Windkraft

Weitere Windmasten für die Wetterau

Von Klaus Nissen

Nach jahrelangem Ringen steht nun fest, wo in der Wetterau noch neue Windkraftwerke gebaut werden dürfen. Die Regionalversammlung Südhessen strich im Juli 2021 die meisten nur vorläufig für Windkraft reservierten „Weißflächen“ in der östlichen Wetterau. Die Grünen kommentierten das kritisch. Der Verein „Rettet das Ronneburger Hügelland“ feiert dagegen die Streichung aller Windvorranggebiete um Ronneburg, Hammersbach und Eckartshausen. Hier ein Überblick, wo Windmasten wachsen dürfen und wo nicht.

Viele Rotoren bei Melbach

Mitte 2021 drehen sich in der Wetterau 33 Rotoren zwischen Karben und Kefenrod. Sobald die Landesregierung den neuen „Teilplan Erneuerbare Energien“ genehmigt, stehen die Vorrangflächen für weitere Windkraftanlagen bereit. In der Wetterau sind die meisten von ihnen auf windigen Hügelkuppen im Osten des Kreises angesiedelt.

Diese drei Windmasten drehen sich schon seit 2002 auf der Kuppe bei Florstadt-Stammheim. Sie sind mit 94 Metern Höhe und jeweils nur 600 Kilowatt Leistung reichlich veraltet. Nach dem nun fertigen Flächennutzungsplan dürfen sie in einigen Jahren aber nicht durch neue Anlagen ersetzt werden. Foto: Grüne Florstadt

Konkrete Bauvorhaben gibt es momentan nur vereinzelt. Für die Gemarkung von Kefenrod wurden Anfang 2019 zwei zusätzliche Vier-Megawatt-Anlagen mit einer Gesamthöhe von 208 Meter beantragt,heißt es in einer Übersicht des Regierungspräsidiums Darmstadt. Neben den schon stehenden Spargeln zwischen Wenings, Bindsachsen und Kefenrod ist auf 116 Hektar noch Platz für weitere Anlagen.

57 Hektar westlich von Melbach

Die nächsten Neubauten sind eher in der westlichen Wetterau zu erwarten. Für das ganz neue, 57,4 Hektar große Windvorranggebiet zwischen Wölfersheim-Melbach und den Bad Nauheimer Stadtteilen Wisselsheim, Rödgen und Schwalheim wurden im Mai laut RP neun Windkraftwerke mit je 247 Metern Höhe und 5,6 Megawatt Leistung beantragt. Und bei Friedberg-Bruchenbrücken sollen neben den drei schon stehenden Masten zwei weitere Anlagen mit 5,6 und 4,2 Megawatt hinzu kommen.

Für das mit 413 Hektar bei weitem größte Windkraft-Vorranggebiet auf dem Winterstein bei Rosbach haben sich noch keine Investoren gemeldet.Auf Büdinger Gemarkung bleibt ein knapp 250 Hektar großes Waldgebiet östlich der Stadt für weitere Windanlagen reserviert. Allerdings dürfen auf einem 62 Hektar großen Gebiet südlich von Eckartshausen nun doch keine Kraftwerke gebaut werden, beschlossen die Abgeordneten der Regionalversammlung am vorigen Freitag in der Flörsheimer Stadthalle. Auch benachbarte Areale bei Hammersbach und Ronneburg sind aus Artenschutz-Gründen für die Windkraft tabu.

Keine Windkraft nahe der Ronneburg

„Es wird keine Windräder in und um Eckartshausen geben“, frohlockte der Eckartshausener Ortsvorsteher Reiner Müller. Das werde man demnächst feiern, kündigt er an. Man habe einen steinigen Weg hinter sich – schon 2015 sammelten Mitglieder der Interessengemeinschaft „Gegenwind“ als 2600 Unterschriften gegen den Bau der Rotoren. Spätestens jetzt müsse die Stadt Büdingen ihre Verträge den Anlagenbauern kündigen, forderte Reiner Müller gestern.

In der Landschaft um Nidda bleibt das 21,8 Hektar große Windkraft-Vorranggebiet nördlich von Borsdorf und Harb bestehen. Ebenso das 40,7 Hektar große Vorranggebiet an der L3178 nördlich von Ulfa. Ein weiteres Areal östlich von Schwickartshausen wurde am Freitag um 6,6 auf 39,8 Hektar Größe reduziert. Ein 15-Hektar-Areal am Schieferberg zwischen Ober-Widdersheim und Bad Salzhausen ist für die Windkraft gestrichen worden.

