Coronessen

Einfach loskochen

Corona wirkt sich seit Monaten auf fast alle Bereiche unseres Lebens aus. Der Neue Landbote hat sie seit März 2020 beschrieben. Im Januar 2021 beleuchtet nun eine Serie den Einfluss der Epidemie auf unsere Ernährung. Gekocht und gegessen wird fast nur noch zu Hause. Wir führen hier ein sehr subjektives Tagebuch über den Einkauf, die Kosten und das mehr oder weniger gelungene Selfmade-Essen. Und freuen uns sehr über manierliche Kommentare und Beiträge unserer Leserinnen und Leser. In der zweiten Folge geht es um spontane Speisen.

Coronessen – In den Topf kommt, was da ist

In der Pandemie ist es nicht ratsam, alle Tage den Supermarkt zu besuchen. Da treiben sich zu viele Leute herum. Wer das kapiert hat, entwickelt leicht den Ehrgeiz, so selten wie möglich Nachschub einzukaufen. Dann eben mehr als in normalen Zeiten.

Das neue Jahr fing eher bitter an. Fotos: Nissen

Das hat Auswirkungen auf die Ernährung. Entweder plane ich die Menüs der nächsten Woche inklusive Zutatenliste vor, kaufe entsprechend ein und koche dann exakt das, was ich mir ausgedacht habe. Oder ich komme nicht dazu und kaufe ein, weil es gerade passt und irgendein Lebensmittel gerade fehlt.

So ein notwendiger Spontankauf ließ mich am 5. Januar zum ersten Mal seit Neujahr den Supermarkt betreten. Die Milch war alle. Am Ende verließ ich den Markt mit zehn Produkten, die mich zusammen 14,03 Euro kosteten.

Kochen nach dem Schubladen-Prinzip

Wer so einkauft, muss beim Kochen kreativ sein. Denn die meisten Rezepte aus Chefkoch.de und dem Großen Buch der guten Küche verlangen Zutaten, die gerade nicht im Hause sind. Kapern beispielsweise oder Ingwer. Stattdessen wird genommen, was gerade da ist. Und nie weißt du genau, was dabei herauskommt.

In diesem Fall Kuskus mit Chicoree. Der nordafrikanische Hartweizengrieß ist gerade in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Und ich frage mich, wie das sein kann. Denn die weißgelben Körnchen sind durchaus greifbar. Und ziemlich lange haltbar, wenn man sie in einem festen Behälter mottensicher einschließt. Der Rest in der Dose reichte gerade für zwei Leute. Und ist super-einfach zubereitet: Man übergießt den Kuskus mit kochendem Wasser und wartet, bis die Körnchenaufgequollen sind.

Dazu dünstete und briet ich dann in Butter vier Chicoree-Kerzen, die ich spontan aus dem Gemüseregal geklaubt hatte. Obwohl sie mir meistens nicht schmecken, weil sie in der Regel bitter sind. Und, wenn sie ohne Zucker oder sonstwie falsch behandelt werden, auch bleiben. Am Ende stand ein Mahl, das nicht besonders mundete.

Milchreis mit Kichererbsen ist da schon leckerer.

Es kommen auch mal bessere Tage. Später später fiel mir der restliche Milchreis in die Hände, ein Mitbringsel vom letzten Italien-Urlaub in der Po-Ebene. Auch dies ist babyeinfach: Eine Tasse Reis pro Person in den Topf, genauso viel Wasser hinzu und das ganze verkochen lassen. Die Schubladen-Razzia förderte auch eine Tüte schwarzer Kichererbsen vergessenen Ursprungs zutage. Die sind quasi unbegrenzt haltbar – und angenehm knusprig und sättigend, wenn man sie schon am Vorabend in Wasser legt. Beim Kochen sind zwar einige Kichererbsen versehentlich verkohlt, doch die restlichen blieben trotzdem frei von Röst- und Bitteraromen. Zusammen mit dem aufgewärmten Rest der Bolognese-Sauce von gestern und einigen Löffeln Creme Fraiche ergab das ein leckeres Gericht, das so wohl noch nie kreiert wurde.

Und morgen? Mal sehn. In der Schublade liegen noch konservierte Bambusscheiben, grüne Oliven und eine Dose Kokosmilch.

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