Mord an Johanna

HR-Dokumentation über den Fall

Von Corinna Willführ

Er ist einer der „emotionalsten Kriminalfälle“ der jüngsten Geschichte: Der Mord an der achtjährigen Johanna Bohnacker aus dem Ranstädter Ortsteil Bobenhausen im Wetteraukreis. Der dreiteilige Dokumentationsfilm „Auf den Spuren eines Kindermörders“ im Hessischen Fernsehprogramm zeichnet die Ereignisse nach.

18 Jahre nach dem Verschwinden des Mädchens am 2. September 1999 konnte der Täter ermittelt werden. Am 19. November 2018 wurde der 41-jährige Rick J. aus Friedrichsdorf vom Landgericht Gießen wegen Mordes mit besonderer Schwere der Schuld zu lebenslanger Haft verurteilt.

Die achtjährige Johanna Bohnacker verschwindet

Wer Ende der 1990er Jahre in der Wetterau gelebt hat, hat das Foto sofort wieder vor Augen: Das Bild der achtjährigen Johanna Bohnacker, mit dem die Polizei die Bevölkerung um Hinweise auf das vermisste Mädchen aus Ranstadt-Bobenhausen bat. Johanna, die als sehr zuverlässig galt, kommt am Abend des 2. September 1999 nicht vom Spielen nachhause. Ihr gelbes Fahrrad wird in der Nähe des Sportplatzes von Bobenhausen gefunden. Von ihr fehlt jede Spur. Bereits am nächsten Morgen suchen 200 Beamte und Freiwillige das umliegende Gelände ab, Tage später auch Taucher den Teich beim Steinbruch. Johanna bleibt verschwunden. Bei der Polizei meldet sich ein Zeuge, dem ein sehr langsam fahrendes Auto mit HG-Kennzeichen (Bad Homburg) aufgefallen ist. Ein brauner Jetta, am Steuer ein Mann mit Pferdeschwanz, unrasiert. Mehr als 500 Halter des Wagens werden daraufhin überprüft. Unter ihnen auch Rick J. aus der Taunusstadt Friedrichsdorf. Doch der gebürtige Bad Nauheimer scheint ein Alibi zu haben und sein Fahrzeug nicht die gesuchte Farbe. Die Spur gilt als abgearbeitet.

Am 1. April 2000 werden die schlimmsten Befürchtungen der Eltern, der Menschen in und um Bobenhausen und der Polizei Gewissheit: In einem Waldstück bei Alsfeld nahe der A 5 finden Spaziergänger Leichenteile. Mehr als einhundert Beamte sind daraufhin am Fundort im Einsatz. Es gibt keinen Zweifel: Sie stammen von Johanna. „Die Hoffnung ist weg“, sagt Johannas Mutter, Gabriele Bohnacker vor laufender Kamera, „jetzt ist alles aus.“

Die Hoffnung ist weg

Das Zitat stammt aus der dreiteiligen Dokumentation „Auf den Spuren eines Kindermörders“, die das Hessische Fernsehen am Donnerstag, 15. April 2021, sowie am Donnerstag, 22. April, und Donnerstag, 29. April, jeweils um 21 Uhr zeigt. In den jeweils 45-minütigen Beiträgen nimmt der Film von Markus Cebulla die Zuschauerinnen und Zuschauer zu den Suchaktionen der Polizei mit, zum Fundort der Leiche, an den Wohnort des Täters, in den Gerichtssaal. Zudem sind Original-Beiträge aus der Hessenschau, aus Aktenzeichen XY, aus „Brisant“, O-Töne der ermittelnden Beamten, Filmaufnahmen von den Suchaktionen, von der Beerdigung des Mädchens und Fotos von Beweismitteln zu sehen: Sie zeichnen ein Ereignis nach, das bis heute nachwirkt. Über zwei Jahrzehnte lässt es insbesondere die Polizei nicht ruhen. Doch alle Anstrengungen der Ermittler – von der Überprüfung von mehr als 2000 Hinweisen bis zur Reihenuntersuchung – haben zunächst nicht zu einem Täter geführt. In 2014/2015 gelten alle Spuren als abgearbeitet.

