Deutscher Mühlentag

Modelle in Dauernheim

Von Corinna Willführ

In der „Erlebniswelt Mühlen“ in Ranstadt-Dauernheim können am Deutschen Mühlentag, 6. Juni 2022, 50 maßstabgerechte Mühlenmodelle besichtigt werden. 35 der Nachbauten sind funktionstüchtig.

Seit 1994 ist der Pfingstmontag, in diesem Jahr der 6. Juni, ein fester Termin für alle Mühlenfreunde. Denn seitdem geben zu der bundesweiten Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM) Besitzer oder Betreiber der vorindustriellen Produktionsstätten Einblick in deren einstige Arbeitsweise oder zeigen, wie sich heute in den historischen Gebäuden leben lässt. Wenn auch die „Erlebniswelt Mühlen“ in Ranstadt-Dauernheim im Wetteraukreis nicht in einem „Original“ untergebracht ist, die dort ausgestellten Modelle sind sehenswert.

Die Modelle sind alle selbst gebaut

„Das besondere an unserer Ausstellung ist, dass alle Modelle selbst gebaut wurden und man an diesen deren einstige Arbeitsweise erkennen kann“, betonen Siegfried Urban und Roland Faber vom Kulturverein Dauernheim. Per Knopfdruck schaltet Siegfried Urban die Mühlen-Straße in Gang. Die in mehr als dreijähriger Bauzeit und 2800 Arbeitsstunden erstellte Miniaturausgabe einer Getreidemühle „beinhaltet“ 23 Stationen und hat 28 Elektroantriebe. Nur einige davon: Zunächst ist da der Einfülltrichter für das Korn. Doch es braucht auch die Transportschnecke und das Becherwerk bis am Ende unter dem Rundsieb Mehl herauskommt. Und das tut es. „Ein solch funktionierendes Modell gibt es, soweit wir wissen, in Europa nicht mehr.“ Gebaut hat es Roland Schäfer aus Lißberg, einem Stadtteil von Ortenberg, in Nachbarschaft der Gemeinde.

Siegfried Urban setzt das Prachtstück der Erlebniswelt Mühlen in Gang: die Mühlen-Straße. (Fotos: Corinna Willführ)

Seit vielen Jahren dokumentieren die rührigen Mitglieder des Kulturvereins Dauernheim 2500 Jahre Mühlengeschichte in Nachbauten. Zu verdanken ist dieses ehrenamtliche Engagement bis heute Robert Adam, einem passionierten Mühlenfan. Zunächst in der Weidgasse 12 haben die Präzisionswerke en miniature heute ihr Domizil mitten im Dorf in einem ehemaligen Kuhstall von Roland Faber am „Kreuz“. Die vielen Arbeitsstunden, die der Vorsitzende des Kulturvereins und seine Mitstreiter in die einst landwirtschaftlich genutzten Räume gesteckt haben, haben sich gelohnt. Auch wenn die Modelle eng an eng stehen und einen disziplinierten Rundgang erwarten. Bei dem es durchaus auch lauter werden kann (selbst, wenn die Nachbauten elektrisch betrieben werden). Schließlich ging die Herstellung von Mehl, Öl oder Papier nicht geräuschlos vonstatten, von der Geräuschentwicklung einer Hammerschmiede ganz zu schweigen. Selbst an einer Windmühle ging es nicht leise zu.

Eine Galerie mit historischen Fotos zeigt, wie aufwendig einst der Weg „Vom Brot zum Korn“ war.

Bewegt mit den Kräften der Natur

Was die Mühlen, die allesamt, egal welche Funktion sie hatten, benötigten, waren die Kräfte der Natur: also Wind oder Wasser. Neue Technologien ersetzten mit der Zeit die zuvor ebenfalls benötige Muskelkraft von Tier und Mensch. Gut nachvollziehbar, welche Erleichterungen diese mit sich brachten, wenn ein einhundert Kilo schwerer Mehlsack nicht mehr getragen werden musste. „Ich kann mich da noch dran erinnern“, sagt Roland Faber, „dass die Säcke von der Dreschmaschine auf den Dachboden transportiert werden mussten.

Roland Faber, Vorsitzender des Kulturvereins Dauernheim (links), und Siegfried Urban freuen sich über Besucher der Ausstellung.

Die Fotogalerie „Vom Korn zum Brot“ sei besonders bei älteren Menschen ein beliebter Halt in der Ausstellung. „Weil sie noch erlebt haben, wie die Garben auf dem Feld zum Trocken aufgestellt wurden.“ Auf einer Liste zu sehen sind auch die Namen der Betreiber der 1350 erstmals erwähnten Dauernheimer Mühle. Und Auskunft über rund 500 Mühlen, die einst längs der Nidda und ihrer Zuflüsse standen, gibt das Mühlenkataster, das am Eingang ausliegt. Herausgegeben wurde das „Register der Mühlen im Einzugsgebiet der Nidda“ in 2007 vom Kulturverein Dauernheim. Über ein Jahrzehnt haben die Mitglieder der Vereinigung für Heimatforschung in Vogelsberg, Kinzigtal und Wetterau mit tatkräftiger Unterstützung von rund 360 Helferinnen und Helfern dieses Standartwerk für die Stätten frühindustrieller Produktion in der Region erarbeitet.

Ein „Klassiker“ in romantischen Vorstellungen: die Windmühle.

Am Pfingstmontag, 6. Juni 2022, ist die Erlebniswelt Mühlen (Ortsmitte, gut ausgeschildert) von 14 bis 17 Uhr geöffnet (Zugang barrierefrei). Weitere Termine sind am Donnerstag, 16. Juni, und zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 11. September. Außerdem ist ein Besuch bis Oktober an jedem ersten Sonntag im Monat möglich. Führungen können darüber hinaus bei Siegfried Urban unter 06035/2690 oder per E-Mail: surbankv@gmx.net vereinbart werden. Das Schwalheimer Rad und die Windmühle (noch ohne Flügel) an den Gradierbauten in Bad Nauheim sind weitere Anziehungspunkte des Deutschen Mühlentags 2022 in der Wetterau – beide im Original.

Titelbild: Ein Modell des Schwalheimer Rades, ein Wasserrad im Bad Nauheimer Ortsteil Schwalheim.

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