Zum Weltflüchtlingstag

Asylant Büchner

Von Bruno RiebBuechner

Anlässlich des Weltflüchtlingstages, 20. Juni, lässt der Neue Landbote den Asylanten Georg Büchner zu Wort kommen, der vor 180 Jahren aus Deutschland nach Frankreich und in die Schweiz geflohen war. Ein Plädoyer, Verfolgten Zuflucht zu geben.

Nur geduldet

„Die politischen Verhältnisse Teutschlands zwangen mich, mein Vaterland vor ungefähr anderthalb Jahren zu verlassen“, schreibt Georg Büchner am 22. September 1836 an Zürichs Bürgermeister Hess, den er um Zuflucht bittet. Seine Situation als Flüchtling in Straßburg ist schwierig. In einem Brief an die Familie im Juni 1835 beschreibt er sie so: „Wir stehen hier unter keinem gesetzlichen Schutz, halten uns eigentlich gegen das Gesetz hier auf, sind nur geduldet und somit ganz der Willkür des Präfecten überlassen.“

Mit seinen Dramen „Dantons Tod“ und „Woyzeck“ erlangte Büchner Weltruhm. Im feudalen Deutschland wurde er wegen seiner demokratischen Gesinnung verfolgt. Gemeinsam mit dem Butzbacher Pfarrer Ludwig Weidig hatte er 1834 den „Hessischen Landboten“ herausgegeben. Mit der Flugschrift, die sich der Parole der Französischen Revolution „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ bediente, sollte die bitterarme Landbevölkerung wachgerüttelt werden, um für ein besseres Leben zu kämpfen. Die Landbote-Verfasser wurden von der Obrigkeit erbarmungslos verfolgt. Weidig starb 1837 im Kerker in Darmstadt. Büchner gelang die Flucht. Zunächst fand er in Straßburg Zuflucht, später in Zürich. Am 21. Februar stirbt Büchner hier, nur 23 Jahre alt.

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„Meine Zukunft ist so problematisch, dass sie mich selbst zu interessieren anfängt, was viel heißen will“, schreibt Georg Büchner im März 1835 aus Straßburg an seinen Verleger Karl Gutzkow. „Ich muss eine Zeitlang vom lieben Kredit leben und sehen, wie ich mir in den nächsten 6-8 Wochen Rock und Hosen aus meinen großen weißen Papierbogen, die ich vollschmieren soll, schneidern werde“, bekennt er am 1. Juni 1836 in einem Brief aus Straßburg an Eugen Boeckel.

Der Regierung höchst verdächtig

Die Situation der Flüchtlinge in Straßburg schildert er in dem eingangs zitierten Brief an seine Familie: „Es sind höchstens acht bis neun deutsche Flüchtlinge hier, ich komme fast in keine Berührung mit ihnen, und an eine politische Verbindung ist nicht zu denken. Sie sehen so gut wie ich ein, dass unter den jetzigen Umständen dergleichen im Ganzen unnütz und dem, der daran Teil nimmt, höchst verderblich ist. Sie haben nur einen Zweck, nämlich durch Arbeiten, Fleiß und gute Sitten das sehr gesunkene Ansehen der deutschen Flüchtlinge wieder zu heben, und ich finde das sehr lobenswert. Straßburg schien übrigens unserer Regierung höchst verdächtig und sehr gefährlich, es wundern mich daher die umgehenden Gerüchte nicht im Geringsten, nur macht es mich besorgt, dass unsere Regierung die Ausweisung der Schuldigen verlangen will.“

Die Situation der politischen Flüchtlinge war schwierig. In Straßburg und Zürich waren „Flüchtlinge im Verlauf der 1830er Jahre stetig schärfer werdenden Kontrollen und politischen und sozialen Restriktionen durch die Behörden ausgesetzt“, schreibt Anne Maximiliane Jäger-Gogoll in ihrem Beitrag „Georg Büchern, der Exilant“ zum Buch „Georg Büchner – Revolutionäre mit Feder und Skalpell“.

Strikt kontrolliert

Straßburg war wegen seiner Lage direkt an der Grenze zu Deutschland ein wichtiger Zufluchtsort für Flüchtling. Ankommende Immigranten wurden von den französischen Behörden strikt kontrolliert. Nach einem Gesetz aus dem Jahr 1832 mussten politische Flüchtlinge nach der Ankunft in Frankreich unmittelbar ins Landesinnere weiterreisen, sie wurden in Straßburg nur ausnahmsweise geduldet.

Büchner lobt in einem seiner letzten Briefe an die Familie die Schweiz: „Die Schweiz ist eine Republik, und weil die Leute sich gewöhnlich nicht anders zu helfen wissen, als dass sie sagen, jede Republik sei unmöglich, so erzählen sie den guten Deutschen jeden Tag von Anarchie, Mord und Totschlag. Ihr werdet überrascht sein, wenn ihr mich besucht; schon unterwegs überall freundliche Dörfer mit schönen Häusern, und dann, je mehr ihr euch Zürich nähert und gar am See hin, ein durchgreifender Wohlstand; Dörfer und Städtchen haben ein Aussehen, wovon man bei und keinen Begriff hat. Die Straßen laufen hier nicht voll Soldaten, Akzessisten (Anwärter auf den Staatsdienst – d. Red.) und faulen Staatsdienern, man riskiert nicht von einer adligen Kutsche überfahren zu werden; dafür überall ein gesundes, kräftiges Volk, und um wenig Geld eine einfache, gute, reine republikanische Regierung, die sich durch eine Vermögenssteuer erhält, eine Art Steuer, die man bei uns überall als den Gipfel der Anarchie ausschreien würde.“

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