Lufthansa

Selbstdarstellung im „Hangar One“

Von Detlef Sundermann

Flugzeuge stehen nicht gerne auf dem Boden und schon gar nicht gerne in Hallen. So hebt auch die Lufthansa bei ihrer Selbstdarstellung gerne ab. Sie hat den „Hangar One“ eröffnet, das Lufthansa Group Konferenz- und Besucherzentrum, und präsentiert dort eine Dauerausstellung zur 100-jährigen Firmengeschichte, darunter eine Junkers JU-52 und eine Lockheed L-1649A Starliner (Super Constellation) als Exponate.

Ein Bordservice, der längst Legende ist

Der Besucher soll sich dort so wohlfühlen wie als Passagier in einem LH-Clippers. Es wird an die gute alte Zeit erinnert, als noch jeder wusste, was ein Düsenclipper ist, „Lufthansa“ auch ein Cocktail war und es einst an Board einen Service gab, der selbst für die LH längst Legende ist. Der Besucher soll wie, in Airline-Werbung üblich, einfach die schöne Seite der Lufthansa sehen. Doch, wer sich Treppen hoch bemüht oder den Aufzug nimmt, erfährt auch etwas über den braunen Kranich.

Die Ausstellung ist auf drei Ebenen eine Mischung aus Originalexponaten, interaktive Informationsdarstellung und Kreativbereich, letzteres gilt der Zivilluftfahrt und wie sie künftig seien wird. Auch ist einiges über die Anfänge zu erfahren. Pioniere der Luftfahrt werden besonders vorgestellt, auch die weiblichen wie Beate Uhse, Melitta von Stauffenberg oder die US-amerikanerin Amilia Earhart. Dazu werden obendrein naiv-putzige Momente der Luftfahrt gezeigt, wie das heiter illustrierte und getextete Informationsblatt für den Fall einer Notwasserung, Flugbegleiterinnen-Modenschau oder den Werbefilm aus der Schwarzweiß-Zeit mit Fräulein Gisela für künftige Flugbegleiter. Für Luftfahrtfans alles an einem Ort, nur eben um die Lufthansa gruppiert, und museumspädagogisch kurzweilig und mit einigen historischen Filmen dargeboten. Zwei Stunden kann man für den Besuch durchaus einplanen, der in der „Follow-me Bar“ (eher ein Bistro mit Economy-Preisen) und dem LH-Shop enden kann.

Heiter-naiv wirkt das einstige Informationsblatt für eine Notlandung auf dem Wasser. (Fotos : Detlef Sundermann)

Lockvogel Lockheed

Richtige (Besucher-)Lockvögel sind die beiden restaurierten Flugzeuge. Allerdings ist die legendäre Lockheed entgegen einer Ankündigung auf der Web-Seite von Hangar One nicht begehbar – zumindest gegenwärtig. Durch den Rumpf für bis zu 99 Fluggäste gehen und einen Blick ins Cockpit werfen, in dem neben Flugkapitän und Kopilot auch ein Flugingenieur und ein Navigator saßen, war lediglich am Eröffnungstag möglich. Der Brandschutz müsse noch geklärt werden, war vom Aufsichtspersonal zu erfahren. Voraussichtlich Ende des Jahres werde die Freigabe vorliegen. Gleiches gilt übrigens für den Flugsimulator.

Blick auf die Sternmotoren der Lockheed Super Constellation, die wegen ihrer Unzuverlässigkeit verschriene waren.

Wer eine mehr als sechs Jahrzehnte alte Ausstattung der „Super Connie“ erwartet hat, dürfte beim Blick in die Kabine enttäuscht sein. Der ausgestellte Starliner, der die damalige LH-Bezeichnung D-ALAN erhalten hat, soll einst unter TWA-Farben geflogen sein. Die Deutsche Lufthansa Stiftung erwarb die längst vom Flugbetrieb ausgemusterte Maschine 2007 bei einer Auktion in den USA mit der Absicht, sie im US-amerikanischen Auburn nach der Überholung und dem Einbau neuer Navigationstechnik sowie Kabinenausstattung wieder in die Lüfte steigen zu lassen. Immer wieder sollen neue Probleme auftreten sein. 2018 wurde das Aus des Vorhabens verkündet. Bis dahin sollen 100 Millionen Euro in das Projekt gebuttert worden sein. Die D-ALAN wurde nach Deutschland geholt und wurde zum Ausstellungsobjekt.

Aufbruch in die große weite Welt

Die Lockheed war die erste wirkliche Langstreckenmaschine der LH. Frankfurt-New York dauerte bis zu 17 Stunden Flugzeit! Das Flugzeug steht daher in seiner Zeit als Aufbruch in die große weite Welt. Ernüchternd ist jedoch, dass die LH laut Wikipedia nur acht von den Starliner mit dem markanten Dreifachleitwerk kauft und sie lediglich von 1958 bis 1960 für Passagierflüge eingesetzt hat. Überhaupt soll Lockheed laut Wikipedia 259 Stück für die zivile Luftfahrt gebaut haben, die bei ihrer Auslieferung eigentlich schon veraltet waren, denn bei Boeing und Douglas war zur gleichen Zeit bereits das Jet-Zeitalter in den Montagehallen angebrochen.

