Sonntagsrätsel

Eine Kultsendung

von Jörg-Peter Schmidt

Landbote-Autor Jörg-Peter Schmidt empfiehlt einen Radiobeitrag, der zu den am längsten erhalten gebliebenen Kult-Sendungen überhaupt gehört: das „Sonntagsrätsel“, das jeden Sonntag um 9.30 Uhr auf „Deutschlandfunk Kultur“ zu hören ist. Dieses Quiz wurde erstmals 1965 ausgestrahlt (damals noch im RIAS) und zunächst kurz von Werner Hass und dann noch im Gründungsjahr bis 1987 vom unvergessenen Hans Rosenthal moderiert.

Richtig nostalgisch

Inzwischen führt Ralf Bei der Kellen durch dieses halbstündige Programm. Seine Vorgänger waren Christian Bienert und Uwe Wohlmacher. Die Sendung fängt schon richtig nostalgisch  mit der Titelmelodie an, gespielt vom  Orchester Mantovani. Es erklingt „Around the World“, das aus dem Mitte der fünfziger Jahre gedrehten Spielfilm „In 80 Tagen um die Welt“ stammt.  Der Komponist war Victor Young. Die vielen Fans, die immer gespannt vor dem Radio (oft während des Frühstücks) sitzen, sind meistens ausgerüstet mit Nachschlagewerken und dem Handy (oder der Computer ist angeschaltet). 

Erster Moderator des „klingenden Sonntagsrätsel“, wie die Sendung  zuerst hieß, war Hans Rosenthal. Hier mit Sonntagsrätsel-Fans anlässlich der 1000. Sendung. (Foto: Wikipedia)

Moderator Ralf Bei der Kellen gibt zunächst bekannt, ob das Lösungswort diesmal aus sechs oder sieben Buchstaben besteht – und dann geht’s los. Es müssen Lösungswörter beispielsweise aus  verschiedenen Musikrichtungen oder auch aus der Geographie erraten werden. Es wird jeweils ein Buchstabe (selten sind es zwei) aus den zu erratenden Wörtern aufgeschrieben. Die Buchstaben ergeben zusammengesetzt die Lösung. 

Stasi fing Hörerpost ab

Den Rätselfans macht es offensichtlich nichts aus, das es „nur“ einen Gewinn (ein Überraschungspaket) gibt. Das Ganze macht einfach Riesenspaß und ist für meine Frau und mich einfach ein Muss sonntags. 

In der langen Geschichte dieses gottlob erhalten gebliebenen Radioschatzes gibt es eine Besonderheit, über die Christian Bienert öffentlich berichtete. Er ist der Sohn des Komponisten Olaf Bienert und moderierte das „Sonntagsrätsel“ von 1987 bis 2012.  Er und seine Rundfunk-Kolleginnen und -Kollegen waren völlig überrascht, als nach dem Fall der Mauer eines Tages Stapel von Postkarten und Briefen aus den vergangenen zehn Jahren von der Post beim Sender abgeliefert wurden. Diese Korrespondenz mit den Lösungen längst vergangener Sendungen stammte allesamt aus der  ehemaligen DDR, abgefangen vom Ministerium für Staatssicherheit. Ein Team um Christian Bienert setzte sich mit Unterstützung von Studentinnen und Studenten zusammen und beantwortete, soweit wie möglich, diese Hörerpost, die „dank“ Stasi den Sender nie erreicht hatte.

Man sieht: Das „Sonntagsrätsel“ hat eine interessante Geschichte, die  sicherlich noch lange nicht zu Ende ist.  Wie kann man Deutschlandfunk Kultur empfangen? Auf UKW (leider nicht in allen Radios),  auch digital und per Internet. Die Hompageadresse ist: https://www.deutschlandfunkkultur.de

Falls Sie, liebe Leserinnen und Leser, das „Sonntagsrätsel“ nicht hören können oder wollen: Für Rätselfreunde gibt es in den Zeitungen bekanntlich ausreichend Stoff zum Knobeln wie Sudoku oder das traditionelle Kreuzworträtsel, so dass man in den traurigen, ungewissen Zeiten des Corona-Problems für eine Weile Ablenkung von den Sorgen hat. Und auch der  Hessische Rundfunk präsentiert Rätsel, bei denen man etwas gewinnen kann: beispielsweise samstags ab 12 Uhr in der Sendung „Hörbuchzeit“  (HR2).  Soweit einige Beispiele. Viel Spaß und Erfolg beim Lösen den Aufgaben.

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