Kleine Bühne Gambach

Das Drama des Heidenpeter

Räuberbanden waren von 1790 bis 1815 in Wetterau und Vogelsberg munter ihr Werk. Das taten sie „jenseits aller Robin-Hood-Romatik“ skrupellos nur um sich selbst zu bereichern, wie Johannes Schütz betont. Mit der Kleinen Bühne Gambach will er das Schicksal der Ganoven jener Zeit auf die Bühne bringen. Für viele endete ihr Treiben mit dem Tod: Enthauptet, Gehenkt oder aufs Rad geflochten. Peter Görzel, genannt Heidenpeter, war einer davon. Sein Schicksal soll im Zentrum des Stückes stehen, das am 6. April 2019 im Gambacher Bürgerhaus vorgestellt wird.

Ein Herz für Außenseiter

Schütz, Geschichtslehrer im Ruhestand, beschäftigt sich schon lange mit Außenseitern und Benachteiligten vergangener Jahrhunderte. Vor einem Jahr hat der mit der kleinen Bühne recht erfolgreich die Geschichte der „Ratzkatrein“ aufgeführt. Die Gambacherin Catarin Ratz war vor 300 Jahren als Hexe verbrannt worden.

Johannes Schütz. (Foto: Rieb)

Nun also die Räuber Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts. Vor 15 Jahren schon hat Schütz begonnen, sich mit den Banden jener Zeit in Wetterau und Vogelsberg zu befassen. Aufzeichnungen von drei Untersuchungsrichtern aus jener Zeit waren ihm in die Hände gekommen: Grolman in Gießen, Bril in Darmstadt und Pfister in Heidelberg. Die hatten akribisch Buch geführt über die Räuber, die sie erwischen konnten. Sie schrieben die Biografien der Ganoven nieder, listeten ihre Taten detailliert auf, stellten Porträts in Bild und Wort dazu und schließlich die Strafen, die sie gegen sie verhängten.

Räuberbanden hatten damals Konjunktur. Nach vielen Kriegen war die Armut unendlich groß. „Die Kluft zwischen Arm und Reich ging immer weiter auseinander“, berichtet Schütz. Die Räuber seien die „Ärmsten der Armen“ gewesen. Ihre Opfer seien nicht etwa die ganz Reichen gewesen, denn die konnten sich gut schützen, sondern die städtische und ländliche Mittelschicht, sagt Schütz. Den Ganoven sei es nur darum gegangen, sich selbst zu bereichern. Von Sozialromantik keine Spur. Die Banden, eher lose Zusammenschlüsse, seien gut organisiert gewesen, mit eigenen Geheimzeichen, die zum Beispiel sichere Unterkünfte anzeigten oder vor Gefahr warnten, und eigener Sprache, Jenische oder Rotwelsch genannt, in der „baldowern“ für auskundschaften steht, „pumpen“ für leihen, borgen, oder „die Platte putzen“ für verschwinden/fliehen.

Eine Hinrichtung.

Die Räuberjagd

Durch die vielen Kleinstaaten, die es damals gab, war die Verfolgung der Banden schwierig. Die flüchteten in einen anderen Staat und waren sicher. Um das zu unterbinden, gab es 1801 den Wetzlarer Kongress. Vertreter der Kleinstaaten berieten dort, wie sie die Räuber grenzübergreifend verfolgen konnten, wie ihre Polizei und ihre Justiz zusammenarbeiten konnte, berichtet Schütz. Nun ging des den Gaunern an den Kragen, wie auch die Aufzeichnungen der drei Untersuchungsrichter zeigen. Gleich acht Räuber wurden in den Jahren 1812/13 in Gießen mit dem Schwert hingerichtet.

Peter Görzel alias Heidenpeter wurde drei Jahre nachdem er sich zur Ruhe gesetzt hatte, ergriffen. Er war inzwischen mit einer Frau aus Kransberg verheiratet, hatte Kinder und betrieb einen Handel mit Bändern. Ihm wurden Verbrechen in 45 Orten angelastet, darunter Münzenberg, Ober-Hörgern, Dorf Güll, Bettenhausen, Rockenberg und Lich bis Gedern und Wilhelmsbad. Um Räuber verurteilen zu können, sei ein Geständnis nötig gewesen, berichtet Schütz. Statt der Folter – geprügelt wurde zwar noch – sei inzwischen psychischer Druck getreten. Als Frau und Kinder den Heidenpeter im Gefängnis besuchten, habe Richter Grolman einen Ansatz gefunden. Über den „Schwachpunkt Familie“ gelang es ihm den Heidenpeter, der bis dahin standhaft geschwiegen hatte, zu einem Geständnis zu erpressen. Der Heidenpeter wurde hingerichtet. Sein Kumpan, der Schotenheinrich, der mindestens so viel auf dem Kerbholz hatte, aber kein Wort aussagte, wurde begnadigt.

Der Vorhang fällt

Das Stück wird im Gefängnis in Gießen spielen. Dazu wird die Bühne des Gambacher Bürgerhauses zu einem U-förmigen Gefängnistrakt in dessen Mitte die Verhöre geführt werden. Die Geschichte Heidenpeters wird als Traumsequenzen dargestellt, die als Film auf einem Vorhang über der Bühne projiziert werden. Wie schon in der „Ratzkatrein“ werden Vorhang ein zentrales Element des Bühnenbildes sein. „Ich will wieder mit Vorhängen abdecken, mit Licht sichtbar machen und Grenzen öffnen“, sagt Schütz.

Bei der Vorstellung des Stücks am 6. April werden auch Darsteller gesucht. Gut 20 Leute soll das Ensemble umfassen. Zu Beginn der Veranstaltung wird den Besuchern zur Begrüßung Suppe serviert, dazu gibt es Brot und Apfelwein, kündigt Schütz an. Danach will er in das Stück einführen. Richter Grolman und der Heidenpeter werden dabei Auftritte haben, bei denen sie ihre Geschichte erzählen. Auch von dem Verbrechen in Ober-Hörgern wird die Rede sein. Die Aufführung des Stücks über die Räuberbanden in Wetterau und Vogelsberg ist für Ende Oktober, Anfang November dieses Jahres geplant.

Vorstellung des geplanten Schauspiels über den Heidenpeter, Samstag, 6. April, 19.30 Uhr, Bürgerhaus, Bürgerplatz, Münzenberg-Gambach.

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