Drei Jahre später allerdings machen sich drei junge Beamte doch noch einmal an den Fall. Jede auch noch so kleine Notiz, jede einzelne Aktenseite, jedes Foto aus fast 18 Ermittlungsjahren wird digitalisiert. Darunter auch Spur 11, der Teilabdruck einer Fingerkuppe, der am Fundort von Johannas Leiche auf dem Klebeband gefunden wurde, mit dem der Mörder das Mädchen gefesselt hatte. Noch in 2017 nimmt die SOKO Johanna im Polizeipräsidium Mittelhessen ihre Arbeit auf. Ihr gehören 30 Beamte und Beamtinnen an. Ihr Leiter ist Roland Fritsch, eine der Ermittlerinnen Agata Koch. Die Dokumentation gibt ihnen Raum von ihrer Arbeit zu berichten. So sachlich ihre Aussagen sind, so ist stets zu spüren, wie sehr der Fall sie beschäftigt. Und das sie eines wollen: Den Täter überführen. Ebenso wie Staatsanwalt Thomas Hauburger. Doch auch wenn sich immer mehr verdichtet, dass Rick J. der mutmaßliche Täter ist, ist Hauburger bewusst, dass Indizien für eine Mordanklage nicht ausreichen könnten. Zumal Rick J. nach seiner Verhaftung – zuvor hat ihn die Polizei monatelang observiert – angibt, er habe Johanna zwar im Kofferraum seines Wagens transportiert, aber weder sexuell missbraucht noch getötet. Es sei ein Unfall gewesen. Wie die Polizei nachweist, dass seine Version nicht stimmen kann, erfährt der Zuschauer in der Dokumentation ebenso wie den Grund, warum sich die SOKO Johanna bei der Verhaftung von Rick J. gegen den Einsatz eines Sonderkommandos entschied. Faszinierende Einblicke in ihre Aufgaben bei der Ermittlung gibt Angelika Schwetz, Expertin für Fadenanalysen, beim Landeskriminalamt in Wiesbaden. Kriminalanalyst Mark T. Hofmann (Profiler) äußert sich zum Charakter des Täters und den Ermittlungsmethoden.

Lebenslänglich für den Täter

Am 19. November 2018 wird im Landgericht Gießen das Urteil gegen Rick J. verkündet: lebenslänglich. „Damit ist eine Riesenlast von mir genommen“, sagt Gabriele Bohnacker, Johannas Mutter. Erleichterung auch bei der SOKO Johanna. Dass der Friedrichsdorfer weitere Tötungsdelikte begangen haben könnte, „dafür gibt es keine belastbaren Hinweise.“

Die drei Folgen der Dokumentation „Auf den Spuren eines Kindermörders“ werden am Sonntag 18. April, 25. April und 2. Mai 2021, jeweils um 17 Uhr wiederholt. Damit setzt die ARD ihre im vergangenen Jahr gestartete Reihe „Crime Time“ fort. In dieser werden Dokumentationen über hessische Kriminalfälle gezeigt. Die Beiträge sind auch in der ARD-Mediathek abrufbar. Seit 14. April steht auch der Podcast „Späte Gerechtigkeit für Johanna Bohnacker“ in der Reihe „Verurteilt“ der Gerichtsreporterin Heike Borufka zur Verfügung. Im Anschluss an Teil drei der Dokumentation am Sonntag, 29. April, wird um 21.45 Uhr zudem ein 30-minütiger Beitrag der Reihe „Verurteilt“ ausgestrahlt.

Am 19. November 2018 wird im Landgericht Gießen das Urteil gegen Rick J. verkündet: lebenslänglich. „Damit ist eine Riesenlast von mir genommen“, sagt Gabriele Bohnacker, Johannas Mutter. Erleichterung auch bei der SOKO Johanna. Dass der Friedrichsdorfer weitere Tötungsdelikte begangen haben könnte, „dafür gibt es keine belastbaren Hinweise.“

Die drei Folgen der Dokumentation „Auf den Spuren eines Kindermörders“ werden am Sonntag 18. April, 25. April und 2. Mai 2021, jeweils um 17 Uhr wiederholt. Damit setzt die ARD ihre im vergangenen Jahr gestartete Reihe „Crime Time“ fort. In dieser werden Dokumentationen über hessische Kriminalfälle gezeigt. Die Beiträge sind auch in der ARD-Mediathek abrufbar. Seit 14. April steht auch der Podcast „Späte Gerechtigkeit für Johanna Bohnacker“ in der Reihe „Verurteilt“ der Gerichtsreporterin Heike Borufka zur Verfügung. Im Anschluss an Teil drei der Dokumentation am Sonntag, 29. April, wird um 21.45 Uhr zudem ein 30-minütiger Beitrag der Reihe „Verurteilt“ ausgestrahlt.

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