„Ich bin eher der Waldmeister-Fan“
Von Klaus Nissen
Was tut sich gerade in der Gemeinde oder der Stadt? Die Bürgermeister wissen es – verstecken die Informationen aber in den „Amtlichen Mitteilungen“ oder in den letzten Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“. In Karben läuft es anders. Da ist der Bürgermeister-Talk ist zurück. Nach dreimonatiger Pause kann man das Online-Format ab Ende Februar 2026 wieder auf Youtube, Facebook und Instagram ansehen. Der Look hat sich verändert, die Inhalte bleiben: Guido Rahn erzählt ganz schnell, was sich in der Stadt gerade tut.Einmal im Monat geht das Rathaus auf Sendung
Einmal im Monat geht das Rathaus-Fernsehen auf Sendung. Erstmals kommt es nun wirklich von dort. Bis vorigen November hatten Verwaltungschef Guido Rahn und sein Pressesprecher Dominik Rinkart stets aus der Stadtbücherei im Livestream getalkt.

Nun produzieren die Karbener ihre Info-Sendung vorab. „Wir wollen sie auf ein professionelles Level heben“, sagt die neue Moderatorin Désiree Stobbe. Sie hat vor ihrem Antritt als Stadt-Sprecherin eine Zeitlang bei RTL gearbeitet. Und somit Fernseh-Erfahrung. Die Sendungen werden ordentlich geschnitten. Und mit mindestens fünf Einspielfilmen angereichert. Stobbe filmt vor Ort, worüber gesprochen wird – beispielsweise die neue Kita und Feuerwache von Petterweil. Im „Voice over“-Stil läuft dazu das Audio mit den Erläuterungen des Bürgermeisters.
Zugriff über Youtube, Facebook und Instagram
Das Interesse für die digitale Bürgersprechstunde ist relativ groß. Auf Youtube verfolgten etliche Karbener den Live-Stream. Als Konserve haben die gut einstündigen Bürgermeister-Talks um die 300 Zugriffe. Auf Facebook sammelten sich unter der Ankündigung des neuen Talks binnen kurzer Zeit 28 Kommentare und Bürger-Fragen. „Insgesamt habe ich gut 70 Fragen beisammen“, sagt Désiree Stobbe kurz vor der ersten Aufzeichnung unter ihrer Moderation am vorigen Donnerstag. Der Zeitungsreporter darf und soll Mäuschen spielen – auch, um die Reichweite zu vergrößern.

Gedreht wird am frühen Abend im ersten Stock des Rathauses, nachdem das tägliche Grundrauschen erstorben ist. Der breite Flur vor dem Magistratszimmer wurde im vorigen Jahr grundrenoviert. Jetzt stehen da zwei Ohrensessel auf dem neuen Teppich. Dazwischen ein Tischlein mit bunten Blumen – die wegen der Tulpen-Allergie des Bürgermeisters dann leider doch nicht ins Bild kommen. Im Hintergrund stehen gefältelt die Banner der Europäischen Union, der Bundesrepublik, des Wetteraukreises und der Stadt.
Ein bisschen nervös wirken Rahn und Stobbe schon, als sie in den Sesseln Platz nehmen. Es ist halt eine Premiere. „Sollen die Beine mit aufs Bild?“ fragt die Moderatorin das Aufnahmeteam. Simon Taphorn denkt kurz nach. „Ich denke schon, sagt er dann. „Ich würde sie über Kreuz nehmen.“ Simon Taphorn und Tim Wanner sind Oberstufenschüler, die im Jukuz den Umgang mit Video und Audio gelernt haben. Für die Aufnahme bekommen sie ein kleines Honorar. Sie helfen beim Befestigen der kleinen Mikros an der Kleidung, justieren die beiden Kameras.
Nur die erste Frage ist irrelevant
Und dann geht es los. „Ich bin Karbenerin seit 30 Jahren“, stellt sich Désiree Stobbe vor. „Jetzt darf ich diesen wunderbaren Talk leiten.“ Und liest die erste Frage an den Bürgermeister vor. Sie stammt vom Betreiber der Groß-Karbener Eisdiele: „Welche Sorte Eis isst Du am liebsten?“ „Ich bin eher der Waldmeister-Fan“, gibt Guido Rahn zurück. Und ist dann sichtlich erleichtert, als er „richtige“ Antworten geben kann auf all die ernsthaften Fragen zur Entwicklung der Stadt.
Was hat sie mit dem Conti-Gelände vor? Damit könne man die 240 dort noch vorhandenen Aumovio-Arbeitsplätze retten, sagt Guido Rahn. Andere Firmen hätten schon gefragt, ob sie Platz auf dem Zwölf-Hektar-Areal des bisherigen Continental-Werks finden können. Zum 1. Juli will die Stadt das Gelände kaufen.

Der neue Bike-Park bei Okarben findet ein riesiges Echo bei Jugendlichen, berichtet Rahn. Er bekommt dieses Jahr weitere Elemente – und einen Kiosk.
Warum strebt Karben vor Gericht den Status eines Mittelzentrums an? Den hat sie mit 8000 Arbeitsplätzen, Hallenbad, Bücherei und viel Infrastruktur verdient, meint der Bürgermeister. Als Mittelzentrum bekomme Karben jährlich vier Millionen mehr als bisher. Doch bis das Urteil kommt, dauere es wohl Jahre.
Weiter geht der Fragen-Marathon. Wann kann man die künftigen Wohnungen im Brunnenquartier und den Petterweiler Fuchslöchern kaufen oder mieten? Warum werden an der Nidda Bäume gefällt? Wann beginnt der Bau der Sporthalle am Groß-Karbener Bahnhof? Für die Antworten muss Rahn nicht auf den Zettel gucken. Er redet schnell, und die Moderatorin verfällt ins selbe Tempo. Man könnte im Interesse der Verständlichkeit die Wiedergabe ein wenig drosseln. Das kriegen Tim und Simon schon hin.
Der Bürgermeister-Talk wird fortan monatlich um den 20. auf Youtube, Facebook und Instagram gestellt. Man findet ihn per Schlagwortsuche und mit dem Hashtag #unserKarben – der Bürgermeistertalk.
Bildtexte:
Einen regelmäßigen Podcast mit dem Bürgermeister gibt es übrigens nicht nur in Karben, sondern auch aus der Hauptstadt der Wetterau, aus Friedberg:
https://friedberg-hessen.de/index_main.php?unid=3497&websiteid=normal
Tolle Sache, da sollte jede Gemeinde drüber nachdenken. Damit kann man auch Leute abholen, die nicht jeden Tag die Regionalzeitung lesen.