Comic-helden

Renaissance von Tibor, Sigurd und Falk

Von Jörg-Peter Schmidt

Ob an den Kiosken oder Zeitschriftengeschäften in Frankfurt/Main, Bad Nauheim,  Bad Vilbel, Gießen, Marburg oder Lauterbach: Die kleinen Hefte im Querformat waren in den 1950er und 1960er Jahren für ein paar Groschen erhältlich; heute haben die Originale dieser Piccolo-Serien Sammlerwerte. Gemeint sind die Geschichten, die der Comiczeichner Hansrudi Wäscher vorwiegend im Lehning-Verlag  schuf.  Der Verlag Hopf in Minden (Nordrhein-Westfalen) leistet nun einen Beitrag zur Renaissance der  Storys um Tibor, Nick, Falk, Sigurd, den Piloten Bob und Ben sowie dem Abenteuer Roy Stark.

Alle diese Helden wurden von Hansrudi Wäscher (1928 – 2016) gezeichnet. Wie der Verlagsleiter Peter Hopf auf Anfrage dem „Landboten“ berichtete, werden von einem Autorenteam die Inhalte der Storys beispielsweise um den Ritter Sigurd, den Raumfahrer Nick oder den Dschungelhelden Tibor in Romane verwandelt. „Der Charakter der Geschichten bleibt aber erhalten“, wie Hopf versichert.

Er hat heute noch viele Fans: Der Zeichner Hansrudi Wäscher (Foto: Wikipedia, Qwertzu111111)

Übrigens gibt es heute nicht nur Fans im reifen Alter von Hansrudi Wäscher, dessen Hefte  auch in Großbandformat herausbracht wurden. Nostalgiker im reiferen Alter werden sich an die Piccolos in ihrer Jugendzeit  noch erinnern, die auch mit schmalem Taschengeld erschwinglich waren. Aber heute begeistern sich auch junge Sammler für die Bilder und Storys Wäschers, der in St. Gallen in der Schweiz geboren wurde, aber Deutscher wurde und ab 1940 in der Bundesrepublik lebte, zunächst mit seinen Eltern in Hannover. Dort studierte er an der Werkkunstschule und ebnete so seinen späteren Weg als Zeichner.

Zeichner beging Wagnis

Der Hannoveraner beging ein Wagnis, als er beispielsweise seinen Weltall-Helden Nick und Falk (einen weiteren Ritter) auf den Markt brachte. Denn was Abenteuer-Geschichten betrug, begeisterten sich deutsche Comicfans bis dahin vornehmlich für Serien aus den USA:  Superman, Die FantastischenVier oder  Spider-Man. Sogar Prinz Eisenherz war eine Reihe aus den USA. Dennoch eroberten die Piccolos nach und nach die Herzen der Comicfans und erreichten  eine Auflage von mehreren hunderttausend Exemplaren.

Aus den Piccolos werden Romane. (© Hansrudi Wäscher/becker-illustrators)

Packende Storys

Nick besiegte auf fremden Planeten außerirdische und gefährliche Kreaturen und Sigurd bestand als Ritter so manche  Kämpfe mit dem Schwert. Vielleicht mag sich ja der eine oder andere Fan schon damals gewünscht haben, dass diese packenden Geschichten, die in den Piccolo-Heften nur wenige Seiten einnahmen,  in Romane umgemünzt würden, so dass man beim Lesen der Romane seiner Fantasie freien Lauf lassen kann und sich das Aussehen von Land und Leuten der Storys selbst vorstellen kann. 

Bekannte Autoren gewonnen

Genau an dieser Stelle setzt der Verlag an: Aus Piccolos werden Romane; die Bilder hat der Leser im Kopf. Zu dem Autorenteam hierfür gehören unter anderem Hubert Haensel, der einer der Stamm-Schriftsteller der Science-Fiction-Serie „Perry Rhodan“ ist, und der 2018 leider viel zu früh verstorbene Achim Mehnert, der ebenfalls zur Rhodan-Serie beitrug. 

Science-Fiction in Neuauflage

Apropos Zukunftsromane: Auch für dieses Metier hat sich das Verlagsteam in Minden etwas einfallen lassen: Es druckt in schicken, neuen Ausgaben Science-Fiction-Klassiker nach. Peter Hopf : „Wir haben, bevor wir loslegen konnten, bei Angehörigen verstorbener Autoren erst mal die Rechte sichern müssen, was auch geklappt hat.“ So sind Werke von Hanns Kneifel, der vor seiner Perry-Rhodan- und Raumschiff-Orion-Zeit, beispielsweise für die Reihe „‚Terra“ (Moewig-Verlag) schrieb, bei Hopf neu aufgelegt worden. 

Wer ist Mensch, wer Androide?

Zwei Beispiele ehemaliger „Terra“-Hefte:  Kneifel schrieb 1962 „Das Logbuch der Silberkugel“:  „Auf einem abgelegenen Planeten verrottet ein Raumschiff, das für die Bewohner nicht mehr ist als ein Relikt der Vergangenheit. Bis eines Tages ein junger Geschichtsstudent durch einen Zufall an Bord das Logbuch entdeckt und damit die bewegte Geschichte seiner eigenen Herkunft erfährt, die ihn durch die Jahrtausende und drei Sternensysteme führt.“  1964 erschien  Kneifels Roman “Attentat im  Hyperraum“: Wer ist noch Mensch, wer bereits eine androidische Kopie? Die beiden Romane sind jetzt bei Hopf  in einer Doppelausgabe neu erschienen. Auch bekannte „Perry-Rhodan-Autoren wie Hubert Hansel und Uwe Anton konnten für Roman-Neuauflagen gewonnen werden. 

„Geisterschiff“ wurde von Hubert Haensel geschrieben. (Verlag Peter Hopf/@sdecoret/de.depositphotos.com)

Fundgrube für Nostalgiker

Die Wiederkehr früherer Serien und Einzelgeschichten ist also eine schöne Nachricht für Nostalgiker. Wie Peter Hopf abschließend noch sagte, erscheinen in seinem Verlag auch Krimis und historische Romane. Und seit kurzer Zeit werden auch Wäscher-Piccolos Falk, Nick, Sigurd, Tibor)  neu aufgelegt (also nicht als Romane, sondern wie früher als farbige Comics), aber nur in elektronischer  Form, als eComic.

Mehr erfährt man im Internet unter: verlag-peter-hopf.com

Romane aus einer den Blütezeiten von Science-Fiction (vor allem der 1950er, 1960er und 1970er Jahre) werden vom Verlag Hopf neu aufgelegt.  Dazu gehört „Das Logbuch der Silberkugel“ von Hanns Kneifel. (Verlag Peter Hopf/@dewaardimar, @pp/1958/de.depositphotos.com)

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