Denkmal

Seltsame Steine am Weg

von Bruno Rieb

Rund um die Ruine der Münzenburg stehen an Wegen seltsame Steine. Die einen wirken wie zu hohe Sitzbänke. Es sind „Korbruhen“, verrät die Denkmaltopografie. Sie stammen aus Zeiten, als man sich vor allem zu Fuß fortbewegte und schwere Lasten in Körben auf dem Rücken trug. Ein anderer Stein, der noch rätselhafter ist, droht Strafe beim Durchtrieb von Vieh und bei Reiten an.

Die Korbruhen

Die Ruheplätze für Körbe sind Bänke aus Sandstein. Meist sind es zwei in unterschiedlicher Höhe. Sie wurden dereinst strategisch geschickt dort hingestellt, wo sich Wege kreuzen, also auch viele Menschen zusammentreffen. „Korbruhen dienten den Bauern als Raststätte auf dem Weg zwischen Hof und Feldlage. Auf Münzenberger Gemarkung sind drei dieser sandsteinernen Bänke erhalten“, berichtet die „Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale Hessen, Wetteraukreis II – Friedberg bis Wöllstadt“, wie das Werk offiziell heißt. Wie alt diese Bänke sind, wird in dem dicken Buch leider nicht verraten.

An der Straße von Münzenberg nach Wohnbach und an der Straße nach Rockenberg sind es jeweils Doppelbänke. Am Feldweg südwestlich der Burg in Richtung Rockenberg ist es eine einfache Bank.

Die Korbruhe an der Straße zwischen Münzenberg und Wohnbach. (Fotos: Rieb)
Die Korbruhe an der Straße zwischen Münzenberg und Rockenberg.
Die Korbruhe an der Feldwegkreuzung südwestlich der Burg Richtung Rockenberg.

Ein Stein verbietet Viehtrieb und Reiten

Rätselhafter als diese Bänke ist ein hoher Sandstein weiter entfernt von der Burg im Tal nach Wölfersheim hin. „Dieser Weeg ist zum Durchtrieb mit Vieh bei … und zum Reuten bei … Strafe verboten“, ist darauf gemeißelt. Die Höhe der Strafen ist nicht mehr zu entziffern. Auch dieser Stein ist den Denkmalschützern nicht entgangen. Er steht offenbar auf Rockenberger Gemarkung, jedenfalls ist er dort in der Denkmaltopografie „Wetteraukreis II – Friedberg bis Wöllstadt“ verzeichnet. Er ist „östlich von Rockenberg am sogenannten ‚Judenpfad‘ aufgestellt, einer historischen Wegeverbindung zwischen Münzenberg und Friedberg“, steht dort. Mehr leider nicht.

Der rätselhafte Stein unweit der Münzenburg .

Im Mittelalter wurde der Pfad von Juden genutzt, um zu den großen Märkten in Friedberg und in Münzenberg zu gelangen. In den beiden Städten gab es recht große jüdische Gemeinden. Juden waren damals viele Berufe verboten. Sie durften den Zünften nicht angehören, konnten also keine Handwerker werden. Läden durften sie oft auch nicht betreiben. So wurden viele Juden zu fahrenden Händlern. Durch den Verkauf von Alltagsgegenständen und Vieh verdienten sie ihren Lebensunterhalt. Von unserem Stein auf führte der Pfad durch den Wald auf die Oppershofener Seite. Dort steht ein ganz ähnlicher Stein, ist einer Internetseite mit Bad Nauheimer Wanderwegen zu entnehmen. Auf diesem Stein steht ein gleichlautender Text, auch hier ist die Höhe der Strafen nicht mehr zu lesen. Vielleicht sind die Beträge immer wieder geändert worden. Von diesem Stein ist laut den Bad Nauheimer Wanderern bekannt, dass er 1806, zu der Zeit der Besetzung durch die Truppen Napoleons, aufgestellt wurde. Er wird Dreyfus-Stein genannt, weil der verantwortliche Offizier Dreyfus hieß. Wahrscheinlich sei der Weg damals zum Viehschmuggel benutzt worden.

Der Verbotsstein steht im Hammelshäuser Graben vor dem Wald zwischen Münzenberg und Wölfersheim nahe den Heide Höfen.

wandern-bad-nauheim.de

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