Roland Bock

Ein Leben wie ein Abenteuerroman

von Jörg-Peter Schmidt

Roland Bock (Jahrgang 1944) wurde als Ringer unter anderem Europameister, war als Wrestler und Catcher international eine Top-Adresse, stand im Film „Hurricane Rosie“ neben Gérard Depardieu vor der Kamera, hatte aber oft Pech und erlebte als Unternehmer schwere Zeiten mit geschäftlichen Abstürzen und Gefängnisaufenthalten, unter anderem wegen angeblicher „zu später Konkursanmeldung“. Im Gießener Kulturzentrum „Prototyp“ konnten man den ehemaligen Spitzenportler in einer Veranstaltung des Literarischen Zentrums Gießen (LZG) kennenlernen.

Buch schildert Leben mit Höhen und Tiefen

Das Buch ist im Heftiger-Verlag erschienen. 

Andreas Matlé (im Hauptberuf OVAG-Pressesprecher) hat unter dem Titel „Bock – im Kampf gegen Stiere & und sich selbst“ (erschienen im Heftiger-Verlag, Wien) ein Buch über das Leben des  Allrounders  geschrieben. Auch der Autor war auf der Bühne des  Kulturzentrums präsent. Moderator war  LZG-Vorsitzender Professor Dr. Sascha Feuchert. Er verstand es, die Interviews so einfühlsam zu führen, dass die Beschreibung des zweifelsohne abenteuerlichen Lebens von Roland Bock stets nie reißerisch erfolgte. In diesem seriösen Stil  präsentieren sich auch der Catcher und der Schriftsteller in dem Buch, das aus der Sicht des Europameisters verfasst  ist.

Schwere Kindheit vor den Erfolgen

Die rund 40 Zuhörerinnen und Zuhörer wurden zunächst mit der harten Kindheit und Jugend Bocks konfrontiert. Er erlitt das, was leider viele junge Menschen in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg erlebten: seelische und körperliche Gewalt im Elternhaus vor allem in der Schule. Allerdings bot er bereits als junger Mann fantastische Leistungen in mehreren Sportarten. „Beim Schlagballwerfen erreichte mich  eine Weite von 104 Meter“, berichtete er in dem Gießener Kulturzentrum in der Georg-Philipp-Gail-Straße dem Publikum stolz. Es dauerte nicht lange – und er entschied sich, beim Ringer-Training der Sportvereinigung Feuerbach mitzumachen. Schon bald sammelte er Titel:  Deutscher Jugendmeister, dann deutscher Juniorenmeister,  schließlich  als Amateur Europameister im griechisch-römischen Stil (1970).

Opfer einer Intrige?

Die damaligen vielen Fans von ihm rechneten damit, dass er für die Olympischen Spiele 1972 in München nominiert wurde. Aber bereits jetzt erlebte er großes Unglück. Wie er berichtete,  könnte  möglicherweise während der Europameisterschaften in Kattowitz ein Essen, das er zu sich nahm, vergiftet gewesen sein, denn er  klagte plötzlich über starkes Unwohlsein  mit Erbrechen. Beweisen kann er die Vergiftung nicht, aber auch sein Arzt ging fest von einer Intrige aus. Bock schilderte, wie der Verbandspräsident in Kattowitz von ihm verlangt habe, dennoch weiter anzutreten, was für den Ringer aufgrund seines körperlichen Zustands unmöglich war. Dass sich der Sportler mit der Verbandsspitze angelegt hatte, habe trotz seiner Superform und seiner Popularität ungerechterweise die Teilnahme an den Olympischen Spielen verhindert, ärgert sich Bock auch heute noch.

Es folgten dennoch wieder sonnige Zeiten. Der vielseitige Sportler zeigte auch als Wrestler Höchstleistungen und er bewies , dass er sogar  den weltberühmten Japaner Antonio Inoki nicht fürchten musste.  Und Roland Bock kämpfte als Showman auch schon mal gegen einen Bären oder einen Stier. Er wusste wirklich, wie man Schlagzeilen macht – leider waren die im Laufe seines Lebens, wenn er wieder mal das Unglück anzog, nicht immer positiv. Aber die Zuhörer im  „Prototyp“  erlebten – wie bereits erwähnt – einen älteren Herrn, der nie den Humor verloren hat und doch insgesamt sehr stolz auf seine sportliche Laufbahn sein kann. Am Schluss des Abends gab es sehr langen Applaus des Publikums. 

Titelbild: In Teamarbeit entstand ein  spannendes,  hochinteressantes  Buch: Autor Andreas Matlé (links) und der frühere Hochleistungssportler Roland Bock vor dem Kulturzentrum 
„Prototyp“ in Gießen. (Foto: Jörg-Peter Schmidt)

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