Die JU-52/3m war hingegen bei den Lufthanseaten länger in Betrieb, von 1932 bis 1945. Die Fluggesellschaft firmierte seinerzeit noch als Deutsche Luft Hansa AG (DLH). Mit der Firmenliquidierung 1951 durch die Alliierten folgte die Neugründung in 1953 unter Lufthansa, die jedoch keine Rechtsnachfolgerin ist. 1984 wurde das ausgestellte Flugzeug von der Lufthansa Stiftung zum Preis von 200 000 Dollar samt Ersatzteilkonvolut übernommen. Als „Iron Annie“ hob sie in den USA bei Airshows ab. Mehr als einmal soll „Iron Annie“ in ihrem Dasein schrottreife gewesen sein, sie wurde immer wieder bis zur Flugtauglichkeit aufgepäppelt, so auch bei der LH, die ihr sogar nun die alte Kennung D-AQUI auf den Wellblechleib – es ist natürlich Aluminium – schrieb. Bei der Lufthansa Technik Hamburg wurde über ein Jahr moderne Technik und Interieur in der Passagierkabine eingebaut. Bis 2018 wurde die Maschine, die von manch einem liebevoll als „Tante-JU“ bezeichnet wird, für Sonderflüge mit zahlenden Gästen am Himmel gesteuert. Risse in der Struktur ließen auch sie zum Bodenhocker werden. Die Tante war zwar als Passagier- und Frachtflieger konzipiert, konnte ab 1933 nach einer Modifikation ebenfalls Bomben tragen und abwerfen.

JU-52, das Arbeitstier der Vorgängergesellschaft Deutschen Luft Hansa AG.
Eng mit den Nazis verwoben
Der Kranich als Zeichen der Menschenverachtung: Die Blechmarke eines „Ostarbeiter“ genannten Zwangsarbeiters.

Die Deutsche Luft Hansa AG (DLH) war eng mit den Machenschaften der Nationalsozialisten im Dritten Reich verwoben. In Doppelfunktion stieg ihr Direktor Erhard Milch zum Generalluftzeugmeister auf. So wurden Werkstätten in den Dienst der Luftwaffe gestellt. Laut der Dokumentation „Fliegen heißt Siegen. Die verdrängte Geschichte der Deutschen Lufthansa“ von dem Journalisten Christoph Weber soll die DLH rund 17 000 Zwangsarbeiter beschäftigt haben. In der Schauvitrine in Hangar One, wo die Blechmarke eines „Ostarbeiters“ zu sehen ist, heißt es abgemildert: „Während des Kriegs setzt die Lufthansa Tausende Zwangsarbeiter aus besetzen Gebieten ein. Sie arbeiteten unter teils menschenverachtenden Bedingungen in den Werkstätten und sicherten so den Fortbestand des Unternehmens.“ Gesicherte Zahlen gibt es offenbar nicht.

In der Vergangenheit taten sich die Lufthanseaten mit der Aufklärung der eigenen Rolle im Dritten Reich sehr schwer. Zwar wurde der „Wirtschaftshistoriker Lutz Budrass damit beauftragt, eine Studie über NS-Zwangsarbeit im Unternehmen zu verfassen. Die Forschungsergebnisse wurden nie publiziert, nur auf Anfrage verschickt. Jetzt hat Lutz Budrass auf eigene Faust ein Buch zur Vergangenheit der Lufthansa geschrieben“, berichtete der Deutschlandfunk im Mai 2016 in seinem „Magazin für politische Literatur“. Wankelmut lässt sich auch an anderer Stelle in Hangar One ausmachen. So heißt es in der Abteilung Flugpioniere über Willy Messerschmidt etwa: „Berühmt wird er für das erste serienproduzierte Turbostrahlflugzeug, die Me 262“. Es ist nicht irgend eins. Dass zweimotorige Kampfflugzeug wird von der NS-Propaganda als „Wunderwaffe“ bezeichnet. Messerschmidt avanciert zum Wehrwirtschaftsführer. Dass er das Kriegsmaterial dem Regime liefert, das es braucht – quasi um die Wette eifernd mit der Firma Heinkel -, bleibt eine Lücke. Gleichwohl hat sich die Lufthansa mittlerweile mit dem dunkelsten Kapitel ihrer 100-jährigen Geschichte auseinandergesetzt. Das beweist das knapp 400 Seiten starke Buch, das sie zum Jubiläum herausgegeben hat. Darin wird das Thema kritisch und keineswegs verkürzt dargestellt. Ein bisschen mehr daraus an wichtigen Stellen der Schau, hätte den Hochglanzeindruck in Hangar One alles andere als getrübt.

Hangar One, Deutsche Lufthansa AG, Airportring Gebäude 367, Frankfurt. (GPS Koordinaten 50.048982, 8.557148). Öffnungszeiten: donnerstags und freitags von 8 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 16 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene 8 Euro, Familienkarte 15 Euro und 4 Euro für Kinder, Auszubildende, Studenten sowie Leute ab 65 Jahre. Gruppenpreise und weitere Informationen unter: lufthansagrouphangar-one.com/de. Tickets gibt es nur Online unter: ticketing.lufthansagrouphangar-one.com/p/home

Titelbild: Die Lockheed Super Constellation im Hangar One.

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