Katastrophaler Rekordsommer
Von Dietrich Jörn Weder
Mit Temperaturen weit über dem saisonal Üblichen klingt der Spätsommer aus. Der bisher heißeste Sommer in Westeuropa versagt uns auch an seinem Ende die erhoffte erleichternde Abkühlung. Und es wird nicht besser: Das Phänomen eines außergewöhnlich überwärmten Ostpazifiks, El Ninjo genannt, kündigt neue Wetterunbilden für Herbst und Winter an.Katastrophal viele Hitzetote
Wer nach dem heurigen Hitzehorror die vom Menschen verursachte Erderwärmung immer noch leugnet, dem gehört wie einem Arzt, der das lebensbedrohliche Fieber seiner Patienten übersieht, die Zulassung entzogen. Mit den vom Robert-Koch-Institut geschätzten 16.00 Hitzetoten haben wir „die größte Naturkatastrophe seit Menschengedenken“ erfahren. So ordnet Professor Harald Lesch in seiner Sendung Terra X das Geschehen zutreffend ein.
Große Hitzeeinbußen der Wirtschaft
Die mit einem Tauziehen über Sozialreformen und dem Erschrecken über Wahlerfolge der AfD voll beschäftigte Berliner Politik hat der krisenhaften Zuspitzung des Klimawandels bedauernswert wenig Beachtung geschenkt. Den Vogel des Widersinns schoss aber die Alternative für Deutschland selbst ab, indem sie nach einer Regierungsübernahme in Sachsen-Anhalt die Aufstellung von Windrädern nach Kräften erschweren will.
Nicht einmal die nachteiligen Wirkungen der vielen überheißen Tage auf das wirtschaftliche Geschehen ordnen die Regierenden gebührend gewichtig ein. Die Schätzung von Greenpeace, dass die Rekordhitze uns bisher im Jahr 36 Milliarden Euro an wirtschaftlicher Leistung gekostet hat, muss man nicht teilen. Doch die wegen Niedrigwasser kaum mehr schiffbaren Flüsse, die lodernden Waldbrände oder den aufwirbelnden Staub ausgetrockneter Felder konnte nicht einmal das Laienauge übersehen.
Kostbare Mangelware Wasser
Die meiste Zeit des Jahres herrschte in weiten Teilen des Landes eine außergewöhnliche Dürre, die im Südwesten besonders ausgeprägt war. In Hessen fiel im September nur die Hälfte des üblichen Regens. Hydrologen mahnen, es sollten alle freiwillig sparsam mit dem kostbaren Nass haushalten, oder man werde künftig um verordnete Beschränkungen nicht herumkommen.
Unverzichtbarer Hitzeschutz
Politiker, die die Erderwärmung nach wie vor leugnen oder verharmlosen, führen die Bevölkerung in die Irre. Die bisherigen Vorausschätzungen der Klimawissenschaft haben sich leider alle bewahrheitet, und sie enthalten auch für die Zukunft keine Entwarnung. Der Einzelne muss sich, so gut, wie er kann, vor lebensbedrohlicher Überhitzung schützen. Hitzeschutz im öffentlichen Raum muss die öffentliche Hand als vordringliche Aufgabe anpacken.
Klimabummler bestraft das Leben
Die ganze Welt muss Treibhausgase vermeiden oder sie wird sich an ihnen versengen. Wer das kohlenstoff-freie Wirtschaften auf die lange Bank schiebt, den bestraft höchstwahrscheinlich das Leben. Wer Energie einspare handele patriotisch und helfe die Schöpfung bewahren, hat der weitsichtige US-Präsident Jimmy Carter schon in seiner lange zurückliegenden Amtszeit (1977 -1981) gesagt. Der gegenwärtige US-Präsident und nicht nur er steuert und stolpert unbelehrt in die falsche Richtung.
Dr. rer. pol. Dietrich Jörn Weder war Jahrzehnte lang leitender Umweltredakteur und Fernsehkommentator des Hessischen Rundfunks. Seit seiner Pensionierung arbeitet er als freier Autor für Print- und Audiomedien. Er betreibt den Blog Wachposten Frankfurt, auf dem er Kommentare zu aktuellen Themen veröffentlicht. Wachposten
Titelbild: Boden eines ausgetrockneten Sees. (Bildquelle: Wikipedia/Von Stefan Kühn, CC BY-SA 3.0, httpscommons.wikimedia.orgwindex.phpcurid=1040419)
