach den FFH Richtlinien des Laubacher Waldes ohnehin als Lebensstätte geschützt sind.

Buchen können sehr alt werden. Ein Beispiel aus  Mecklenburg-Vorpommern:  Das Alter  der Schäferbuche bei Neu Dobbin wird auf rund 300 Jahre geschätzt.  (Foto: Wikipedia,  Harke)

Die Stadtwaldstiftung Laubach freut sich über die Unterstützung des Landkreises, wie Matthias Meyer erklärte: „Mit diesem Projekt können wir einen Beitrag zum Erhalt des Waldes mit einem alten Baumbestand leisten.“ Die ökologische Funktion sowohl für heimische Arten als auch für den Wasserhaushalt verbessere sich, letzterer Punkt sei auch ein Beitrag für den wichtigen Hochwasserschutz. „Gleichzeitig handeln wir als Stadtwaldstiftung wirtschaftlich und bekommen den Ernteverzicht vergütet.“

Besondere Verantwortung für die Natur

Im Gegensatz zur Waldstillegung ist die Pflege und Erschließung der nachwachsenden Baumgeneration unter der Prämisse, den Altbestand nicht zu schädigen, ausdrücklich zulässig.

Ein Viertel des weltweiten Verbreitungsgebiets der Rotbuche liegt in Deutschland – davon ein Großteil in Hessen. Damit besteht eine besondere Verantwortung für den Erhalt naturnaher Buchenwälder. „Die Artenvielfalt der Buchenwald-Ökosysteme steigt mit dem Alter der Bestände und der Anzahl der sogenannten Naturwaldstrukturen“, erklärt Fachmann Dr. Markus Dietz: „Dazu gehörten zum Beispiel Baumhöhlen, Spalten oder stehendes Totholz.“

Auch der Feuersalamander wird durch die Maßnahme geschützt. (Foto: Wikipedia, Michael Linnenbach)

Die Stadtwaldstiftung Laubach hat in den vergangenen Jahren bereits viele Schritte unternommen, um den Holzeinschlag in den alten Laubmischwäldern im FFH-Gebiet und dem Vogelschutz-Teilgebiet „Laubacher Wald“ einzuschränken. Stattdessen sind geschützte Flächen entstanden, für die es Ökopunkte gibt – diese wiederum rechnen sich für die Stiftung auch wirtschaftlich. „Mit Naturschutz kann man im Wald Geld erwirtschaften, wobei wir auch weiterhin heimisches Holz als ökologisch vorteilhaften Rohstoff zur Verfügung stellen – zum Beispiel für das Furnierwerk in Laubach“, erklärte Matthias Meyer.

Feuersalamander nachgewiesen

Die erste Fläche bei Laubach-Friedrichshütte umfasst circa 3,7 Hektar und bietet unter anderem Brutstätten für Schwarzspecht, Grauspecht und Hohltaube. Mehr als zehn Fledermausarten wurden hier nachgewiesen, außerdem der Feuersalamander.

Die zweite Fläche befindet sich bei Laubach-Freienseen, umfasst circa 4,1 Hektar und bietet Lebensraum für Schwarzspecht, Hohltaube und Dohle. Der bedrohte Hirschkäfer lebt hier, ebenso die Bechsteinfledermaus. Weitere Fledermausarten wie die Brandtfledermaus, der Abendsegler, der Kleinabendsegler sowie die Zwergfledermaus wurden nachgewiesen.

Titelbild: (v.l.n.r.) Dr. Markus Dietz vom Institut für Tierökologie und Naturbildung, Laubachs Bürgermeister Matthias Meyer, gleichzeitig Vorsitzender der Stadtwaldstiftung Laubach und Christian Zuckermann, Umweltdezernent des Landkreises Gießen, besichtigen gemeinsam die Fläche in Laubach-Friedrichshütte. (Foto: Landkreis Gießen)

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