Coronaleugner

Eine Art Parallelwelt

In Bad Nauheim versammeln sich Gegner der Corona-Maßnahmen zu sogenannten „Montagsspaziergängen“. Der Förderverein für Jugendkultur und -arbeit der Kurstadt beobachtet diese Aufmärsche „mit wachsender Sorge“. Er spricht von „Ansammlungen von verschiedensten Menschen mit meist fragwürdigen Überzeugungen, welche in einer Art Parallelwelt zu leben scheinen“. Es werde „da nicht gegen Corona protestiert, sondern gegen die Maßnahmen, die dafür sorgen sollen, dass diese Pandemie beendet werden könnte“.

„Rechtsextreme instrumentalisieren diese vermeintlich harmlose Tätigkeit des Spazierens, um sich mit dieser Strategie in die Mitte der Gesellschaft zu begeben. Dadurch wollen sie rechtsextreme Forderungen normalisieren und Demokratiezweifel säen, geben sich dabei aber stets als Opfer oder Märtyrer. Die Grundlage der gestellten Forderungen ist dabei so absurd wie sie gefährlicher kaum sein kann“, schreibt der Förderverein für Jugendkultur und -arbeit in seiner Stellungnahme. Es dürfe nicht vergessen werden, dass dieselbe politische Bewegung andernorts bereits Journalisten, Politiker, Wissenschaftler und aktive Menschen aus der Zivilgesellschaft regelmäßig bedrohe, bei Demonstrationen angreife und anderweitig einschüchtere. „Wir sind Teil einer aktiven Zivilgesellschaft und wollen solche Zustände nicht für Bad Nauheim, da wir der festen Überzeugung sind, dass Verschwörungstheorien sowie Wissenschafts- und Demokratiefeindlichkeit hier nichts zu suchen haben“, erklärt der Förderverein.

Fern der Tradition Bad Nauheims

Schon vor der Pandemie habe der Verein für Veranstaltungen Sicherheitspersonal engagieren müssen, um sich vor rechten Aktionen auf seinen Veranstaltungen schützen zu können. „Jetzt, wo wir keine Veranstaltungen mehr machen können, sind es eben diese Rechtsideologen, die dafür sorgen, dass das Pandemiegeschehen nicht eingedämmt werden kann. Auf Kosten aller, ohne Rücksicht und ohne jede Form der Solidarität gefährden diese Personen nicht nur andere Menschen, sondern auch Demokratie und Kultur. Wir verstehen nicht, wie Bad Nauheimerinnen und Bad Nauheimer sich einer Bewegung anschließen können, die ferner der medizinischen Historie dieser Stadt nicht sein könnte. Große Männer und Frauen haben diese Stadt zu dem gemacht was sie heute ist – unter anderem durch neue medizinische Erkenntnisse und gute wissenschaftliche Praxis. Aus dieser Wissenschaft wurde dann unsere heutige Kultur; beides wird nun von Wissenschaftsfeinden und Verschwörungsgläubigen angegriffen“, schreibt der Verein.

Theater, Konzerte, Kunstausstellungen, Lesungen, Kino, Straßenfeste und vieles mehr wolle der Förderverein zurück. Aber all das habe schon immer nur dann funktioniert, wenn alle gemeinsam und solidarisch daran mitwirken konnten. „Wir wollen uns gegen jene wehren, die unsolidarisch sind, uns spalten wollen und dabei sich selbst auch noch als Opfer stilisieren. Wir als Bad Nauheimer Verein haben nicht nur eine demokratische Verpflichtung, sondern stehen auch gerne in der wissenschaftsorientierten Tradition dieser Stadt“, schreibt der Förderverein. Er hofft darauf, dass sich die Bürger Bad Nauheims nicht von rechtsextremen Strategien blenden lassen und „dass unsere Zivilgesellschaft sich in der Öffentlichkeit, aber auch im Privaten, entschieden gegen getarnten Hass, verharmloste Hetze und gefährliche Verschwörungstheorien stellen wird“.

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