Solidarische Landwirtschaft

Solawi soll wachsen

Von Elfriede Maresch

„Naturschonender Anbau, kurze Wege zum Verbraucher, Stärkung regionaler Landwirtschaft“- das waren die Ziele der im Februar 2016 gegründeten Solidarischen Landwirtschaft Wallernhausen (Solawi). Fazit des ersten erfolgreichen Wirtschaftsjahres: „An die 40 Kräuter-, Gemüse- und Salatsorten in sehr guter Qualität waren nach und nach in unseren Kisten!“ Nun soll die Solawi wachsen, neue Mitglieder werden gesucht, ein Informationsabend dazu ist am Montag, 16. Januar 2017, um 19.30 im Kinderhotel auf dem Bauernhof Koch, Nidda-Wallernhausen, Lerchenrain 3.

Direkt an die Verbraucher

Das Solawi-Modell des Wirtschaftens wird an mehreren Orten Hessens praktiziert,  etwa im Umland von Darmstadt oder Friedberg. Die regional nach Prinzipien der ökologischen Landwirtschaft angebauten Ernten werden nicht über den Markt vertrieben, sondern gehen direkt an die Verbraucher. Konkret bezahlen diese jeden Monat einen vorher vereinbarten Mitgliedsbetrag und bekommen laufend einen entsprechenden Teil des Geernteten – im Spätsommer und Herbst mehr, im Winter weniger. Damit sind weite Wege mit Energieaufwand und Preiserhöhung durch Zwischenhandel ausgeschlossen, die Existenz des Erzeugers ist so abgesichert, dass er weder über seine eigene Belastungsgrenze noch über die seiner Felder oder Tiere hinausgehen muss, vielfältige bäuerliche Landwirtschaft in der Region bleibt erhalten.

Solawi – eine neue Wirtschaftsform in einem Wetterauer Traditionsbetrieb. Mitglieder holen ihre Gemüsekisten ab. (Fotos: Maresch)

Ökologischer Anbau

In Wallernhausen waren es die beiden Ortsbürgerinnen Christiane Rehahn und Ulrike Fleischer-Delling, die die Idee vorantrieben, Interessierte wurden zu Planungsgesprächen eingeladen. In Gerrit Jansen, Gärtner in einem regionalen Demeter-Betrieb, fand man einen sachkundigen Berater. Zwei besondere Glücksfälle ebneten der Solawi Wallernhausen den Weg. Wolfgang Koch, Besitzer eines Bioland-Hofes, der inzwischen nach Demeter-Richtlinien arbeitet, stellte einen dreiviertel Hektar Anbaufläche zur Verfügung, seit Jahren ökologisch bearbeitet und in guter Bodengare, seine Geräte, sein Kühlhaus können genutzt werden. Dazu fand die Gruppe in Frank Lusche und Heike Vollmer, beide Agraringenieure mit Ausbildungsschwerpunkt Ökologische Landwirtschaft, zwei erfahrene Fachkräfte, die zuletzt in Gemüseanbaubetrieben Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommern gearbeitet hatten. 36 Solawi-Mitglieder verpflichteten sich für ein Jahr zur regelmäßigen Zahlung. Das reichte, um Lusche halbtags zu beschäftigen, ansonsten ist er auf dem Hof Koch tätig. Die Solawi Wallernhausen konnte beginnen.

Doch der März war so nasskalt, dass erst im April mit der Aussaat begonnen werden konnte. Mit Vliesen trug Lusche zum schnelleren Wachstum bei und der Inhalt der ersten Gemüsekisten, ausgegeben Ende Mai, konnte sich sehen lassen: duftende Kräutersträuße, Radieschen, Rettiche, Kohlrabi und Salat in üppigen Mengen, dabei sogar Exotisches wie Pak Choi. Den Sommer über halfen SolaWi-Mitglieder an Mitmachtagen oder bei der Kartoffelernte. Während die Sommergemüse folgten, wurde auch der Austausch immer lebhafter, die Qualität der Ernte inspirierte zu neuen Rezepten: Zuchini-Chutney, Mangold-Auflauf, Zwiebelkuchenvarianten, gefülltes Weißkraut. Gemeinsam wurden süß-saure Gurken eingekocht, Sauerkraut eingemacht, das demnächst verzehrfertig ist.

Nach dem ersten erfolgreichen Jahr auf Erweiterungskurs: die beiden Solawi-Initiatorinnen (v. li.) Christiane Rehahn und Ulrike Fleischer-Delling mit dem Landwirt Frank Lusche.
Üppig gefüllte Körbe

Die Gruppe lud während der Wetterauer Bio-Woche zum Feldküchenabend, auf drei Feuerstellen am Ackerrand wurden Gemüsesuppen und Bratkartoffeln für die Gäste zubereitet.
Auch eine Solawi ist kein Paradies, der Acker blieb von der Schneckenflut nach dem milden Winter 2015/16 nicht verschont. Lusche musste zu einem im Biolandbau zugelassenen Schneckenkorn greifen, das sich auflöst. Drahtwürmer hinterließen ihre Spuren, in einer eine Phase nasskalten Sommerwetters trat Krautfäule an den Kartoffeln auf, so konnten nur mittelgroße Knollen geerntet werden. Und jetzt im Winter? Immer noch werden die Körbe üppig gefüllt mit roten und gelben Rüben, Lauch, Pastinaken, Weiß- und Rosenkohl, Sellerie, Zwiebeln, Kartoffeln. Kein Wunder, dass die Solawi-Mitglieder von ihrem Projekt überzeugt sind. Christiane Rehahn: „ Unser Öko-Gemüse schmeckt ausgesprochen gut: der Salat zart und knackig, die Roten Rüben nicht streng-erdig, sondern fruchtig, die Kohlarten ohne penetranten Geruch beim Kochen.“ So gibt es konkrete Weiterentwicklungspläne: eine Fläche für Dauerkulturen wie Beerensträucher ist angekauft, Lusche wird im Herbst auch Gründüngung einsetzen und er wünscht sich ein großes Gewächshaus für Frühkulturen.

Der Informationsabend zur Solawi ist am Montag, 16. Januar 2017, um 19.30 im Kinderhotel auf dem Bauernhof Koch, Nidda-Wallernhausen, Lerchenrain 3.

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