120 Hektar im Wald bei Wenings

Die Gemarkungen von Gedern und Ortenberg bieten noch viel Platz für weitere Windräder. 120 Hektar sind dafür im Wald an der L3184 zwischen Wenings und Gelnhaar reserviert. Gestrichen wurde allerdings ein 65,3 Hektar großes Waldgebiet rechts der Bundesstraße 275 hinter Gedern an der Grenze zum Vogelsbergkeries. Auf Ortenberger Land darf an der B275 zwischen Lißberg und Hirzenhain auf 36,2 Hektar in Zukunft Windstrom geerntet werden. Egal, ob die Parlamente in der Umgebung das gutheißen oder nicht. Ebenso auf 33,8 Hektar am Scharberg östlich von Lißberg. Neues Vorranggebiet für Windkraft wird ein 14,9 Hektar großes Stück im Bereich dreier schon stehender Windmasten östlich von Merkenfritz. Die drei etwas weiter östlich schon stehenden Windkrafträder dürfen dagegen nicht erneuert werden, wenn sie in einigen Jahren abgeschrieben sind.

In der Gemarkung von Ranstadt wurde ein ursprünglich auf 73 Hektar veranschlagtes Vorranggebiet südlich des Wannkopfs an der A45 aus Gründen des Vogelschutzes auf 10,8 Hektar verkleinert. Überhaupt keine Windmasten dürfen nun auf 32 Hektar am Rühlskopf und südlich von Ober-Mockstadt gebaut werden, wo ursprünglich 54 Hektar ausgewiesen waren.

Drei Rotoren bei Stammheim dürfen nicht erneuert werden

Auf Altenstädter Gemarkung stand seit 2016 ein 19,2 Hektar großes Gebiet zwischen Stammheim und Rodenbach für weitere Anlagen zur Debatte. Das wurde nun gestrichen.

Auch bei Florstadt schrumpfen die Areale für die Windkraft. Zwei insgesamt 76,8 Hektar große Flächen bei Stammheim wurden aus Artenschutz-Gründen gestrichen. Darunter auch die Kuppe, auf der sich bereits drei Rotoren drehen. Neu für Windkraft reserviert ist lediglich ein 19,9 Hektar großes Stück im Wald südlich von Nieder-Mockstadt.

All diese und weitere Flächeneinschränkungen für die Windkraft seien ein „massives Versagen der Klimapolitik“, schimpfte Frank Kaufmann nach der Entscheidung von Anfang Juli 2021 Freitag. Kaufmann ist Fraktionschef der Grünen in der Regionalversammlung für Südhessen. „Wir haben es mit einem Bündnis der Ignoranz zu tun, da niemand die Zeichen der Zeit sehen will“. So stünden statt zwei nur noch 1,5 Prozent der Landesfläche für die Stromgewinnung durch Windkraft bereit. Das sei ein Viertel weniger als früher proklamiert. Kaufmann forderte, das Paket noch einmal aufzuschnüren und die Ausschluss-Gründe zu prüfen.

Was damit gemeint ist, erläutert der Florstädter Grüne Gerhard Salz. Er findet es ungerecht, dass CDU und SPD im Regionalverband eine Fläche mit drei Windmasten bei Lützelbach im Odenwald für Windkraft erhalten wolle – die drei Masten bei Florstadt-Stammheim aber nicht. In beiden Fällen könnte es eine Gefährung von Rotmilanen durch die Rotoren geben. Aber: „In Stammheim hat sich die Pupulation des Romilans in den letzten Jahren erfreulicherweise deutlich erhöht. Ich kann auch in der Nähe der Windräder keine Konflikte entdecken.“

Eine Karte mit den Vorranggebieten für Windkraft in der östlichen Wetterau ist im Internet unter https://bit.ly/3yDCH3Z zu finden.

Ein Gedanke zu „Windkraft“

  1. Gerade die Flächen zwischen Stammheim und Rodenbach liegen so wunderbar und hier gab es nie Beschwerden der Einwohner der 3 Gemeinden wegen der 3 Windräder und hier ist noch eine große Fläche vorhanden .
    Es wurden nie tote Vögel gefunden . Auch die Grünen sind für dieses Gebiet !!

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