40 Jahre Staufenberg

Blick in die Geschistaufenbergchte

von Jörg-Peter Schmidt

Als vor 70 Jahren in Hessen die Verfassung verabschiedet wurde, verankerte man in ihr Textpassagen, aus denen deutlich die Distanz gegen die damals noch gar nicht lange beendete Naziherrschaft hervorgeht. In mehreren Gemeinden und Städten wird zurzeit an die damalige Geburtsstunde dieser Verfassung erinnert, die älter das Grundgesetz ist. Auch in Staufenberg (Kreis Gießen) würdigt man diesen kommunalen Geburtstag und seine gesetzliche Weichenstellung zum Schutz vor Diskrimierung beispielsweise aus religiösen, politischen oder rassistischen Gründen. Aus Anlass dieses Jubiläums fand jetzt im Rathaus eine Empfang für die Bevölkerung statt, bei dem zudem die Broschüre „40 Jahre Staufenberg“ vorgestellt wurde.

Broschüre „40 Jahre Staufenberg“

Bürgermeister Peter Gefeller lud also zu einer doppelten kleinen Feier ein. Eröffnet wurde an diesem Abend eine Ausstellung im Foyer des Rathauses, die vom Statistischen Landesamt erarbeitet wurde  und in der die Entwicklung der vergangenen sieben Jahrzehnte dargestellt ist. Auf großes Interesse stieß bei den Gästen bei dem Empfang die informative, mit zahlreichen interessanten Dokumenten versehene Broschüre „40 Jahre Staufenberg“, die von der Stadt in Zusammenarbeit mit der Heimatvereinigung mit großer Unterstützung von Karl-Friedrich Zecher zusammengestellt wurde. Es ist auch für Nicht-Staufenberger interessant, sich in den Text, die Tafeln und Fotos zu vertiefen. Denn die Entwicklung, die hier beschrieben wird, ähnelt der Historie auch in anderen Kommunen.

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Liebevoll ist die Burg in Staufenberg restauriert worden. (Fotos: Schmidt)

Wie in dem heute rund 8200 Bürger zählenden Staufenberg mit seinen Stadtteilen Mainzlar, Daubringen, Staufenberg und Treis gab es heftige Diskussionen, als im Rahmen der Gebietsreform in den sechziger und siebziger Jahren neue Gemeinden entstanden. Noch heute dürfte es Bürger geben, die nach wie vor der Meinung sind, man hätte vielleicht mit dem benachbarten Lollar zusammengehen sollen. Und würde Treis nicht besser zu dem in der direkten Nähe gelegenen Allendorf/Lumda passen?

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In der Großgemeinde Staufenberg hat man Humor: Die Ente (hier am Ortseingang aus Richtung Mainzlar) ist der Spitzname für die Daubringer.

Zu solcher Kritik nahm Bürgermeister Gefeller Stellung: „In den 1960/1970er Jahren war klar geworden, dass sich Kleinstgemeinden wie Daubringen, Mainzlar, Treis oder Staufenberg nicht mehr effektiv selbst verwalten konnten. Die Gemeinden wurden in der so genannten Gebietsreform zu größeren Einheiten zusammengefügt. Das war damals eine große Sache, die nicht überall auf positive Resonanz stieß. Heute sind diese Vorbehalte vergessen. Wer wollte zum jetzigen Zeitpunkt noch eine eigenständige Verwaltung zum Beispiel nur für Mainzlar?“ Gefeller wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es seit 2016 eine Gemeinschaftskasse Lollar-Staufenberg gibt.
Wie der Bürgermeister erläuterte, basiert die Broschüre auf der 2014 im Jubiläumsjahr gezeigten Ausstellung „40 Jahre Stadt Staufenberg“, für die viele Bürger ihre Fotos und andere Unterlagen herausgegeben gestellt haben. Stellvertretend für die vielen Mainzlarer, Treiser, Daubringer oder Staufenberger, die Dokumente zur Verfügung gestellt haben, dankte der Rathauschef Helmut Abel, Dieter Mohr, Georg Mann, Werner Schutheis und Erich Keil sowie Karl Friedrich Zecher und H. Möhle von der Heimatvereinigung.

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Stellvertretend für die vielen Bürger, die Fotos für die frühere Ausstellung und das jetzt herausgegebene Heft geliefert haben oder sich auf andere Art engagiert haben, dankte Bürgermeister Peter Gefeller (dritter von rechts ) Dieter Mohr, Helmut Abel, der Stadtarchivarin Barbara Wagner, Karl-Friedrich Zecher und Olaf Möhle, die die neue Broschüre in der Hand halten.

Das Heft, das bei der Stadtverwaltung erhältlich ist, kostet 5 Euro und ist reichlich illustriert. Wichtige historische Ereignisse sind dargestellt, beispielsweise die letzte Fahrt der Lumdatalbahn, die 1981 erfolgte. Nicht wenige Menschen wünschen sich, dass diese Bahnstrecke reaktiviert wird. Spannend sind auch die Beschreibungen, wie unter anderem die Heimatvereinigung dafür gesorgt hat, dass aus der Ruine Burg Staufenberg wieder ein ansehnliches historisches Gebäude wurde. Man kann nachlesen, wie die „Vitale Mitte“ entstand, in unter anderem Lebensmittelmärkte, Banken und Geschäfte angesiedelt sind.

Kurzeck und Hettche machten Staufenberg bekannt

Besonders großen Wert legt man in Staufenberg auch auf die Pflege der internationalem Partnerschaften mit Moravská Třebová (Mährisch-Trübau, Tschechien) und Tarján (Ungarn). Im Übrigen haben zwei überregional populäre Schriftsteller ihr Staufenberg bekannt gemacht: der leider schon verstorbene Ehrenbürger Peter Kurzeck und der aus Treis stammende Thomas Hettche. Wenn man in der Broschüre weiterblättert, kann man auch erfahren, wer als Bürgermeister die Geschicke Staufenbergs geleitet hat: Artur Neeb (SPD) von 1974 bis 1978, Kurt Hartwich (SPD) 1978 bis 1981, Kurt Walther (CDU) 1982 bis 1988, Horst Münch (SPD, 1988 bis 2011, er war bei der Vorstellung der Broschüre anwesend) und der aktuelle Bürgermeister Peter Gefeller (SPD).

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1981 fuhr letztmals der Schienenverkehr Lollar-Londorf. (Foto: Christel Bergen)

In dem Heft wird auch die Leistung der Vereine gewürdigt und der Widerstand in der Bevölkerung in Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen im Kampf gegen leider vorhandene rechtsreaktionäre Strömungen und Gewalt jeder Art – ganz im Sinn der eingangs in diesem Bericht erwähnten hessischen Verfassung. Man gedachte und gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus und beugt einem Aufflammen solch gefährlicher Strömungen vor. 2011 und 2012 wurden als Erinnerung an die Opfer des nationalsozialistischen Terrors die symbolischen Stolpersteine verlegt.

Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen: montags und dienstags 8 bis 12 und 14 bis 16 Uhr, mittwochs 14 bis 16 Uhr, donnerstags 8 bis 12 und 14 bis 18 Uhr und freitags 8 bis 12 Uhr.

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