Wider das Vergessen

Dany Bober gastiert in Ortenberg

Von Corinna Willführ

„Eine jüdische Zeitreise“ heißt das Programm, mit dem Dany Bober am Samstag, 13. November 2021, in Ortenberg gastiert. Er wurde vom Kulturkeis Altes Rathaus Ortenberg eingeladen. Der Verein pflegt das Kulturerbe pflegt und fördert das Geschichtsbewusstsein.

Seit 1981 steht der Name Kulturkreis Altes Rathaus Ortenberg für einen Verein, der sich zum einen der „Pflege unseres Kulturerbes in Literatur, Musik, bildender Kunst“ und der „Förderung des Geschichtsbewusstseins“ verschrieben hat – und „der kritischen Auseinandersetzung mit ihm“. Einer der ersten Künstler, der vor 40 Jahren in Ortenberg auftrat, war der 1948 in Israel geborene Liedermacher, Sänger und Schauspieler Dany Bober. Seit 1976 lebt er in Wiesbaden. Am Samstag, 13. November, gastiert Dany Bober erneut in Ortenberg – mit seinem aktuellen Programm „Eine jüdische Zeitreise“.

Mehr als Klezmer-Musik

„Jüdische Kultur ist schon aufgrund ihrer unterschiedlichen geographischen und historischen Bezüge eine sehr vielfältige Kultur. Dies gilt auch für die Musik. Mit der Katastrophe des Nationalsozialismus kam die Entwicklung jüdischer Lieder in Europa weitgehend zum Erliegen. Heute denken viele in diesem Zusammenhang sofort an Klezmer-Musik. Dass jüdische Musik viel mehr beinhaltet, zeigt Dany Bober auf vielfältige Weise“, so Manuela Baumann, Vorsitzende des Kulturkreises Altes Rathaus, in der Ankündigung der Veranstaltung.

So wird Dany Bober, dessen Eltern 1956 nach der Vertreibung durch die Nationalsozialisten 1956 nach Frankfurt, der Heimatstadt seines Vaters, zurückkehrten, in seinem Gastspiel „die in der Zeit der Weimarer Republik auf deutschen Kleinkunstbühnen beliebte Form des ‚Features“ präsentieren“. So werden Lieder, Mundartgedichte und Berichte zu erleben sein. Auch seine eigenen Vertonungen von Psalmen von König David und Salomon. Manuela Baumann: „Zwischen den Liedern erzählt Dany Bober die Geschichte, die den Rahmen zu seinen Liedern bildet. Anekdoten, Prosa und Gedichte aus dem jüdischen Frankfurt am Main und Berlin des 18. und 19. Jahrhunderts runden das Feature liebevoll-ironisch ab.“

Der jüdische Friedhof in Ortenberg. (Foto: Willführ)

Zeitreise in jüdische Geschichte

Unabhängig vom Abend mit Dany Bober ermöglicht die vom Kulturkreis Altes Rathaus in der Reihe „Ortenberg kleine historische Schriften“ in Heft 4 herausgegebene Publikation eine „Zeitreise“ in die jüdische Geschichte der Stadt in der Wetterau. Bis ins Jahr 1242 zurück reichen die ersten Dokumente über jüdische Bürgerinnen und Bürger in Ortenberg, wie der Kunsthistoriker und Stadtarchivar Michael Schroeder, erkundet hat. Co-Autor Manfred Meuser (80), viele Jahre Vorsitzender des Kulturkreises Altes Rathaus, erinnert darin noch an die „legendären Würste des jüdischen Metzgers Kaufmann“, besonders begehrt während der Zeit des größten oberhessischen Volksfestes, dem „Ortenberger Kalten Markt“. Den Markt gab es weiterhin, die Würste aus der jüdischen Metzgerei nicht mehr.

Die einstige Mikwe in Ortenberg. (Foto: Willführ)

Schon Ende Juni 1936 waren die jüdischen Familien aufgrund von Drangsalierungen und einer zunehmend bedrohlichen Zukunft aus ihrer Heimatstadt Ortenberg geflohen. Mit der Broschüre lässt sich ihre Geschichte erkunden, in Ausschnitten auch im in der Reihe „Ortenberg in Hessen – ein Altstadt-Rundgang“ mit Michael Schroeder. So ist der jüdische Friedhof „In den Eisengärten“ an der Nidder erhalten (kein Besuch am Sabbat (samstags) und an jüdischen Feiertagen). Interessierte sollen sich wegen des Schlüssels an die Stadtverwaltung wenden. Seit 2008 erinnert eine Gedenktafel in der Altstadt an einer Mauer in der Schlossstraße an die ermordeten Ortenberger Juden. „Es fehlen aber die Kinder und Jugendlichen, über deren Schicksale wir bisher nichts wissen“, heißt es in dem Stadtführer. Auch eine Mikwe, das jüdische Ritualbad, gibt es in Ortenberg noch. Ein kleines Häuschen am Mühlbach. Ebenso die zuletzt genutzte Synagoge in der Wilhelm-Leuschner-Straße. Beide Gebäude sind im Privatbesitz.

Karten für die „Jüdische Zeitreise“ mit Dany Bober unter 3G-Bedingungen am 13. November 2021, 19.30 Uhr, auf der Bühne „TatOrt“ gibt es im Vorverkauf bei Makilopo in Ortenberg oder unter der Mail-Adresse kulturkreis@ortenberg.net zum Preis von 18 Euro. An der Abendkasse kosten sie 20 Euro. Im Makilopo ist auch die Broschüre aus der Reihe „Ortenberger kleine historischen Schriften, Heft 4“ erhältlich. Sie kostet 7,50 Euro und wird von dort gegen eine Versandgebühr von 1,70 Euro auch verschickt.

Titelbild: Dany Bober (Foto: Julia Rau)

kulturkreis-ortenberg.de

makilopo.de

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