500 Jahre Reformation

Eine Epoche des Umbruchs

Von Corinna Willführ

2017 ist das Luther-Jahr.  Es erinnert aber weder an das Geburts- noch das Todesdatum des Mannes aus Eisleben, der wohl im November 1483 geboren wurde und am 18. Februar 1546 starb, sondern an das Jahr 1517, in dem der Mönch seine 95 Thesen an der Kirche zu Wittenberg anschlug – und damit die bis dahin geltenden Ansichten der katholischen Kirche und ihrer Anhänger zu Gott und der Welt ins Wanken brachte. „500 Jahre Reformation“ – zum Jubiläum gibt es im Dekanat Wetterau West zahlreiche Veranstaltungen, wie den 1. Preacher Slam „Luther bei die Fische“ in der Burgkirche Friedberg oder das Theaterstück über Luthers Ehefrau Katharina von Bora, auf der Burg Münzenberg. Aus wissenschaftlicher Perspektive beleuchten die Referenten der Reihe „Das Reformationsjahrhundert – Epoche des Umbruchs“ der Arbeitsgemeinschaft Geschichte in Bad Nauheim, sein Werk.

Geschichte kennen, Zukunft gestalten

Das Lutherschwert im Wetterau-Museum in Friedberg. (Fotos: Willführ)

Seit den 1990er Jahren veranstaltet die Arbeitsgeschichte Bad Nauheim nach dem Motto „Nur wer die Geschichte kennt, kann die Zukunft sinnvoll gestalten“ alljährlich in Kooperation mit dem städtischen Fachdienst Kultur und Sport historische Vortragsreihen. So waren 1990 „Revolutionen in der Europäischen Geschichte“ Thema, in 2001 „Erfindungen, die die Welt bewegten“. Im Fokus 2011 „Frauen machen Geschichte“.
In 2017 widmet sich die nunmehr 27. Vortragsreihe der AG Geschichte, „den durch die Reformation ausgelösten tiefgreifenden Veränderungen der religiösen, kulturellen und politischen Verhältnisse im 16. Jahrhundert und ihren weitreichenden Folgen.“ Johannes Lenz, ehemaliger Leiter des Kulturamtes der Stadt Bad Nauheim und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Geschichte: „Mit den Themen der neun Vorträge soll der Blick über die herausragende Persönlichkeit Martin Luthers auf den geschichtlichen Kontext gelenkt werden.“

Von der Mönchszelle in die Öffentlichkeit

Den Auftakt der Vortragsreihe macht am Montag, 23. Januar 2017 Professor Olaf Mörke. Der Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität in Kiel wird das „Verhältnis von Volksfrömmigkeit und Kirchenkritik am Ende des Mittelalters“ beleuchten. Professor Heinz Schilling vom Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität Berlin, zeichnet am Montag, 20. Februar 2017, „Luthers Weg in die Reformation: Von der Mönchszelle in die Weltöffentlichkeit“ nach. Dass „Luthers Bibelübersetzung als sprachgeschichtlicher Meilenstein“ zu bewerten ist, erläutert Professor Horst Dieter Schlosser vom Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik der Goethe-Universität am Montag, 27. März 2017. Weitere Themen sind unter anderem „Die zweite Reformation – der Calvinismus“ und das „Ringen um die Erneuerung der Kirche“ beim Konzil von Trient. Alle Vorträge finden in der Evangelischen Wilhelmskirche Bad Nauheim statt. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr.

Erster Preacher-Slam
Luther-Figur von Otmar Hoerl, Privatbesitz Burkhard Steinhauer.

Das Programmheft zu den Veranstaltungen im Luther-Jahr des Dekanats Wetterau ist in einer Auflage von rund 100.000 an alle Haushalte der westlichen Wetterau durch Hunderte Ehrenamtlicher verteilt worden. Eine der ungewöhnlichsten dürfte der 1. Preacher-Slam am Samstag, 28. Januar, 20 Uhr in der Burgkirche Friedberg sein. Solche, die neugierig machen, sind unter anderem die Darstellungen der Mitglieder der Karbener Theatergruppen in der evangelischen Kirche Klein-Karben, die an jedem zweiten Sonntag eines Monats in einem „gespielten Lebenslauf“ Szenen aus dem Leben Luthers von der Kindheit bis zum Tod darstellen. Oder die „Wetterauer Tischgespräche“, die an die Tradition der „Tischreden“ im Hause Martin Luthers anknüpfen.

Luthers Morgenstern

Neben Vorträgen, Konzerten, Filmvorführungen gilt es ein Ereignis hervorzuheben: Die Theateraufführungen des Freundeskreis Burg und Stadt Münzenberg. Werden doch mehrere Dutzend ehrenamtliche Laiendarsteller im Sommer die Geschichte der Ehefrau von Martin Luther, Katharina von Bora, „Luthers Morgenstern“ auf und in der Burg Münzenberg inszenieren.

Uwe Müller, Vorsitzender des Freundeskreises Burg und Stadt Münzenberg bei der Vorstellung des Theaterstücks „Katharina von Bora“.
Neues Hinweisschild zum Lutherweg bei Rockenberg.

Außerdem stehen auch die beiden Veranstaltungsreihen „Kunst in Kirchen“ und die „Wetterauer KirchenMusikTage“ in 2017 im Zeichen der Reformation. Wäre da noch die Ausstellung im Wetterau-Museum (ab April), die sich „Luther, der Reformation, Friedberg und der Wetterau“ widmet. Für alle, die sich „auf eigene Faust“ auf die Spuren des Reformators begeben wollen, also mal ganz in Ruhe, sei das Buch „Wittenberg- Worms – Wartburg – Pilgerführer Lutherweg 1521“ von Dr. Reiner Cornelius empfohlen.

bad-nauheim.de
wetterau-evangelisch.de/
www.lutherweg1521.de

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